Ärzte hinken bei digitalen Tools hinterher

Mediziner mit Tablet-PC
Mediziner mit Tablet-PC: „Ärzte müssen sich den digitalen Möglichkeiten stärker öffnen, weil sonst die Gefahr besteht, dass Patienten abwandern“ (Foto: olegdudko/123rf.com)

Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa möchten immer mehr Verbraucher digitale Kanäle nutzen möchten, um mit Händlern, Restaurants oder auch Ärzten in Kontakt zu treten. Für den Gesundheitsbereich gibt es dabei schlechte Noten.

Die bereits im Frühjahr dieses Jahres durchgeführte Befragung im Auftrag von Gelbe Seiten verdeutlicht, dass viele niedergelassene Ärzte mit digitalen Tools fremdeln. 46 Prozent der Nutzer gaben in der Umfrage an, dass Ärzte und Therapeuten die Möglichkeiten moderner Medien nur „schlecht“ oder „weniger gut“ nutzen.

Gerade Ärzte sind demzufolge bei der Verwendung neuer Medien und Kommunikationskanäle noch zurückhaltend, was am Beispiel digitaler Terminbuchungen abzulesen ist: Zwar haben acht von zehn Ärzten bereits von Online-Buchungssystemen für Patiententermine gehört, doch nur jeder dritte nutzt sie auch. Auch diese Zahlen basieren auf Umfragen, die im Auftrag des Branchenverzeichnisses Gelbe Seiten durchgeführt wurden.

Nachholbedarf bei Kommunikation

„Die Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten bei der Terminvergabe findet offenbar immer noch klassisch mit Stift und Telefon statt. Doch das ist nicht mehr zeitgemäß und ließe sich effektiver managen“, meint der Geschäftsführer der Gelbe Seiten Marketing GmbH Dirk Schulte: „Ärzte müssen sich den digitalen Möglichkeiten stärker öffnen, weil sonst die Gefahr besteht, dass Patienten abwandern, weil diese solche Services zunehmend erwarten.”

Vorteile digitaler Terminbuchungen

Beinahe paradox: Die Vorteile von digitalen Terminbuchungen werden auch von Ärzten wahrgenommen. Mehr als drei Viertel jener, die das Werkzeug bereits nutzen, nennen der Studie zufolge die Erreichbarkeit rund um die Uhr als zentralen Vorteil von Online-Terminbuchungen (78 Prozent), aber auch die selbständige Umlegung von Terminen durch Patienten (70 Prozent), die höhere Zufriedenheit der Patienten (68 Prozent), die Zeitersparnis auf Seiten der Mitarbeiter (65 Prozent) sowie die einfachere Koordination von Terminen (62 Prozent) sprechen dafür, künftig auf digitale Terminbuchungen zu setzen.

Während die Corona-Pandemie in vielen Branchen für einen Digitalisierungsschub gesorgt hat, sind viele Mediziner weiterhin extrem zurückhaltend. Immerhin 17 Prozent von ihnen haben in den vergangenen Monaten corona-bedingt Video-Chats eingeführt, aber nur drei Prozent ein Online-Terminbuchungstool.

Gute Noten für Online-Buchungstool

Ärzte, die diesen Service bereits nutzen, zeigen sich hochzufrieden damit, knapp drei Viertel von ihnen bewerten die digitale Unterstützung bei der Terminvergabe als „sehr gut“ (30 Prozent) oder „gut“ (43 Prozent). „Das zeigt, dass die Erfahrungen extrem positiv sind und moderne Medien helfen können, Ärzten die Arbeit zu erleichtern“, glaubt Schulte. Ganz unbefangen dürfte er dabei freilich nicht sein, denn Gelbe Seiten bietet Ärzten ein Terminbuchungs-Tool an. „Mit dem Angebot können Patienten Termine rund um die Uhr buchen und verlegen. Die Termine werden automatisch mit dem Kalender der Ärzte synchronisiert. Das spart Zeit und Kosten“, ist Dirk Schulte überzeugt.

Die Argumente zugunsten der Online-Terminbuchung sind wohl auch der Grund dafür, dass immerhin die Hälfte (54 Prozent) der Ärzte, die diesen Service noch nicht nutzen, derzeit konkret eine Einführung plant. Davon wollen zwei Drittel (63 Prozent) der Ärzte diesen Schritt in den kommenden drei Jahren gehen.