Cebit ist noch nicht rekonvaleszent

Blick in die Cebit-Messehalle 13
Trotz selbst verordneter Coolness hat die Cebit weiter massiv an Zuspruch verloren (Foto: mednic/Folker Lück)

Die einst größte IT-Messe der Welt Cebit startete 2018 mit einem komplett neuen Messekonzept, bei dem auch das Thema Digital Health eine Rolle spielte. Das Fazit fällt eher bescheiden aus.

Das Thema Digital Health spielt im Gesundheitswesen eine zunehmend wichtige Rolle und stellt die gesamte Branche vor neue Herausforderungen. Die Auswirkungen auf das Gesundheitssystem, Patienten oder Ärzte beleuchtete auch die CEBIT 2018 im Rahmen der „d!talk healthcare“ Konferenz. Mit einigen Vorträgen über die elektronische Patientenakte, die Zukunft der Krankenversicherung und über „Die Digitale Transformation – Use Case AOK“ konnten aktuelle Themen aus der Gesundheits-IT jedoch letztlich nur angeschnitten werden. Wirklich neu war die Idee, auch Digital Health zu betrachten, ebenfalls nicht: Schon auf der Cebit 2007 fand erstmals parallel der Kongress „TeleHealth“ statt. So gab die diesjährige Veranstaltung für Insider letztlich relativ wenig her – kein Vergleich jedenfalls zum umfangreichen Programm der Düsseldorfer Fachmesse Medica oder der DMEA (vormals conhIT) in Berlin.

Das insgesamt nur angeschnittene Thema Digital Health ist exemplarisch für das Grundproblem der Cebit: Man wollte alle Themen abdecken und möglichst auch alle Zielgruppen – vom Schüler bis zum gestandenen IT-Manager – ansprechen. Gerade für die junge, digitale, großstädtische Zielgruppe wurde die Messe aufgepeppt: Vom Drohnen-Flugplatz über ein breites Angebot an Snacks direkt aus dem Food-Truck bis hin zu einer Surf-Welle – sponsored by Intel – machte die Messe mächtig auf cool.

Gute Ansätze, aber…

Doch die einst weltgrößte Computershow, die seit mehr als zehn Jahren massiv rückläufige Besucherzahlen verzeichnet, ist damit wahrlich noch nicht rekonvaleszent. Das runderneuerte Gewand mit vielen Vorträgen und Festival-Charakter wirkte teils erfrischend, teils aber auch arg aufgesetzt. Zwar ist es gelungen, stärker als in den letzten Jahren eine junge Zielgruppe zu adressieren. Und, ja: Die neuen T-Shirts mit dem großen „CEBIT“-Logo fanden auch wir schick! Doch viele bislang „untypische“ Messebesucher – sprich: neue, urbane Zielgruppen – kamen wohl nur deshalb, weil der Eintrittspreis am frühen Abend stark ermäßigt war und man mit attraktiven Band-Auftritten unter anderem von Jan Delay lockte.

Besucherschwund verstärkt

Insgesamt kamen zur umgekrempelten Cebit 2018 nur 120.000 Menschen auf das Messegelände nach Hannover – und damit noch einmal erheblich weniger als 2017 (200.000 Besucher). Wenn zum Messe-Ausklang nun Oliver Frese, der Vorstand der Deutschen Messe AG, davon spricht, dass man „alle gesteckten Ziele erreicht“ habe und man für den Mut und die große Entschlossenheit belohnt wurde, dann kommt der Gedanke auf, dass dieser Mann in seiner Position wohl so etwas sagen muss. Vielen Messeteilnehmern – Ausstellern und Besuchern – waren die „gesteckten Ziele“ bis zuletzt nicht klar – da gab es wohl ein beträchtliches Kommunikationsproblem. Der fortgesetzte, massive Besucherschwund, der Verlust tausender Aussteller in den letzten Jahren und nicht zuletzt nun auch noch eine Erosion beim angestammten Fachpublikum machen deutlich, dass die Messe noch einen weiten Weg vor sich hat, bis sie ihre frühere Bedeutung im neuen Gewand wiedererlangt.