Online-Sprechstunde kommt beim Patienten an

Die Online-Sprechstunde wird für immer mehr Patienten eine mögliche Alternative zum Arztbesuch vor Ort. (Foto: agenturfotografin - Fotolia.com)

Für viele Patienten ist die Online-Sprechstunde eine gute Alternative zum Arztbesuch vor Ort. 30 Prozent der Deutschen können sich vorstellen, ein solches Angebot zu nutzen und fünf Prozent haben das bereits schon einmal getan. Das zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

64 Prozent der Befragten finden es vorteilhaft, dass durch die Online-Sprechstunde der Zugang zu weit entfernten Ärzten und insbesondere Fachärzten erleichtert wird. Mehr als jeder Zweite (53 Prozent) hebt hervor, dass die Wartezeit in der Praxis entfällt. 43 Prozent der Befragten sehen einen der größten Vorteile einer Online-Sprechstunde darin, dass sich Patienten im Wartezimmer nicht bei anderen anstecken können. 34 Prozent benennen den Vorteil, dass die die Zeit für die Anfahrt zur Praxis entfällt. 33 Prozent heben hervor, so im Krankheitsfall nicht mehr zwingend das Haus verlassen zu müssen. Die 17 Prozent finden es gut, dass die Kosten für die Anfahrt zum Arzt entfallen. 13 Prozent der Befragten können für sich keinen Vorteil einer Online-Sprechstunde erkennen.

Entlastung für Arztpraxen

Grafik: Bitkom

„Die Digitalisierung bietet große Chancen für die medizinische Versorgung“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Der Online-Sprechstunde kommt seiner Einschätzung nach dabei eine besondere Bedeutung zu. Patienten, die auf dem Land leben oder mobil eingeschränkt sind, erhalten auf diese Weise Zugang zu qualifizierter medizinischer Hilfe. So können laut Rohleder Versorgungslücken geschlossen werden. „Auch Ärzten bietet die Online-Sprechstunde Vorteile: Praxen vor Ort werden entlastet. Zudem können Mediziner die Termine für die Online-Sprechstunde deutlich flexibler handhaben. Kurz gesagt: Online-Sprechstunden sparen Zeit und Geld. Sie können das bestehende Praxis-Angebot sinnvoll ergänzen“, so Rohleder.

Im Mai 2018 hat der Deutsche Ärztetag den Weg dafür geebnet, dass sich Patienten auch ohne vorherigen persönlichen Arztbesuch via Videochat behandeln lassen können – sofern es ärztlich vertretbar ist und die erforderliche ärztliche Sorgfalt gewahrt bleibt. Arzt und Patient kommunizieren über einen zertifizierten Videodienstanbieter, der für einen sicheren technischen Ablauf sorgen soll. Für eine Online-Sprechstunde sind neben der Internetverbindung Webcam, Lautsprecher und ein Mikrofon erforderlich. Diese Technik ist in Tablets und Smartphones bereits standardmäßig enthalten.

Nächster Schritt

Nach Ansicht von Rohleder ist die Etablierung weiterer digitaler Leistungen wie das e-Rezept oder die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung dann der nächste Schritt. „Das entlastet nicht nur Ärzte und Patienten, sondern auch das gesamte Gesundheitssystem“, ist er überzeugt. Er fordert alle Akteure auf, an einem Strang zu ziehen, um die Online-Sprechstunde mit all ihren Potenzialen als eine von vielen Behandlungsmöglichkeiten zum Standard zu machen.