Studiennetzwerk für verbesserte Krebstherapien

Wissenschaftlerin in chemischem Forschungslabor
Krebsforschungs-Netzwerk ECT.net: Mehr Chancen im Zugang zu neuen Wirkstoffen und Therapiemöglichkeiten (Foto: © tatomm/fotolia.com)

Vier Krebszentren in Deutschland haben sich jetzt zu einem Studiennetzwerk zusammengeschlossen. Erkrankte sollen dadurch schneller als bisher von neuen Wirkstoffen profitieren können.

Die Behandlung von Krebserkrankungen hat in den letzten Jahren deutliche Fortschritte gemacht. Dennoch steht für viele Patienten mit fortgeschrittenen hämatologischen und onkologischen Erkrankungen nur ein begrenztes Angebot an möglichen Therapien zur Verfügung. Damit Betroffene frühzeitig von neuen Wirkstoffen profitieren können, müssen behandelnde Krebszentren Zugang zu klinischen Studien der frühen Phasen 1 und 2 erhalten. Deshalb haben sich bundesweit vier darauf spezialisierte Krebszentren (Early Clinical Trial Units) zu einem Studiennetzwerk der frühen Phase – Early Clinical Trial Network (ECT.net) – zusammengeschlossen.

Bereits Ende 2014 hatten Wissenschaftler der universitären Krebszentren in Dresden, München und Würzburg sowie der Cellex Patient Treatment GmbH in Köln die Idee, ein deutschlandweites indikationsübergreifendes Netzwerk zur Durchführung klinischer Studien zu etablieren. Der Fokus dieser Prüfzentren liegt auf klinischen Studien im frühen Prüfungsstadium der Phasen 1 und 2. „Unser Ziel ist es, multizentrische Studien nicht nur parallel an verschiedenen Prüfstandorten, sondern gemeinsam und in enger Zusammenarbeit durchzuführen“, sagt Dr. Martin Wermke, medizinischer Leiter des Netzwerkes ECT.net und Facharzt für Innere Medizin am Universitätskrebszentrum Dresden. „Nur so haben wir die Chance, unseren Patienten neue Therapien anbieten zu können.“

Zentraler Ansprechpartner

Die Dresdner GWT-TUD GmbH übernimmt das Projektmanagement des Netzwerkes. Dazu gehören die schnelle Machbarkeitsprüfung von Studien, die Budgetkalkulation, das Vertragsmanagement, die Performancesicherung der Durchführung der Studie und die Leistungsabrechnung. Ziel ist es, dass die Zusammenarbeit zwischen den Netzwerkpartnern und der GWT-TUD GmbH zu einer Beschleunigung und Vereinfachung der Prozesse führt. Bislang mussten die Pharmaunternehmen und Auftragsforschungsinstitute (CROs) mit vier Standorten verhandeln und kommunizieren. Mit Hilfe des ECT.net erfolgt die gesamte Organisation nun über einen Projektmanager.

Schnellerer Zugang zu klinischen Studien

Für Patienten soll das Netzwerk neue Chancen im Zugang zu neuen Wirkstoffen und Therapiemöglichkeiten eröffnen. Denn trotz aller wissenschaftlicher Erkenntnisse stehen für Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen kaum Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die über langjährige in Studien erprobte Therapien hinausgehen. Durch die intensivierte biomedizinische Forschung konnten aber bereits zahlreiche neue Ansatzpunkte zur Krebsbehandlung identifiziert werden. Den Prüfzentren einen schnelleren Zugang zu den klinischen Studien der frühen Phase zu ermöglichen, gehört somit zu den wichtigsten Voraussetzungen innerhalb des Netzwerkes. „Wir sehen unsere Aufgabe darin, Studienangebote zu identifizieren und durch unser Management Studien in Deutschland schneller zu starten“, sagt Beate-Victoria Ermisch, Leiterin GWT Clinical Research. „Von den Synergien in der Vorbereitungs- und Durchführungsphase profitieren die Patienten.“

Gegenüber Sponsoren und CROs von klinischen Phase-1-Studien stellt das Netzwerk mit der Bündelung von Ressourcen und der Optimierung von Abläufen eine deutliche Qualitätssteigerung in der klinischen Forschung dar. Durch den Zusammenschluss der Prüfzentren können perspektivisch deutlich höhere Patientenzahlen erreicht werden. Bereits jetzt hat das Studiennetzwerk ECT.net Zugang zu mehr als 15.000 Patienten pro Jahr und ist damit im Vergleich zu weltweit führenden Krebszentren gut aufgestellt.

Stichwort GWT
In enger Zusammenarbeit mit der TU Dresden sowie anderen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen bringt die GWT wissenschaftliche Leistungen und Forschungsergebnisse in Entwicklungsvorhaben von Industriekunden ein. Über 1.300 FuE- Projekte, klinische Studien, Technologien und Verfahren wurden zuletzt realisiert. Die GWT-TUD GmbH wurde 1996 gegründet, Gesellschafter ist die TU Dresden Aktiengesellschaft (TUDAG).