Mini-Implantat alarmiert bei drohender Herzschwäche

Das Implantat besteht aus einem etwa einen Zentimeter großen Sensor und zwei Antennen. (Foto: Universitätsklinikum Freiburg)
Das Implantat besteht aus einem etwa einen Zentimeter großen Sensor und zwei Antennen. (Foto: Universitätsklinikum Freiburg)

Ein Mini-Implantat kontrolliert aus der Ferne den Blutdruck bei Herzschwäche-Patienten und ruft bei drohender Herzschwäche per Handy den Arzt.  Das Universitäts-Herzzentrum Freiburg/Bad Krozingen (UHZ) nutzt jetzt als erstes Klinikum Baden-Württembergs diesen Sensor, der in die Lungenschlagader implantiert wird.

Mit Hilfe des Sensors misst der Patient einmal täglich den Blutdruck sehr nahe am Herzen und überträgt die Werte per Handy an das Behandlungszentrum am UHZ. Denn wenn der Druck steigt, kann das der Vorbote einer akuten, lebensgefährlichen Herzschwäche sein. Dank der Überwachung der Werte sollen die behandelnden Ärzte aus der Ferne noch vor Auftreten von Symptomen die Therapie so anpassen, dass der Blutdruck wieder fällt.

Der etwa büroklammergroße Sensor funktioniert während der gesamten Lebenszeit des Patienten und benötigt keine Batterien. Für die tägliche Messung legt sich der Patient auf ein spezielles Kissen. Dieses Kissen regt den Sensor über magnetische Wellen an und empfängt dann die Messwerte. „Die Messvorgänge sind schmerzfrei und dauern nur wenige Sekunden“, sagt Dr. Wolfgang Zeh, Oberarzt und Leiter der Arbeitsgruppe für Klinische Herzinsuffizienz der Klinik für Kardiologie und Angiologie II des UHZ.

Eine internationale Studie im Fachmagazin The Lancet kam kürzlich zu dem Ergebnis, dass durch den Einsatz des Sensors bis zu jede dritte Krankenhauseinweisung bei Patienten mit Herzschwäche entfallen könnte. In Deutschland leiden rund 1,8 Millionen Menschen unter Herzinsuffizienz.

Zielgruppe Herzinsuffizienzklasse III

„Für die Patienten bedeutet das neue Herz-Überwachungssystem einen enormen Gewinn an Lebensqualität und auch an Lebenszeit“, sagt Prof. Dr. Andreas Zirlik, Stellvertreter des Ärztlichen Direktors an der Klinik für Kardiologie und Angiologie des Universitäts-Herzzentrums Freiburg/Bad Krozingen. „Das System schlägt Alarm, noch bevor die Patienten Symptome bemerken.“ Im besten Fall können dadurch ein Krankenhausaufenthalt und Folgeschäden an Herz und Nieren vermieden werden, die wiederum das Sterberisiko erhöhen. Geeignet ist das CardioMEMS genannte System für Patienten, die in den letzten zwölf Monaten wegen Herzschwäche im Krankenhaus waren und der Herzinsuffizienzklasse III gemäß der Klassifizierung der New York Heart Association (NYHA) angehören.

Seit Oktober 2016 wurde das CardioMEMS-System an den Kliniken für Kardiologie und Angiologie I und II des UHZ im Rahmen einer klinischen Studie bei neun Patienten eingesetzt. Weitere Patienten sollen folgen. Bei zwei Patienten hat sich das System bereits im Akutfall bewährt. „Als sich die Werte verschlechterten, haben wir die Patienten angerufen und mit einer angepassten Therapie gezielt gegengesteuert. Damit konnten wir ihnen vermutlich den Krankenhausaufenthalt ersparen“, so Prof. Zirlik.