Leistungsfähigkeit in deutschen OP-Sälen sinkt

Prof. Thomas Busse von der Frankfurt UAS hat die Studie durchgeführt. (Foto: Stefanie Kösling)

Zu wenig Personal, schlechte Organisationsstruktur und Defizite in der Unternehmenskultur führen zu einem Sinken der Leistungsfähigkeit in deutschen OP-Sälen. Zu diesem Ergebnis kommt der Studie OP-Barometers 2017. „Der OP-Saal ist der Motor eines Krankenhauses. Wenn dieser stottert, dann bedeutet es eine Gefährdung für die gesamte Einrichtung“, sagt Prof. Thomas Busse, Direktor des Zentrums für Gesundheitswirtschaft und -recht (ZGWR) der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), der die Studie zum sechsten Mal durchgeführt hat. Rund 1.950 Mitarbeiter aus den Bereichen OP-Pflege und Anästhesie-Pflege nahmen an der Befragung teil, das bedeutet eine Steigerung von fast 14 Prozent im Vergleich zur Befragung im Jahr 2015. An der aktuellen Studie beteiligten sich unter anderem Mitarbeiter von rund einem Viertel der deutschen Universitätsklinika. Studienleiter Busse sieht darin ein Indiz für verstärkte Problemstellungen gerade in größeren Krankenhäusern.

Kein Vertrauen in die eigene Klinik

Das Vertrauen in die eigene Qualität scheint in einigen OP-Bereichen nicht sehr ausgeprägt zu sein. So würden sich nur rund 62 Prozent der Befragten aus fachlicher Hinsicht in ihrem OP operieren lassen, am wenigsten würde dies das Pflegepersonal der großen Kliniken mit über zwölf Sälen tun. Wenn es um die Organisation geht, würde nur die Hälfte der Befragten ihr Krankenhaus für eine OP empfehlen. Auch hier sind es vor allem die Mitarbeiter in großen Kliniken, die den Organisationsgrad ihrer OP-Bereiche als eher nicht gut einschätzen. In der Kritik der Mitarbeiter stehen dort insbesondere höhere unproduktiven Wartezeiten oder eine schlechte OP-Plangestaltung.

Mehr als 47 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die Gefährdung und Patienten in den letzten zwei Jahren zugenommen hat. Von den Befragten aus großen OP-Bereichen traf über die Hälfte diese Aussage. Damit ist der prozentuale Anteil derjenigen, die diese Aussage getroffen haben, im Vergleich zu den früheren Befragungen in etwa konstant geblieben. Nur rund 28 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass sie genügend Pflegepersonal haben, um die wachsenden Anforderungen zu bewältigen. Bei großen OP-Bereichen mit über zwölf Sälen sogar nur 21 Prozent.

Rund 65 Prozent aller Befragten bemängeln eine sehr hohe Krankenquote und fast die Hälfte attestiert eine hohe Fluktuationsrate bei neuen Mitarbeitern. Rund 38 Prozent der Befragten sehen sich in ihrem OP-Bereich in ihrer täglichen Arbeit mit Mobbing konfrontiert.

Hygienebewusstsein gestiegen

Die Sterilgutversorgung wird seit 2011 eher positiv wahrgenommen: Während im Jahr 2011 noch rund 44 Prozent die Sterilgutversorgung als problematisch einschätzten, sind es 2017 nur noch rund 34 Prozent. Immerhin 60 Prozent sind der Ansicht, dass die Hygienerichtlinien in ihrem OP-Saal streng eingehalten würden und 76 Prozent gaben an, die Patientensicherheit sei in ihrem OP ein wichtiges Thema. Vor allem die kleineren OP-Bereiche mit bis zu acht Sälen zeichneten bewerteten die Situation positiv. „Hygiene im Krankenhaus ist ein sensibles Thema, deshalb wird in den OP-Bereichen verstärkt viel Wert darauf gelegt“, so Busse. „Zufrieden kann man allerdings erst sein, wenn die Hygienerichtlinien zu 100 Prozent streng eingehalten werden, gleiches gilt für das Thema Patientensicherheit.“

Große Unterschiede

Das OP-Barometer 2017 zeigt, dass es offenbar große Unterschiede im Hinblick auf Personal, Organisation und Patientengefährdung in den unterschiedlichen Krankenhäusern gibt. „Manche Krankenhäuser haben in den letzten Jahren ihre Hausaufgaben gemacht, nämlich Organisationsabläufe optimiert oder beispielsweise Hygienemängel abgestellt, anderen ist dies wohl nicht gelungen. Es ist den Patientinnen und Patienten daher anzuraten, genau hinzuschauen, in welchem Krankenhaus sie sich operieren lassen“, resümiert Busse. „Gerade OP- und Anästhesie-Pflegekräfte aus großen Kliniken mit neun bis zwölf oder über zwölf Sälen schätzen die eigene Leistungsfähigkeit negativer ein als Mitarbeitende kleinerer OP-Bereiche mit bis zu acht Sälen. Gründe hierfür dürften in großen OP-Bereichen im Wesentlichen in strukturellen Defiziten im Hinblick auf die Personalführung und -ausstattung liegen.“

Mangelnde Wertschätzung

Mit ihrem Arbeitsplatz zufrieden sind übrigens nur noch 61 Prozent der Befragten. Damit hat die Zufriedenheit seit 2011, als noch 71 Prozent der Befragten dies angaben, kontinuierlich abgenommen. Rund die Hälfte Befragten äußerten zudem die Ansicht, dass ihre Arbeit von der Krankenhausleitung nicht anerkannt werde.

Das OP-Barometer ist eine alle zwei Jahre von der Frankfurt University of Applied Sciences durchgeführte Befragung zur Arbeitssituation von Pflegekräften im Operations(OP)- und Anästhesie-Bereich an deutschen Krankenhäusern. Die aufbereiteten Ergebnisse des OP-Barometers 2017 stehen online zum Abruf zur Verfügung.