Smartes System für verbesserte Parkinson-Diagnose

Differentialdiagnose per Parkinson-App: (v.l.) Patientin Irene Fischer, Prof. Tobias Warnecke und Dr. Julian Varghese. (Foto: UKM/Wibberg)

Verbesserte Diagnosen bei Menschen mit Parkinson verspricht ein mobiles System zur Bewegungsanalyse, das Informatiker vom Institut für Medizinische Informatik der Medizinischen Fakultät Münster entwickelt haben. Das System derzeit in einer Studie in der Neurologie am UKM (Universitätsklinikum Münster) getestet.

In Deutschland sind rund 400.000 Menschen von Parkinson betroffen. Am UKM werden jährlich rund 1.000 Patienten mit dieser Erkrankung versorgt. „Die Parkinson-Krankheit tritt bei den Betroffenen individuell sehr unterschiedlich auf. Daher stellt die Erkrankung eine besondere Herausforderung für Patienten, deren Angehörige aber auch uns Ärzte dar. Durch den Zusammenschluss im Parkinsonnetz wollen wir den Austausch zwischen Betroffenen und Fachleuten patientenorientiert gestalten und unsere Expertise bündeln“, erklärt Prof. Dr. Tobias Warnecke, Oberarzt und Parkinsonexperte der Klinik für Neurologie am UKM, an dem das neue System getestet wird.

Künstliche Intelligenz unterstützt Auswertung

Wichtige Bestandteile des neuen Systems sind zwei Smartwatches, auf denen die in Münster entwickelte App installiert ist. Die Smartwatches werden an den Handgelenken der Patienten befestigt, um eine neurologische Untersuchung durchzuführen. „So werden die Bewegungsdaten hochauflösend im Millisekunden-Bereich gemessen und mit den Methoden der Künstlichen Intelligenz ausgewertet. Derzeit werden Parkinson und andere Bewegungsstörungen in der Regel durch eine ärztliche neurologische Untersuchung festgestellt, die immer auch von der subjektiven Einschätzung des Arztes abhängig sind. Durch den Einsatz objektiver Systeme wie unserer App könnte in Zukunft die Diagnosemöglichkeit von Parkinson deutlich verbessert werden“, sagt Dr. Julian Varghese. Der Arzt und Informatiker und hat das neue Mobile System gemeinsam mit der Neurologie am UKM entwickelt. Dort sollen bis Ende 2020 insgesamt bis zu 1.000 Probanden untersucht werden.

Gute Aussichten

Die Bewegungsdaten der Hand werden um elektronische Fragebögen ergänzt, die der Untersuchende am Smartphone ausfüllt. Wichtige Informationen zur Familienanamnese, Medikation und Fragen zu Begleitsymptomen wie Depressionen, Müdigkeit und allgemeinen Lebensqualität sollen dadurch ebenfalls erfasst und ausgewertet werden. Dank des vor einem Jahr ins Leben gerufenen Parkinsonnetzes Münsterland+ hatten die Mediziner in Münster bislang noch keine Probleme, Probanden für die Studie zu rekrutieren. „Unsere Patienten sind sehr aufgeschlossen gegenüber den neuen Untersuchungsmöglichkeiten und erste Zwischenresultate der Studie lassen uns auf künftig verbesserte Diagnosen hoffen“, freut sich Neurologe Prof. Tobias Warnecke.