Digitale Pflegeplattform gewinnt EU Award

EU Jury-Chef Lambert van Nistelroij, Vivai-Vorstand Dr. Bettina Horster, Milenia Boycheva vom Wirtschaftsministerium NRW, Michaela Bonan von der Stadt Dortmund, EU Kommissarin Corina Cretu
Auszeichnung in Brüssel (v. l. n. r.): EU Jury-Chef Lambert van Nistelroij, Vivai-Vorstand Dr. Bettina Horster, Milenia Boycheva vom Wirtschaftsministerium NRW, Michaela Bonan von der Stadt Dortmund, EU Kommissarin Corina Cretu. (Foto: Vivai Software)

Mit dem RegioStars Award zeichnet die EU seit 2007 herausragende Projekte für die Förderung des regionalen Strukturwandels aus. Hauptgewinner in der Kategorie CityStars ist in diesem Jahr das NRW-Projekt „Smart Service Power“.

In den eigenen vier Wänden sorglos Senior sein. Mit diesem Leistungsversprechen setzte sich das Dortmunder Projekt „Smart Service Power“ (SSP, PDF-Dokument) gegen europaweite Konkurrenz durch. Hintergrund: Der demografische Wandel führt nicht nur in Deutschland, sondern EU-weit zu einem Pflegenotstand. Es mangelt an Personal und die Kosten steigen stetig. Smart Service Power versucht, Funktionen aus den Bereichen E-Health, intelligente Haustechnik, umgebungsunterstütztes Wohnen, Notrufsysteme und Hausmeisterdienste zu integrieren. Über die daraus resultierende Internetplattform kann der Zustand des jeweiligen älteren Menschen überwacht werden. Das bietet Kranken, Pflege-/Hilfebedürftigen, Behinderten und Senioren fast die Sicherheit eines Seniorenwohnheims – aber das in der eigenen gewohnten Umgebung. Mit Hilfe von Sensortechnik werden beispielsweise Stürze detektiert, der Herd wird abgestellt, wenn er nicht mehr benötigt wird, das Trinkverhalten wird überwacht. Die Unterstützung erfolgt mittels eines Sprachassistenten.

Technik sorgt für Unabhängigkeit

Die Daten der Sensoren und Aktoren werden in einer Internet of Things-Plattform zusammengefasst – mit einem hohen ethischen Anspruch. Es wird dafür gesorgt, dass die Bewohner durch Prävention, haushaltsnahe Versorgung und vernetzte Wertschöpfungsketten so lang wie möglich sozial integriert in ihrem eigenen Quartier verbleiben können. Das entspricht dem persönlichen Wunsch der meisten, älteren Menschen. Aber auch Pflegekosten und soziale Folgekosten für Krankenkassen, kirchliche Träger und Kommunen werden auf diese Weise reduziert.

Neuer Fokus für „smartifizierte“ Städte

Die Stadt Dortmund und das SSP-Konsortium habe den demographischen Wandel weltweit erstmals in den Fokus einer digitalisierten „Smart City“ gestellt. Das zahlt sich nach Einschätzung von Dr. Bettina Horster , Vorstand Business Development des Konsortialführers Vivai Software AG, jetzt aus: „Wir sind echte Pioniere. Wir wollten etwas gänzlich Neues in den Fokus unserer smartifizierten Stadt stellen – nicht die ewig gleichen Themen wie Energieeffizienz, Lenkung der Verkehrsströme oder die Mobilität“, betont Horster. Der hohe Innovationsgrad war im Übrigen auch der Grund dafür, dass das NRW-Wirtschaftsministerium, welches die EFRE Verwaltungsbehörde NRW stellt, das Projekt SSP für den RegioStar vorgeschlagen hat. Es ist nicht möglich, sich selbst für diesen Preis zu bewerben.

Digitalministerium lobt

Auch aus Sicht des nordrhein-westfälischen Wirtschafts- und Digitalisierungsministers Andreas Pinkwart (FDP) eignet sich SSP hervorragend dafür, das Bundesland wirtschaftlich und technologisch weiter nach vorne zu bringen: „Die Digitalisierung eröffnet ganz neue gesellschaftliche und wirtschaftliche Perspektiven. Dafür ist die Dortmunder Gesundheits- und Pflegeplattform SSP ein Best-Practice-Beispiel: Das Projekt zeigt, wie innovative digitale Lösungen ein selbstbestimmtes Leben im Alter unterstützen und neue Märkte schaffen können“.

Das jetzt ausgezeichnete Projektteam von „Smart Service Power“ besteht aus der Vivai Software AG (Konsortialführung), der Fachhochule Dortmund, der Dogewo 21, dem Fraunhofer InHaus Zentrum, dem Pflegedienst Hüberthal Dortmund und der InHaus GmbH, Duisburg. Assoziierte Partner sind die Städte Dortmund und Arnsberg, die Trilux GmbH, die Barmer GEK und die AXA Versicherungen, die Architekten Schamp & Schmalöer sowie der Verband Smart Home Deutschland e.V. und der Internetverband eco e.V.