Medicus startet Interoperabilitäts-Initiative

Medicus-CEO Dr. Baher Al Hakim
Medicus-CEO Dr. Baher Al Hakim stellte die Diagnostic-Data Mobility Initiative auf der Medica in Düsseldorf vor (Foto: Medicus)

Das Wiener Digital Health-Unternehmen Medicus startet eine Initiative, um die Interoperabilitätsproblematik bei diagnostischen Daten über verschiedene Anbieter, Länder, Sprachen, Systeme und Geräte hinweg zu lösen. Hierzu werden Partner gesucht.

Medicus hat eine KI-basierte Plattform entwickelt, die gesundheitsrelevante Daten und Informationen automatisiert aufbereitet und interpretiert. Mit der Diagnostic-Data Mobility Initiative (DDMI) beabsichtigt Medicus, die Plattform mit den passenden Funktionen und Werkzeugen zu erweitern. Diagnostische Ergebnisse aus einer Quelle sollen in einem beliebigen Format erfasst und in jedes andere Format umgewandelt werden können, während der wesentliche medizinische Kontext erhalten bleibt.

„Konkret zielen wir mit dieser Initiative darauf ab, die Testergebnisse einzelner Patienten aus verschiedenen Laboren in unterschiedlichen Ländern zusammenführen, vergleichen und in den richtigen Kontext stellen zu können. Diese Möglichkeit steht Patienten bisher nicht auf globaler Ebene zur Verfügung“, betont Medicus-CEO Dr. Baher Al Hakim.

Übersetzungsebene zwischen Standards

„Dabei möchten wir auf keinen Fall einen neuen Standard oder ein neues Kodiersystem einführen. Stattdessen soll die DDMI quasi als „Übersetzungsebene“ zwischen unterschiedlichen Standards dienen, wobei wir bei den häufigsten Standards anfangen und die Initiative dann auf alle verfügbaren Standards ausdehnen möchten“, fügt er hinzu.

Verena Kretschmann, Head of European Operations bei Medicus, erklärt die der DDMI zugrundeliegende Absicht so: „In den fast vier Jahren seit der Gründung von Medicus sind wir bei jedem Kunden auf genau dieselbe Problematik gestoßen. Wir hören immer wieder von denselben Problemen, und zwar von den Hauptakteuren der Branche und in sämtlichen Regionen. Daher sind wir zu der Schlussfolgerung gelangt, dass die mangelnde Interoperabilität eines der größten Hindernisse dabei darstellt, Gesundheitsdaten über mehrere Quellen hinweg aussagekräftig zu machen. Intelligente Systeme und Algorithmen benötigen einheitliche, klare und aussagekräftige Daten, um funktionieren und florieren zu können.”

Transfer von vereinheitlichten Gesundheitsdaten

„Gerade im deutschen Gesundheitswesen steht das Thema der elektronischen Patientenakte dieser Tage wieder zunehmend dominant auf der Agenda. Verschiedene Anbieter aus dem privaten und dem öffentlichen Sektor möchten dabei ein System implementieren, das einen sicheren Transfer von vereinheitlichten und sinnhaften Gesundheitsdaten über die verschiedenen Stakeholder des Gesundheitssystems hinweg ermöglicht“, fährt sie fort. „Dies hat das Thema für uns in den Vordergrund gerückt, denn ohne ein System, das Interoperabilität ermöglicht, können die Daten nicht zueinander ins Verhältnis gesetzt werden, was besonders bei diagnostischen Daten ein Problem darstellt.“

Um diese Herausforderung zu meistern, nutzt die Diagnostic-Data Mobility Plattform Technologien, die Medicus in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Dazu zählen eine proprietäre Lösung für Datenharmonisierung, Datenbanken mit Codierungs- und Bezeichnungsstandards, sowie maschinelles Lernen und NLP (Natural Language Processing). „Diese Plattform möchten wir mit Unterstützung unserer Geschäftspartner öffentlich zugänglich machen und mit Funktionen und Dokumentation auszustatten, mit der sie jeder im Alleingang oder mit nur minimaler Unterstützung durch uns nutzen kann“, erklärt Dr. Al-Hakim.

Partner gesucht

Medicus sucht nach Partnern, um diese Plattform gemeinsam weiterzuentwickeln, wie etwa Diagnostiklabore, Kliniken, Anbieter elektronischer Patientenakten, kassenärztliche Vereinigungen, Ärzte und Ärztenetze, Krankenhaus- und Laborinformationssystemanbieter, Krankenversicherungen, Behörden im Bereich Gesundheit und Daten, Universitäten und auch Forschungseinrichtungen, die sich mit vergleichbaren Herausforderungen befassen. „Im kommenden halben Jahr möchten wir die richtigen Partner finden und in enger Zusammenarbeit mit diesen die Entwicklung der Plattform vorantreiben. In der ersten Jahreshälfte 2019 planen wir auch ein Event zu dieser Initiative“, schließt Dr. Al Hakim.