Zungenschrittmacher gegen Atemaussetzer im Schlaf

Am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) ist jetzt erstmals ein Zungenschrittmacher bei Patienten eingesetzt worden, die während des Schlafs an Atemaussetzern leiden. Das neue Verfahren könnte künftig immer dann zum Einsatz kommen, wenn die übliche Behandlung mit der Atemmaske zu keiner Verbesserung führt oder nicht möglich ist.

„Der Schrittmacher stimuliert die Muskulatur der Zunge während des Schlafs mit Stromimpulsen. So können die Atemaussetzer verhindert werden“, erläutert Dr. Christian Plettenberg, Oberarzt der UKD-Klinik für Hals- Nasen- und Ohrenheilkunde. Bei der so genannten Schlafapnoe verengen sich im Schlaf durch eine Entspannung der Muskeln Atemwege, da die Spannkraft der Zungen- und Rachenmuskulatur nachlässt. Die Folge sind Atemaussetzer mit Abfallen des Sauerstoffgehalts im Blut. „Eine Konsequenz ist, dass die betroffenen Patienten nicht die erholsamen Tiefschlaf- und Traumphasen erreichen. Tagsüber fühlen sie sich müde und unkonzentriert. Auch das Risiko für einen Schlaganfall und einen Herzinfarkt steigt an“, sagt Dr. Plettenberg. Studien gehen davon aus, dass bis zu 20 Prozent der Erwachsenen über 50 Jahren an einer Schlaf-Apnoe leiden.

Zungenschrittmacher mit Fernbedienung

Liegt das Problem auf Höhe des Zungengrunds, kann der Schrittmacher helfen, so der HNO-Experte, der eng mit dem Schlafzentrum an der Düsseldorfer Uniklinik zusammenarbeitet. Der Schrittmacher hat die Größe eines herkömmlichen Standard-Herzschrittmachers und wird im Brustbereich unterhalb des Schlüsselbeins eingesetzt. Über einen Sensor werden Informationen über die Atmung vermittelt. Eine Elektrode unter der Zunge gibt dann nachts beim Einatmen einen Stromimpuls ab. Dieser Impuls wirkt dann auf die Zungenmuskulatur und sorgt so für die nötige Bewegung. Es findet eine Hypoglossusstimulation, also eine Zungengrundstimulation statt.

Nach dem Einsetzen des Schrittmachers kann der Patient diesen mit Hilfe einer Fernbedienung ein- oder ausschalten. „Dabei kann man auch eine Einschlafzeit programmieren, so dass das Gerät erst nach einer gewissen Zeit einsetzt und nicht beim Einschlafen stört“, so Dr. Plettenberg. Die jetzt erfolgreich durchgeführten ersten Eingriffe dauerten jeweils zwei Stunden.