Digitalisierung stresst junge Bundesbürger

Hand mit Smartphone: Digital Natives
Digital Natives: Schlüssel zu weniger Stress sind häufigere digitale Auszeiten (Foto: © kebox/fotolia.com)

Laut einer repräsentativen Umfrage der Schwenninger Krankenkasse hat auch die „Generation Smartphone“ vermehrt Probleme mit der ständig wachsenden Anzahl digitaler Angebote und fühlt sich deshalb im öfter gestresst.

Die Schwenninger Krankenkasse hat in Kooperation mit der Stiftung „Die Gesundarbeiter – Zukunftsverantwortung Gesundheit“ rund 1.000 Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland zwischen 14 und 34 Jahren zum Thema Digitalisierung und Gesundheit befragt. Die repräsentative Studie verdeutlicht, dass auch Teile der jungen Generation Schwierigkeiten mit der zunehmenden Digitalisierung haben. Dies wirkt sich teilweise sogar auf deren Gesundheit aus.

Die vollständige Studie „Zukunft Gesundheit 2018 – Jungen Bundesbürgern auf den Puls gefühlt“ (PDF) finden Sie hier.

Digitaler Stress nimmt zu

Die heute 14- bis 34-Jährigen gelten als „Digital Natives“, sie sind in die Welt des Internets hineingeboren worden. Insgesamt schreckt aus dieser Bevölkerungsgruppe kaum jemand davor zurück, sich mit digitalen Medien zu beschäftigen. Die Nutzung von Smartphone, Smartwatch, Notebook & Co. ist absolut selbstverständlich.

Dennoch stellt die rasante Digitalisierung in allen Lebensbereichen auch die „Digital Natives“ vor Herausforderungen. So sagen 67 Prozent, dass sie durch Blogs, Videos und Chats abgelenkt werden und sich dadurch gestresst fühlen. 50 Prozent klagen über die allgemeine Informationsflut etwa durch Push-Nachrichten und Mails. Allerdings: Insgesamt sagen 64 Prozent, dass sie sich durch digitale Medien überhaupt nicht oder nur wenig gestresst fühlen. Sehr stark gestresst fühlen sich dadurch nur sieben Prozent der Befragten.

Interessant: Die ständige Erreichbarkeit für Freunde und Familie stresst weitaus mehr Frauen (62%) als Männer (44%). „Daran wird deutlich, dass es offensichtlich immer noch die Frauen sind, die die Hauptlast der Familienorganisation und der Beziehungspflege zu schultern haben. Verstärkend kommt der Trend hinzu, jederzeit und sofort auf Nachrichten reagieren zu müssen“, sagt die Gesundheitsexpertin der Schwenninger, Dr. Tanja Katrin Hantke. Erzwungenes „Online-Sein“, etwa bei Online-Spielen, stresst hingegen weitaus mehr Männer (37%) als Frauen (19%) aus der befragten Gruppe.

Auszeiten organisieren

Die Studie zeigt, wie sich Stress durch digitale Medien vermeiden lässt. „Der Schlüssel dazu sind ganz klar häufigere digitale Auszeiten“, stellt Dr. Hantke fest. So genehmigen sich von den digital Gestressten nur 56 Prozent digitale Auszeiten, von den nicht Gestressten hingegen 73 Prozent. „Hier gilt es anzusetzen und sich konsequent Freiräume zu schaffen, in denen andere Dinge im Vordergrund stehen als die Nachricht einer Freundin, die Push-Meldung mit neuesten Nachrichten oder ein schneller Post auf Instagram. Die wichtigste Auszeit aber ist unsere tägliche Nachtruhe“, so die Ärztin. Ihr Tipp: „Richten Sie Ihrem Smartphone einen festen Schlafplatz außerhalb des eigenen Schlafzimmers ein. Dort wird es dann spätestens vor dem zu Bett gehen deponiert – und schläft ohne Unterbrechung bis zum nächsten Morgen.”

Gesundheitsvorsorge nur begrenzt ein Thema

Die Nutzung von Gesundheits-Apps ist bei der jungen Generation kein Selbstläufer: 71 Prozent sagen, dass sie Apps für ihre Gesundheit nur selten oder nie verwenden. 29 Prozent verwenden Gesundheits-Apps indes häufig oder ständig. Am beliebtesten sind dabei bei 69 Prozent Schrittzähler und ähnliche Gesundheitstracker, gefolgt von Apps für eine bessere Ernährung (54%). Das Management der eigenen Gesundheitsdaten (Fitness- und Vitaldaten, Befunde, Arztbriefe) findet nur ein Drittel der Befragten spannend. Diese Zurückhaltung erklärt sich am ehesten daraus, dass die junge Generation naturgemäß weniger krank ist als ältere Bundesbürger. So räumen auch 53 Prozent der Befragten ein, dass Gesundheitsvorsorge ist für sie überhaupt noch kein Thema ist. Widersprüchlich klingen zudem Aussagen zur Motivation in Sachen Gesundheitsvorsorge: So meinen 93 Prozent, dass jeder Mensch selbst für ein gesundheitsbewusstes Leben verantwortlich ist. Dennoch wünscht sich eine fast gleichgroße Anzahl der Befragten mehr Unterstützung: Dass Krankenkassen mehr Anreize für ein gesundes Leben schaffen sollten, fordern 88 Prozent.

Die Schwenninger Krankenkasse zählt mit rund 330.000 Mitgliedern zu den 20 größten, bundesweiten gesetzlichen Krankenkassen. Sitz der Zentrale ist Villingen-Schwenningen, dazu kommen 14 Geschäftsstellen.