Senioren nutzen Digitalisierung für sich

Immer mehr Ältere nutzen die Digitalisierung für sich. (Foto: oneinchpunch - Fotolia.com)

Immer mehr Ältere wissen die Vorteile der Digitalisierung zu schätzen und nutzen die neuen Möglichkeiten, um länger selbstbestimmt leben zu können. Das zeigen die Ergebnisse der Studie „Digitalisierung für mehr Optionen und Teilhabe im Alter“, die das Institut für Innovation und Technik (iit) in der VDI/VDE-IT im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchgeführt hat.

Die Zahl der Menschen über 65 steigt demnach in Deutschland bis zum Jahr 2030 um 41,5 Prozent an. Diese Generation möchte möglichst lange selbstbestimmt leben können und aktiver Teil der Gesellschaft bleiben – und zwar bis ins hohe Alter. Die Mehrheit der Älteren will dabei den Lebensabend in den eigenen vier Wänden verbringen. Die Innovationen der Digitalisierung werden die Senioren dabei immer besser unterstützen, so die Studie.  „Es geht bei der Nutzung der Digitalisierung darum, dass Menschen aller Altersgruppen zu kompetenten und selbstbestimmten Akteuren werden, die die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts souverän und möglichst lange selbstständig bewältigen können. Hierbei helfen digitale Innovationen gerade auch den älteren Menschen immer mehr“, sagt Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Senioren nutzen moderne Kommunikationsmittel

Zwar nutzen jüngere Menschen das Internet mehr als ältere. Ältere holen jedoch immer mehr auf. 69 Prozent der 60- bis 69-Jährigen und 36 Prozent der über 70-Jährigen nutzen das Internet mittlerweile regelmäßig. Auch ist zwischen 2007 und 2013 die Nutzung sozialer Netzwerke unter den Internet-Nutzern ab 50 Jahren von sieben auf 16 Prozent gestiegen.

Nicht ohne Grund, denn die Digitalisierung eröffnet auch älteren Menschen neue Möglichkeiten, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Viele Ältere leben außerdem allein. Die Generation Ü60 entdeckt daher zunehmend die modernen Kommunikationsmittel für sich – beispielsweise in Form der Video-Telefonie mit den Kindern und Enkeln.

Service-Roboter im Alter kein Tabu

Die Menschen zwischen 65 und 85 Jahren wünschen sich in erster Linie gesund zu bleiben  beziehungsweise die eigene Gesundheit zu verbessern. Allerdings wird der Gang zum Arzt im Alter immer beschwerlicher. Aus diesem Grund ist eine Video-Sprechstunde mit dem für viele Senioren eine komfortable Lösung. Das gilt insbesondere in strukturschwachen Regionen mit geringer Dichte an Arztpraxen. Auch im Alltag kann Digitalisierung helfen. Die intelligente Medikamentenbox ist beispielsweise in der Lage, täglich bei der richtigen Dosierung und Einnahme von Tabletten unterstützen. Und Wearables können mittels tragbarer Sensoren zum Beispiel in Armbändern Herzfrequenz- oder Pulsmessungen vornehmen.

83 Prozent der Bundesbürger können sich außerdem vorstellen, zu Hause einen Service-Roboter zu nutzen, wenn sie dadurch im Alter länger in den eigenen vier Wänden wohnen könnten. Die Forschung an Service-Robotern für den Einsatz in Haushalt, Pflege und Gesundheit halten immerhin 80 Prozent der Befragten für wichtig oder sogar sehr wichtig. Für ebenso viele ist es denkbar, zuhause von einem Roboter unterstützt zu werden anstatt ins Pflegeheim zu gehen. Der automatische Rasenmäher oder Staubsauger ist dabei heute schon für viele Menschen normal. So genannte „Trink-Tracker“, intelligente Becher, die kontrollieren wann ein Mensch wie viel getrunken hat, werden hingegen noch wenig eingesetzt.

Aktives Lernen bis ins hohe Alter

Damit ältere und hochbetagte Menschen den technologischen Fortschritt für sich optimal nutzen können, braucht es ein aktives Lernen bis ins hohe Alter. „Der Erwerb von digitalen Kompetenzen im Alter beinhaltet sowohl die Aneignung spezifischen Wissens als auch von Fähigkeiten, die zum Umgang mit neuen Technologien befähigen“, sagt Carsten Große Starmann, Projektleiter bei der Bertelsmann Stiftung. „Für ältere Menschen bedeutet der Erwerb von Technikkompetenz nicht allein, dass sie eine spezifische App bedienen können, sondern vielmehr, dass sie ein mündiger und souveräner Teil einer immer digitaler werdenden Gesellschaft bleiben“, so Große Starmann. Dazu müssten dringend Assistenz-Infrastrukturen auch für diese Altersgruppe geschaffen werden. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft seien dafür verantwortlich, dass die Entwicklung digitaler Kompetenzen mit technologischen Innovationen Schritt halte.