Smartphone als Patienten-Schnittstelle

Die Informatiker Awais Akhtar (l.) und Florian Schrinner
Die Informatiker Awais Akhtar (l.) und Florian Schrinner programmierten ein System, um Daten aus Wearables für die Therapie nutzbar zu machen. Die Patienten erhalten für die Studie Smartphones mit einer speziellen Software. (Foto: Universitätsklinikum Schleswig-Holstein)

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) will die Therapie chronisch Kranker verbessern. Im Rahmen eines Pilotprojekts sollen deshalb rund hundert Patienten mit Chronisch-Entzündlichen Darmerkrankungen medizinische Daten mittels Smartphones übermitteln. So soll schneller auf Verbesserungen oder Verschlechterungen während der Therapie reagiert werden können.

Fitness-Tracker und medizinische Messgeräte für zuhause verbreiten sich immer mehr. Nie haben Menschen mehr Informationen über sich gesammelt, es gibt regelrechte Communities von Personen, die sich selbst vermessen. Diese „Sammelwut“ möchten Wissenschaftler am UKSH für die Forschung und Behandlung nutzen und in ersten Studien systematisch auswerten.

Frühzeitige Erkenntnisse über Therapieverlauf

Konkret soll eine App, installiert auf konventionellen Smartphones, detaillierte Langzeitdaten von Probanden erfassen und so neue Forschungsansätze ermöglichen. In einer ersten Pilotstudie, die zusammen mit der Ambulanz für Chronisch-Entzündliche Darmerkrankungen (CED) des Exzellenzzentrums Entzündungsmedizin durchgeführt wird, sollen bis zu hundert CED-Patienten rekrutiert werden. Sie sollen mit dem aktuell gängigsten Medikament therapiert werden. Hier ist bekannt, dass viele Patienten darauf nicht ansprechen oder nach einiger Zeit ihr Ansprechen verlieren. Die Probanden erfassen daher über mehrere Monate hinweg ihr Wohlbefinden und andere Parameter über die App. Ein Fitness-Tracker erfasst parallel die körperliche Aktivität. Die Forscher versprechen sich dadurch frühzeitige Erkenntnisse über Verbesserungen oder Verschlechterungen. Die Behandlung der Patienten soll entsprechend schneller angepasst – also personalisiert – werden.

Klinik-Daten reichen nicht aus

Umgesetzt wird die digitale Vernetzung von Forschern, Medizinern und Patienten am Kieler Institut für Klinische Molekularbiologie (IKMB). „Für diesen Behandlungsansatz brauchen behandelnde Ärzte ein sehr umfangreiches Bild ihrer Patienten“, erläutert Professor Dr. Andre Franke vom IKMB, der die E-Health-Studie leitet. „Dazu reichen die Daten, die während der Klinikaufenthalte gewonnen werden häufig nicht aus“, sagt er.

Dabei genießt der Datenschutz bei dem Vorhaben hohe Priorität, nicht nur, um den gesetzlichen Bestimmungen Folge zu leisten. „Es war uns von Anfang an klar, dass wir mit sehr sensiblen Daten arbeiten, die wie andere Daten am UKSH einem besonderen Schutz hinter Firewalls bedürfen“, erklärt Florian Schrinner. Er koordiniert die informatische Umsetzung des Systems. Unzählige offene und proprietäre Schnittstellen und Standards zur Datenübertragung in der Medizin erhöhen den Aufwand zusätzlich.

Vorstellung auf Kieler Hackathon

Das Projekt wird vom UKSH mit der Bereitstellung von 100 Smartphones zur Durchführung der Studie unterstützt. Die Vorstellung des Projektes erfolgt auf der Warm-Up-Veranstaltung für den diesjährigen Healthcare-Hackathon, der vom 13. bis 15. September 2018 in der Kieler Sparkassen-Arena stattfindet.

Auf dem Hackathon wird das Team des IKMB daran arbeiten, die eigene Lösung an das Krankenhausinformationssystem des UKSH und verschiedene elektronische Patientenakten anzubinden. Dazu sind unter anderem die Partner IBM mit der elektronischen Gesundheitsakte (eGA) sowie Vitabook mit ihrer Gesundheitsdatenlösung anwesend. „Auf diese Weise soll vor allen Dingen sichergestellt werden, dass sich elektronische Krankenakten, die einen offenen Standard wie den Industrieansatz IHE unterstützen, auch problemlos anbinden lassen“, sagt Informatiker Florian Schrinner.