Mit Augen-Screening via Smartphone die Sehkraft retten

Ein Smartphone könnte künftig eine entscheidende Komponente bei Augenuntersuchungen außerhalb der Augenarztpraxis werden. (Foto: Aaron Amat - Fotolia.com)

Augenärztliche Untersuchungen könnten in Zukunft auch per Smartphone durchgeführt werden. Bonner Wissenschaftler haben jetzt ein einfaches Untersuchungsgerät getestet, das aus einer Handykamera und speziellen Aufsätzen besteht. Es soll insbesondere Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern zugutekommen. Aber auch ein Einsatz in Deutschland wäre denkbar, etwa in Pflegeheimen oder ländlichen Regionen. Die mit einer Forschungsförderung der DOG – Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft durchgeführte Pilotstudie in Indien verlief erfolgreich.

Weltweit gibt es etwa 250 Millionen sehbehinderte oder blinde Menschen. Viele der Erblindungen hätten durch regelmäßige Untersuchungen beim Augenarzt vermieden werden können. Doch vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern gibt es keine ausreichende augenärztlicher Versorgung. Die modifizierte Handykamera der Bonner Forscher könnte das ändern. Mit ihrer Hilfe könnten ärztlich geschulte Personen zukünftig Augenuntersuchungen vornehmen, um schwere Augenerkrankungen auf diese Weise frühzeitig zu erkennen. Rettende Behandlungen könnten so rechtzeitig durchgeführt werden.

Sehkraft durch Fernvorsorge erhalten

„Smartphones sind heutzutage allgegenwärtig und die Kameras vieler Geräte sind so gut, dass sie sich prinzipiell für die medizinische Bildgebung eignen“, sagt Dr. med. Maximilian Wintergerst, der die Methode der Pilotstudie im indischen Bangalore getestet hat.  Mit seinem Team untersuchte er 200 an Diabetes erkrankte Menschen. Ein spezieller Adapter rüstete die Smartphone-Kamera dabei so um, dass Bilder vom Augenhintergrund der Patienten aufgenommen werden konnten. Bei jedem fünften von ihnen entdeckte das Team Anzeichen einer diabetischen Retinopathie. Diese Augenerkrankung Menschen mit Diabetes häufig vorkommende Erkrankung kann unbehandelt zur Erblindung führen.

Geringe Anschaffungskosten – großer Nutzen

„Der große Vorteil dieser Methode sind die geringen Anschaffungskosten für die Geräte und die hohe Mobilität“, so Wintergerst. Für die Ausrüstung der mobilen Untersuchungsteams ist nicht mehr erforderlich als ein Smartphone mit guter Kamerafunktion und einen Adapter für einige 100 Euro. Eine sehr preiswerte Variante eines solchen Adapters entwickelten die indischen Augenärzte aus Bangalore aus einem LED-Lämpchen, einer Batterie und einem Klebeband. Zwar können die Smartphone-Aufnahmen qualitativ nicht mit denen konventioneller Geräte in einer Augenarztpraxis mithalten. Dennoch sind sie für Patienten in medizinisch unterversorgten Regionen eine leicht zugängliche und zudem noch erschwingliche Alternative.

Telemedizin als ideale Ergänzung

Die ideale Ergänzung für eine Untersuchung wäre eine Kombination mit Telemedizin. Dann könnte ärztliches Hilfspersonal die Aufnahmen anfertigen und danach zur Auswertung durch einen Augenarzt an eine Augenklinik übermitteln. Denn in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern gibt es nicht genug Augenärzte, um alle notwendigen Untersuchungen selbst durchzuführen und die Ergebnisse auszuwerten.

Einsatz auch in Deutschland?

„Denkbar wäre etwa ein mobiles Augenscreening für Menschen mit Diabetes oder von Frühgeborenen, die häufig mit Augenproblemen zu kämpfen haben“, so Wintergerst. In Deutschland könnte sich der Einsatz der Methode die Methode unter Umständen in Pflegeheimen oder in ländlichen Regionen lohnen. Dort leiden ebenfalls viele Menschen an Sehproblemen, der Weg zum Augenarzt stellt jedoch häufig ein großes Hindernis dar. Aber auch in bestens ausgerüsteten Universitätskliniken gibt es Anwendungsmöglichkeiten. Dazu zählt beispielsweise die Dokumentation des Augenhintergrundes von bettlägerigen Patienten.