Deutsche teilen ihre Daten für Krebsforschung

Die meisten Bürger sind bereit, persönliche Daten für Krebsforschung zu teilen. (Grafik: PwC Deutschland)

Die meisten Deutschen (78 Prozent) würden ihre Daten für die Krebsforschung an vertrauenswürdige Institutionen weitergeben. Nur drei Prozent lehnen eine Freigabe ihrer Daten strikt ab. Acht von zehn Deutschen befürworten die Nutzung personalisierter Patientendaten für potenziell kürzere Entwicklungszeiten von Krebsmedikamenten – trotz möglicherweise höheren Risiken für einzelne Patienten. Das zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC und Strategy& unter 1.000 Bundesbürgern.

Der Grund für diese Bereitschaft: Die meisten Deutschen fürchten sich besonders vor der Diagnose Krebs. Für etwa zwei Drittel der Bürger stellen Tumorerkrankungen die größte Bedrohung ihrer Gesundheit dar. Deutlich weniger sorgen sich Menschen in Deutschland um Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt, obwohl das die häufigsten Todesursachen sind. „Die Bürger haben erkannt, welch enormes Potenzial die personalisierte Medizin in der Krebstherapie bietet. Daher sind sie bereit, ihre persönlichen Daten zu teilen, sofern der Datenschutz gewährleistet ist“, sagt Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswesen & Pharma bei PwC Deutschland. Falls es dem Gesundheitswesen gelinge, große Datenbestände aufzubauen und für die Entwicklung neuer Krebsmedikamente zu nutzen, könnten Krebspatienten künftig deutlich zielgerichteter behandelt werden. „Denn die Therapie- und Heilungschancen steigen enorm, wenn die Therapie individuell an den Patienten angepasst ist“, so Burkhart.

Unis bevorzugt

Die meisten Bürger würden ihre persönlichen Daten bevorzugt mit einer vertrauenswürdigen Institution teilen. Am ehesten wären das Universitäten (64 Prozent), gefolgt von niedergelassenen Onkologen (53 Prozent), Krankenhäusern/Kliniken (42 Prozent) und forschenden Pharmaunternehmen (22 Prozent). Diese Ergebnisse korrelieren auch mit dem Maß an Innovationskraft, das die Bürger den jeweiligen Einrichtungen zutrauen: Den größten Forschungserfolg in der Krebstherapie vermuten sie mit 80 Prozent Zustimmung bei den Universitäten.

31 Prozent der Befragten erwarten keine Gegenleistung für das Teilen ihrer Daten. 28 Prozent sind sogar der Ansicht, dass Patienten dazu verpflichtet werden sollten, ihre Daten anonymisiert weiterzugeben. Nur jeder Fünfte in Deutschland erhofft sich von der Datenfreigabe einen finanziellen Vorteil – entweder in Form von geringeren Krankenkassenbeiträgen (elf Prozent) oder einer angemessenen Bezahlung (sieben Prozent).

Höhere Kosten finden die meisten gerechtfertigt

Eine moderne Krebstherapie mit entsprechender Medikation hat ihren Preis. Diese Mehrkosten halten 59 Prozent der Deutschen für gerechtfertigt. Das gilt insbesondere dann, wenn ein Nutzen für den Krebspatienten nachweisbar ist. Ein Viertel der Deutschen aber findet die Preise für Krebsmedikamente überteuert, auch unabhängig von deren Nutzen. „Die Kostensensibilität im Gesundheitswesen ist deutlich gestiegen. Die personalisierte Medizin schafft mit neuen Datenanalysen sowie diagnostischen Methoden wie die molekulargenetische Untersuchung von Tumorgeweben oder Blut nicht nur neue zielgerichtete Therapieformen, sondern kann auch dazu beitragen, dass Medikamente schneller und günstiger auf den Markt gebracht werden“, sagt Dr. Thomas Solbach, Pharma- und Gesundheitsexperte bei Strategy& Deutschland und führt aus: „Wie unsere globale Strategy&-Umfrage 2017 zeigte, erwarten Pharmafirmen durch personalisierte Medizin eine Verringerung der Entwicklungskosten für Medikamente von rund 26 Milliarden Euro weltweit pro Jahr – das entspricht 17 Prozent der jährlichen Medikamentenentwicklungskosten.“

Krebs-Schwerpunktzentren erwünscht

Eine Chance für eine bessere medizinische Versorgung von Krebspatienten erhoffen sich die Befragten auch durch den Aufbau von spezialisierten Schwerpunktzentren. Rund drei Viertel der Bundesbürger befürworten solche Zentren. Ihren persönlichen Beitrag zur Unterstützung der Krebsforschung und -medizin wollen die Befragten vor allem durch die Teilnahme an Studien, die Weitergabe von Gesundheitsdaten und Spenden für die Forschung leisten. „Die Krebsforschung hat eine große Bedeutung in Deutschland. Künftig geht es noch stärker darum, mithilfe gezielter Diagnoseverfahren und Datenanalysen die Therapie individuell an den Patienten anzupassen“, so Dr. Solbach. Er ist überzeugt: „Krebsdiagnostik und -medizin werden sich in den kommenden drei bis fünf Jahren fundamental verändern.“ Die Ergebnisse der Bevölkerungsbefragung „Personalisierte Krebsmedizin“ stehen online zum kostenlosen Download zur Verfügung.