Digitalisierung pusht Medizin-Start-ups

„Start-up Park“ auf der Medica
Der „Start-up Park“ auf der Medica dient als Anlaufstelle für zahlreiche Healthcare-Jungunternehmen (Foto: Messe Düsseldorf, Constanze Tillmann)

Von der Digitalisierung im Gesundheitsbereich profitieren nicht nur etablierte Medizintechnik-Hersteller. Vom digitalen Stethoskop bis zur Hautkrebs-Früherkennung mittels Algorithmus werden auf der diesjährigen Medizinmesse Medica in Düsseldorf mehr als 50 Start-ups ihre neuesten Lösungen vorstellen.

Die deutschen Medizintechnik-Hersteller gehen laut Branchenverband Spectaris für das vergangene und das aktuelle Jahr von einem Wachstum von jeweils fünf Prozent aus. Eine Haupttriebfeder sieht der Verband in der Digitalisierung. Dass hiervon nicht nur große Unternehmen profitieren können, sondern auch Start-ups, will die Fachmesse Medica (12. bis 15. November 2018) unter Beweis stellen.

Als Hotspot für junge Unternehmen dient die Messehalle 15 mit dem Medica Connected Healthcare Forum, der Medica App Competition und dem Start-up Park. Die Bühne betreten werden insgesamt mehr als 50 Start-ups, die Lösungen für die Behandlung von Hautkrebs, von chronischen Krankheiten, für das Telemonitoring bis hin zum Tracking von Vitalparametern und Aktivität vorstellen. Im Start-up Park und an den Gemeinschaftsständen insbesondere von Frankreich, Israel und Finnland finden sich ebenfalls Start-ups. Viele setzen auf Lösungen für die Prävention und Therapie schwerwiegender Erkrankungen.

Hautkrebsfrüherkennung

Das Berliner Start-up Magnosco wird seine Methode zur Hautkrebsfrüherkennung mittels Laser im Start-up Park vorstellen. Hautkrebs ist die häufigste Krebserkrankung. Allein in Deutschland erkranken mehr als 200.000 Personen jedes Jahr neu daran. Das zugrundeliegende Verfahren von Magnosco verwendet einen neuartigen Ansatz zur Früherkennung. Melanin wird bei dieser patentierten Technologie mit Laser zum Leuchten angeregt. Diese Fluoreszenz wird aufgezeichnet. Krebszellen leuchten unter diesen Bedingungen etwas anders als gesunde Zellen. Diese Unterschiede erkennt ein Algorithmus, der die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung des Gewebes errechnet. Das Verfahren ist recht einfach zu nutzen. Der Anwender ist nicht darauf angewiesen, Bilder zu interpretieren. Der Wert, den das Gerät auswirft, ist ein Maß für das Risiko, dass ein bösartiger Hautkrebs vorliegt. Dies ist eine der wenigen Anwendungen, die ohne App auskommen. Dermatologen und geschulte Allgemeinmediziner können sie bereits jetzt nutzen, wobei die Dermatofluoroskopie sowohl an lebenden wie auch an isolierten Präparaten genutzt werden kann.

Sicherheit für den Nachwuchs

Mehrere Start-ups adressieren junge Eltern: So stellt die Londoner Firma Nachshon ein digitalisiertes Gitterbett vor. Es bietet nicht nur eine eingebaute Kamera, mit der Eltern das Baby beobachten können. In die Matratze des Bettes sind auch Sensoren eingebaut, die das Gewicht des Kindes und dessen Körpertemperatur messen. Das Bett gibt Alarm, wenn der Atem für 15 Sekunden aussetzt. Die Erfassung der Sauerstoffkonzentration im Blut hilft die Gesundheit des Babys zu überwachen. Eine Bilderkennung ermöglicht es, zu sehen wie es dem Baby gerade geht, und die Entwicklung und die Fortschritte des Babys zu verfolgen. Nachshon-Gründer Inbal Robbas wird die Neuheit am Montag, den 12. November, im Rahmen der `Medica Disrupt Start-up Session´ von 13 bis 14 Uhr vorstellen.

Das Stethoskop wird digital

Auch das klassische Stethoskop wird digital und vernetzt – und besser für Eltern nutzbar. `StethoMe´ ist ein schnurloses Stethoskop, mit dem selbst Laien Lunge und Herz ihrer Kinder untersuchen können. Die Sieger des „IOT/WT Innovation World Cup 2018“ in der Kategorie „Healthcare“ wollen Eltern ermöglichen, den Zustand der Atemwege ihrer Kinder an jedem Ort und zu jeder Zeit überprüfen und die Daten mit medizinischen Experten austauschen zu können. Dies kann bei Kindern mit chronischen Lungenerkrankungen häufige Fahrten und Klinik-Aufenthalte vermeiden. Die notwendigen Algorithmen werden mit künstlicher Intelligenz optimiert, was die Auskultationsdiagnostik deutlich verbessern und objektivieren soll. Dazu wird eine große Datenbank von Auskultationsgeräuschen, die von Spezialisten charakterisiert wurden, ausgewertet. Ziel ist die qualitative Verbesserung der Diagnostik und der Therapieüberwachung bei chronischen Krankheiten wie Asthma.

Asthma-Patienten sollen auch vom polnischen „FindAir One“ profitieren, den Mit-Gründer Tomasz Mike auf der Medica vorstellen wird. Es handelt sich dabei um eine smarte Inhalator-Applikation. Diese sammelt Informationen über die inhalierte Arzneimittel-Dosis und die Umwelt-Bedingungen, bei denen das Arzneimittel inhaliert wird. Sowohl der Patient als auch der behandelnde Arzt bekommen so wichtige Informationen, die helfen können, die Behandlung individuell anzupassen.

Wettbewerb um Health-App-Lösungen

Auf der Medica 2018 wird bereits zum 7. Mal der Live-Wettbewerb um die beste Health-App-Lösung ausgetragen, die Medica App Competition. Unter allen bis zum 30. September 2018 eingegangenen Bewerbungen wählt eine zehnköpfige Experten-Jury 10 Start-ups aus, die sich dann mit ihrer App-Lösung für den Einsatz im Patienten-, Arzt- und Klinikalltag live präsentieren dürfen. Der Live-Pitch um den Sieg ist eingebettet in eine Session des Medica Connected Healthcare Forum am Mittwoch, 14. November 2018.