„Man kann den Tremor endlich objektivieren“

Startup-Gründer Tibor Zajki-Zechmeister mit dem Tremipen
Startup-Gründer Tibor Zajki-Zechmeister: „Nächster, wichtiger Schritt ist eine CE-Zertifizierung als Medizinprodukt“ (Foto: Tremitas)

Mit einer am Welt-Parkinson-Tag beginnenden Crowdfunding-Kampagne will das Medtech-Startup Tremitas baldmöglichst eine neuartige Lösung für die rund 25 Millionen Tremorpatienten in der EU auf den Markt bringen. Mit dem wenige Gramm leichten, smarten Stift können Ärzte erheblich schneller und besser beurteilen, ob eine Therapie erfolgreich ist oder nicht. Mednic.de sprach mit dem Firmengründer Tibor Zajki-Zechmeister.

Mednic.de: Wie sind die Idee entstanden, das Unternehmen Tremitas an den Start zu bringen?

Tibor Zajki-Zechmeister: Die Ideeist tatsächlich bei einem Gespräch mit meinem Vater im Jahr 2011 entstanden. Wir saßen in einem italienischen Restaurant und sprachen über meinen Urgroßvater, der an einem Tremor litt. Aus diesem Gedanken wurde dann ein Bachelor-Projekt im Rahmen meines Medizintechnik-Studiums. Die Idee, einen smarten Stift für Tremorpatienten zu entwickeln, wurde auch vom Gründerzentrum in Klagenfurt als gute Idee bewertet und ich erhielt mehr und mehr Unterstützung, nicht zuletzt von der Betriebswirtin Dr. Tara Geltner, die im Non-Profit-Bereich erfahren ist. Mein Vater László Zajki-Zechmeister hilft mir ebenfalls bis heute bei dem Projekt. 2015 wurde dann die Tremitas GmbH gegründet. Als nächster, wichtiger Schritt steht nun an, für den Stift eine CE-Zertifizierung als Medizinprodukt zu erhalten.

Mednic.de: Warum stellt der Tremipen eine Erleichterung für die Betroffenen dar?

Tibor Zajki-Zechmeister: Man kann einen Tremor endlich objektivieren. Man spricht als Betroffener nicht mehr über ein diffuses Zittern, sondern kann dem behandelnden Arzt konkrete Messwerte übergeben. Das ist insbesondere dann hilfreich, wenn es darum geht, die Medikamenteneinnahme anzupassen oder die Wirksamkeit einer neuen Arznei zu prüfen. Der behandelnde Arzt kann sehr viel besser und schneller erkennen, ob eine Dosierung oder die Gabe eines bestimmten Medikaments passend ist oder nicht. Bei einer Medikamentenumstellung kann man mit dem behandelnden Neurologen beispielsweise einmal wöchentlich die täglichen Messungen besprechen.

„Künftiges Produkt mit Bluetooth-Verbindung“

Mednic.de: Sie starten aktuell eine Crowdfunding-Kampagne. Welches Feedback erhoffen Sie sich?

Tibor Zajki-Zechmeister: Wir beginnen mit der Crowdfunding-Kampagne am 11. April 2018, dem Welt-Parkinson-Tag. Die Laufzeit beträgt 30 Tage und generell ist dabei jedes Feedback für uns wertvoll, denn wir wollen ja ein Produkt mit Hand und Fuß auf den Markt bringen. Die Kampagne wird uns letztendlich zeigen, wie der Markt das Produkt bewertet. Mit Erreichen der ersten Schwelle von 30.000 Euro, können wir mit der CE-Zertifizierung abschließen, was unser primäres Ziel ist. Ab 50.000 Euro, können wir für das künftige Produkt auch eine App einbeziehen, die im Zusammenspiel mit einer Bluetooth-Verbindung ein besonders komfortables Ablesen und Auswerten der Messdaten ermöglichen wird.

Mednic.de: Wird Tremitas weitere Medizinprodukte auf dem Markt bringen, sofern der Tremipen ein Erfolg wird?

Tibor Zajki-Zechmeister: Sollte die Crowdfunding-Kampagne mehr als 50.000 Euro Ertrag bringen, können wir schneller als bisher gedacht weitere Medizinprodukte auf dem Markt bringen. Außerdem könnten wir den Tremipen kontinuierlich weiterentwickeln.

„Von der Idee bis heute sind fast sieben Jahre vergangen“

Mednic.de: Wie lange dauerte es, ein solches Medizinprodukt wie den Tremipen auf den Markt zu bringen?

Tibor Zajki-Zechmeister: Von der ersten Idee bis heute sind fast sieben Jahre vergangen. Ohne verschiedene Assistenzjobs, die Unterstützung meiner Eltern und die Unterstützung von Inkubatorzentren einschließlich Vergabe eines Null-Zins-Kredits wäre der Start von Tremitas nicht möglich gewesen.

Mednic.de: Sollte es ihrer Meinung nach Medizintechnik-Startups erleichtert werden, innovative Produkte vorzustellen und zu vermarkten?

Tibor Zajki-Zechmeister: Zertifizierte Medizinprodukte auf den Markt zu bringen ist in der EU streng reglementiert. Das ist einerseits vorteilhaft für Patienten, weil wirklich nur ausgereifte, sichere Produkte auf den Markt kommen. Vorteilhaft für Unternehmen ist, dass ein Konkurrent nicht einfach nachziehen kann, sondern die gleichen Zertifizierungsprozesse durchlaufen muss. Andererseits wird Erkrankten dadurch sehr viel langsamer geholfen, als es theoretisch möglich wäre. Wenn man als Medizintechnik-Startup an den Start geht, muss man sich deshalb klar darüber sein, dass man neben einer guten Idee und einem schlagkräftigen Team auch viel Zeit und Geld benötigt. Man muss eine lange Durststrecke überstehen, was vielen das Genick bricht. Alleine um eine CE-Zertifizierung zu erhalten, muss man drei bis vier Jahre Arbeit investieren. Und ohne CE-Zertifizierung geht es nicht, denn dann nehmen Ärzte ein Produkt nicht ernst.

„Medtech-Startups sollten sich besser vernetzen“

Mednic.de: Welche Erleichterungen wären wünschenswert?

Tibor Zajki-Zechmeister: Es sollte besser unterschieden werden, welche Art von Produkt man auf den Markt bringen möchte. Handelt es sich um ein vollkommen neues, hochsensibles Produkt oder möchte ich bloß ein modernes Fieberthermometer vermarkten? Außerdem sollten sich Startups aus dem Medtech-Bereich besser vernetzen. Das wäre eine ganz wichtige und sinnvolle Maßnahme! Dann muss nicht mehr jedes Team bei Null anfangen und eigene Erfahrungen sammeln, was definitiv nicht nötig ist. Viele Erfahrungswerte lassen sich übertragen, wodurch neue Lösungen wahrscheinlich drei bis viermal schneller auf den Markt kommen könnten. Das wäre in vielen Fällen eine große Erleichterung, auch für betroffene Patienten. Die Förderstellen könnten es unterstützen, den Austausch unter Startups anzuregen.