Bayerisches „SPeed“-Projekt auf Erfolgskurs

Melanie Huml Staatsministerin im Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege
Gefördertes „Speed“-Projekt: Seit Herbst 2013 ist Melanie Huml Staatsministerin im Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege. (Foto: Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege)

Ende 2015 startete das vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege geförderte Projekt „SPeed – Sektorenübergreifende Pflegeakte zur effizienten und effektiven Pflegedokumentation und Versorgung“. Ziel des Vorhabens ist es, Pflegeeinrichtungen mit den niedergelassenen Haus- und Fachärzten zu vernetzen sowie Fahrten zum Facharzt zu reduzieren oder sogar zu vermeiden. Außerdem sollen Krankenhausaufenthalte verringert und die Verschreibung von Medikamenten reduziert werden.

Das Ingolstädter Praxisnetz GOIN ist Träger des Projekts. Inzwischen sind vier Pflegeeinrichtungen mit insgesamt sechs Ärzten, darunter fünf Hausärzte und ein Psychiater, miteinander vernetzt. Viele Bewohner profitieren nach Einschätzung der Initiatoren von einer verbesserten Versorgung.

Im Rahmen einer Diskussionsrunde mit Irmgard Landgraf, die ein gleichartiges Projekt in Berlin erfolgreich etabliert hat, wurde deutlich: Viele Pflegekräfte stehen heute massiv unter psychischen und physischen Druck. Das Versorgungsmodell „SPeed“ mit verbesserter, zeitlich und örtlich unabhängiger Kommunikation bietet die Chance, sich besser auf die Pflege und den mitmenschlichen Austausch zu konzentrieren.

Gründliche Vorbereitung

Gemeinsam mit der Technischen Hochschule Deggendorf wurde ein Evaluationskonzept für das Projekt erarbeitet. Der Fokus lag hierbei auf einer strukturierten Kommunikation innerhalb der Pflegedokumentation. Ziel: Ein verringerter zeitlicher Aufwand und eine besser in den in den Pflege- und Praxisalltag integrierte ärztliche Versorgung.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des „SPeed“-Projektes: Die Stärkung der Arzneimitteltherapiesicherheit. Das ist nach Einschätzung von GOIN gelungen: Durch den Zugriff auf die Pflegedokumentation sei die Medikation des betreuten Bewohners für den Haus- und Facharzt jederzeit in der Pflegeakte einsehbar und somit die Grundlage für den vom „Aktionsbündnis für Arzneimitteltherapiesicherheit“ geforderten Medikationsplan gelegt.

Der seit Oktober bestehenden vertragsärztlichen Verpflichtung zur Erstellung eines Medikationsplans für den Patienten könne somit optimal nachgekommen werden. Die gewonnen Erkenntnisse sollen künftig die Grundlage für standardisierte digitale Kommunikationsabläufe zwischen allen Beteiligten bilden.

Einsparpotential geprüft

Neben einem besseren Pflegeprozess für den Patienten aufgrund der intersektoralen Kooperation wurde im Rahmen des Projektes auch die ökonomische Nachhaltigkeit des Versorgungsmodells für die Kostenträger wie auch die Ärzte analysiert. Hierbei wurden die Vorteile und folglich mögliche Finanzierungsansätze von SPeed hinsichtlich der neuen Kapitel 37 und 38 des einheitlichen Bewertungsmaßstabes herausgearbeitet und eine Empfehlung zur Aufnahme weiterer Abrechnungsziffern für die Zusammenarbeit innerhalb einer intersektoralen digitalen Akte erstellt. Parallel sollen schrittweise neue Therapieformen, wie etwa computergestützte Mobilisierung oder die Erfassung von Vitalparametern ohne Medienbrüche eingeführt werden.

Das Bayerische Gesundheits- und Pflegeministerium fördert das Projekt noch bis Februar 2017 mit knapp 290.000 Euro. Nach dem Projektende wird geprüft, inwieweit die Menschen in ganz Bayern von den Ingolstädter Lösungsansätzen profitieren können.