Bitkom veranstaltet erste Digital Health Conference

Mikrophon vor Auditorium
Politik, Gesundheitswesen und Digitalwirtschaft trafen sich in Berlin zur DHC. (Foto: © xy/fotolia.com)

Digitale Anwendungen werden künftig den Alltag von Patienten und medizinischem Personal erleichtern und die Versorgung verbessern. Davon überzeugt ist der IT-Branchenverband Bitkom, der jetzt in Berlin seine erste Digital Health Conference (DHC) veranstaltete. Zur Veranstaltung trafen sich Vertreter aus Politik, Gesundheitswesen und Digitalwirtschaft, um die Digitalisierung im Healthcare-Bereich zu diskutieren.

„Wir freuen uns, dass nach der Verabschiedung des E-Health-Gesetzes vergangenes Jahr die Digitalisierung der Medizin nun richtig Fahrt aufnimmt“, erklärte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Digitale Angebote wie der elektronische Medikationsplan oder auch die Online-Sprechstunde bringen einen Innovationssprung für unser Gesundheitswesen und werden die Prävention, Diagnose und Behandlung von Krankheiten spürbar verbessern.“

Der Medikationsplan, der zum 1. Oktober in Papierform eingeführt wurde und ab 2018 auch elektronisch vorliegen wird, soll bei Patienten, die mindestens drei Medikamente nehmen, gefährliche Wechselwirkungen vermeiden. Bisher sterben in Deutschland jährlich rund 20.000 Menschen, weil Informationen zu Medikamenten nicht transparent sind. Darüber hinaus soll nächstes Jahr zum Beispiel die Online-Sprechstunde live gehen.

„Impulse gesetzt“

Lutz Stroppe, Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit und Keynote-Speaker auf der DHC, unterstrich ebenfalls die Bedeutung der Digitalisierung im Gesundheitswesen: „Mit dem E-Health-Gesetz haben wir wichtige Impulse gesetzt. Diesen Weg werden wir weiter gehen. Wir wollen, dass die Patientinnen und Patienten von den neuen technologischen Möglichkeiten profitieren, und das wird auch in Zukunft unser Maßstab sein – egal, ob es um den Medikationsplan geht, um die elektronische Patientenakte, um mobile Anwendungen oder um die Nutzung von Big Data Analysen für die Medizin.“

Angesichts der rasanten technologischen Entwicklung ist es aus Bitkom-Sicht zugleich wichtig, dass Politik und Wirtschaft schon jetzt den Blick in die Zukunft richten. Rohleder: „Wir müssen heute die Weichen stellen für die Lösungen von morgen, etwa die datengetriebene personalisierte Medizin, bei der Therapien auf jeden Patienten individuell zugeschnitten werden, oder Operations-Roboter, die Chirurgen bei kniffligen Eingriffen unterstützen. Hierbei müssen wir die Entscheidungszyklen von Politik und Gesundheitsbehörden beschleunigen und dem Tempo digitaler Innovationen angleichen.“

Patienten positiv gestimmt

Das Interesse der Patienten an digitalen Gesundheitsangeboten ist groß, zeigt eine aktuelle Befragung im Auftrag des Bitkom. So erklären beispielsweise 61 Prozent, dass sie im Krankheitsfall einen Operations-Roboter in Anspruch nehmen würden oder sich das vorstellen können. Ein Viertel (24 Prozent) würde im Krankheitsfall digitale Tabletten einnehmen, die Informationen an ein Smartphone senden, 26 Prozent können sich das vorstellen (Gesamtinteresse 50 Prozent). Solche smarten Arzneimittel können zum Beispiel Ärzten oder Verwandten helfen zu kontrollieren, ob ältere oder demente Menschen ihre Medizin eingenommen haben. Ein Drittel (33 Prozent) der Befragten ist offen für unter die Haut implantierte Mikrochips zur Überwachung der Körperfunktionen. 15 Prozent würden sie auf jeden Fall nutzen, 18 Prozent können sich das vorstellen.

Eine deutliche Mehrheit (61 Prozent) unterschreibt den Satz: Die Digitalisierung der Medizin birgt unter dem Strich mehr Chancen als Risiken. 54 Prozent sind der Ansicht, digitale Gesundheitsangebote tragen dazu bei, dass ältere Menschen länger selbstständig sind. 44 Prozent erwarten, dass die Digitalisierung die Kosten im Gesundheitswesen verringern kann.