Ethik ist ein Wettbewerbsfaktor bei KI

Cyborg-Gesicht
Cyborg-Gesicht: Lösungen für künstliche Intelligenz sollten niemanden diskriminieren und sensible Informationen nur in eng definierten Grenzen verarbeiten (Foto: © Piotr Krześlak/123rf.com)

Der vermehrte Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) könnte gerade im Gesundheitsbereich viele Verbesserungen mitbringen. Die aktuelle Studie „Künstliche Intelligenz, Smart Home, vernetzte Gesundheit – Ethik in der Digitalen Wirtschaft“ zeigt in diesem Zusammenhang auf, wie bedeutsam die Umsetzung ethischer Grundsätze ist.

Bereits vor einem Jahr hatte der Bundesverband Digitale Wirtschaft e. V. (BVDW) in einer Studie die Bedeutung von KI für die Wirtschaft beleuchtet. Damals gaben drei Viertel der befragten BVDW-Mitglieder an, dass KI wichtig oder eher wichtig für ihr Geschäftsmodell sei. Im Rahmen einer jetzt vorgelegten Studie widmet sich der Verband in diesem Zusammenhang nun den ethischen Standards.

Derartige Grundsätze könnten etwa sicherstellen, dass eine Software niemanden diskriminiert oder sensible Informationen nur in engen Grenzen verarbeitet. Pflegeroboter dürfen Menschen zwar an die Einnahme eines Medikaments erinnern, sie aber nicht maßregeln, wenn die Einnahme verweigert wird. Rund drei Viertel der von Kantar TNS repräsentativ befragten Deutschen (74 Prozent) sind der Meinung, dass Ethik schon bei der Entwicklung entsprechender Produkte einen hohen oder sehr hohen Stellenwert haben sollte. Mehr als die Hälfte der Unternehmen (55 Prozent) sieht das genauso. Zudem würden 72 Prozent der Verbraucher Produkte oder Services bevorzugen, deren Entscheidungsfindung sich an nachvollziehbaren ethischen Standards orientiert. Laut 71 Prozent der befragten Digitalunternehmen sind derartige Lösungen auch potenziell erfolgreicher im Markt.

Ethik wichtiger als Funktionalität

Die Einhaltung ethischer Standards kann manchmal eine Einschränkung des Funktionsumfangs bedeuten. Rund zwei Drittel der Deutschen (63 Prozent) würden dies aber in Kauf nehmen und die Funktionalität hintenanstellen. Bei den Digitalunternehmen liegt dieser Anteil sogar bei 83 Prozent. „Die Branche ist in dieser Hinsicht äußerst sensibel – und das ist gerade in Deutschland auch angemessen und wird sich mit der zunehmenden Verwendung von KI auch als Wettbewerbsvorteil erweisen. Denn hierzulande spielen Themen wie Ethik und Datenschutz eine deutlich größere Rolle als zum Beispiel in den USA“, erklärt BVDW-Präsident Matthias Wahl. 

Unabhängige Prüfinstanz erwünscht 

Verbraucher (46 Prozent) und Unternehmen (51 Prozent) sind überwiegend der Meinung, dass eine unabhängige Prüfinstanz die Einhaltung ethischer Standards überwachen sollte. Dabei vertrauen die Bürger (23 Prozent) dem Staat deutlich mehr als den Unternehmen im Bereich der digitalen Wirtschaft (12 Prozent).

Studie „Künstliche Intelligenz, Smart Home, vernetzte Gesundheit – Ethik in der Digitalen Wirtschaft“: Die vollständigen Ergebnisse der Studie stehen als PDF-Dokument hier auf der BVDW-Website bereit.