conhIT: Spahn will schnell handeln

Jens Naumann, Vorsitzender des Vorstands Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg) (m.), und Jens Spahn, Bundesminister für Gesundheit (r.) beim Messerundgang auf der conhIT am Stand von medatixx. (Foto: Messe Berlin)

Bei seiner Stippvisite auf der conhIT in Berlin zeigte sich der neue Gesundheitsminister Jens Spahn aktionsbereit. Er wolle die Digitalisierung im Gesundheitswesen gemeinsam mit den Akteuren der Branche vorantreiben. Spahn versprach, in den nächsten Wochen eine intensive Bestandsaufnahme vorzunehmen. Bis zur Sommerpause soll festgestellt werden, in welchen Bereichen und wie umfangreich politische Weichenstellungen notwendig sind. Man wolle jetzt handeln und nicht erst in drei Jahren, so das Versprechen.

Spahn räumte ein, dass die Politik in der Vergangenheit nicht immer rechtzeitig wichtige Hebel umgelegt hat. So habe man dazu beigetragen habe, dass im deutschen Gesundheitswesen manche Digitalisierungsschritte langsamer vonstattengehen als anderswo. Dass soll sich aber nun schleunigst ändern. „Umso weiter wir hinterher sind, umso mehr können wir aufholen“, gibt es der Minister kämpferisch. Die versprochene Bestandaufnahme will er gemeinsam mit Gottfried Ludewig machen. Er ist Leiter der neuen Abteilung Digitalisierung, die Spahn neu im Gesundheitsministerium geschaffen hat. Auf der Messe plädierte der Spahn dafür, telemedizinische und internetmedizinische Anwendungen stärker zu nutzen, um die Versorgung nicht zuletzt in ländlichen Regionen zu verbessern: „Mein Eindruck ist, dass auch immer mehr Ärzte bereit sind, zu schauen, welche Möglichkeiten sich hier bieten“, so Spahn.

Nicht übertreiben

Darüber hinaus sprach er sich dafür aus, Big-Data-Anwendungen stärker zu nutzen, um Erkenntnisse über Krankheiten zu gewinnen und Behandlungsverläufe nachzuvollziehen. „Im Kern geht es darum, dass wir die Daten, die wir bereits haben, nutzbar machen“, so der Minister, der viel Potential in dem Bereich sieht. Spahn regte unter anderem an, Behandlungsverläufe in großem Maßstab unter Einsatz von künstlicher Intelligenz zu analysieren. Dabei müssten Patienten unbedingt mit einbezogen werden, etwa die Option einer „Datenspende“. Gleichzeitig gelte es, technisch dafür zu sorgen, dass Datenmissbrauch verhindert werde. Hier dürfe man jedoch nicht über das Ziel hinausschießen. „Übertriebene Datenschutzanforderungen verunmöglichen an bestimmten Stellen eine bessere Versorgung“, ist Spahn überzeugt.

Mobile Anwendungen

Wichtig ist laut Spahn die Einbindung mobiler Anwendungen in die digitalen Informationsflüsse im Gesundheitswesen. Hier werde sein Ministerium noch im Laufe des Frühjahrs einen umfangreichen Kriterienkatalog vorlegen, der als Richtschnur dienen kann, um künftig besser beurteilen zu können, welche Anwendungen geprüft sind und einen medizinischen Mehrwert bieten. In diesem Zusammenhang spricht sich der Minister für eine Form der Zertifizierung aus. Diese sollte unabhängig von der separat zu betrachteten Frage einer Erstattung digitaler Anwendungen im Rahmen der Gesetzlichen Krankenversicherung sein.