Modellregion testet gemeinsamen Notfall- und Bereitschaftsdienst

Rettungswagen mit aufgedruckten Hinweis auf Notfallnummer 112
Rettungsfahrzeug mit Hinweis auf Notrufnummer: Immer mehr Patienten nehmen auch in medizinisch unkritischen Situationen den Rettungsdienst in Anspruch. (Foto: © pattilabelle/fotolia.com)

Im Rahmen eines Pilotprojekts in der Region Ostwestfalen-Lippe soll geprüft werden, ob in Rettungsleitstellen anrufenden Patienten je nach Dringlichkeit nicht auch direkt der ärztliche Bereitschaftsdienst vermittelt werden kann.

Hintergrund: Ob aus Unwissenheit oder Bequemlichkeit – bundesweit nehmen immer mehr Patienten auch in medizinisch unkritischen Situationen die Notfallambulanzen der Krankenhäuser oder den Rettungsdienst in Anspruch. In den Klinikambulanzen kommt es so häufig zu unnötig langen Wartezeiten zulasten tatsächlicher Notfälle; auch zahlreiche Rettungswageneinsätze sind überflüssig. Nach einer Finanzierungszusage der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) kann das Pilotprojekt in Ostwestfalen-Lippe jetzt starten.

Bereitschaftsdienst einbinden

Ab April 2018 werden in der Modellregion integrierte Leitstellen getestet, in denen speziell geschulte Disponenten nicht nur auf Rettungsdienst und Notarzt Zugriff haben, sondern auch direkt den Fahrdienst der niedergelassenen Ärzte anfordern oder die Patienten an die nächstgelegene Notfalldienstpraxis verweisen können. Das Pilotprojekt ist auf drei Jahre angelegt und wird wissenschaftlich begleitet, die Ergebnisse werden evaluiert.

„Gemeinsam mit den Rettungsleitstellen in Paderborn, Höxter und Lippe wollen wir Erfahrungen dazu sammeln, ob die klassische Notrufnummer 112 sowie unsere Bereitschaftsdienst-Nummer 116117 von einer einheitlichen, regionalen Leitstelle gesteuert werden können“, erläutert Dr. Gerhard Nordmann, 2. Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL). Es gehe darum, die Patienten in die richtige Versorgungsstruktur zu leiten, so Dr. Nordmann: „Wir wollen die Fehlinanspruchnahmen von Klinikambulanzen und Rettungsdiensten reduzieren.“

Projekt der NRW-Landesregierung

Die Idee zum Pilotprojekt in Ostwestfalen-Lippe ist in einer Arbeitsgruppe der NRW-Landesregierung zur Fortentwicklung der Notfallversorgung entstanden. In dem Gremium arbeiten die Kassenärztlichen Vereinigungen Westfalen-Lippe und Nordrhein, die Ärztekammern Westfalen-Lippe und Nordrhein, die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen, die Krankenkassen, Patientenvertreter und das Landesgesundheitsministerium gemeinsam an Verbesserungen der Notfallstrukturen. Jedoch drohte das ostwestfälische Projekt zuletzt an der Finanzierung zu scheitern.

Evaluierungskosten trägt das Land

„Die KVWL gibt eine Finanzierungszusage für die laufenden Kosten in Höhe von 900 000 Euro, um das Pilotprojekt wie geplant im April 2018 starten zu können. Die weitere Optimierung der Notfallstrukturen in Westfalen-Lippe duldet keinen Aufschub“, betont Dr. Nordmann. Die KVWL habe im Rahmen der ihr vom Gesetzgeber übertragenen Aufgaben die Pflicht, für eine ausreichende Notfallversorgung der Bürgerinnen und Bürger außerhalb der Praxisöffnungszeiten zu sorgen: „Diese Aufgabe nehmen wir sehr ernst, deswegen übernehmen wir die laufenden Kosten dieses wegweisenden Pilotprojekts.“ Die begleitenden Evaluierungskosten würden vom Land NRW getragen, berichtet Nordmann.

In diesem Zusammenhang fordert KVWL-Vize Nordmann die Krankenkassen erneut auf, sich endlich auch in Westfalen-Lippe an den allgemeinen Strukturkosten des ambulanten Notfalldienstes zu beteiligen: „In anderen Bundesländern wie Bayern oder Baden-Württemberg ist dies längst der Fall.“

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe mit Sitz in Dortmund vertritt die Interessen von rund 15.000 niedergelassenen Vertragsärzten und -psychotherapeuten im nordrhein-westfälischen Landesteil Westfalen-Lippe.