Gesundheitswesen braucht Interoperabilität

Arzt in OP-Kleidung drückt auf Computersymbole
Interoperabilitätstag: Rahmenbedingungen für systemübergreifenden Austausch von Daten schaffen (Foto: © wladimir1804/fotolia.com)

Am 18. Oktober 2017 findet im Kongresszentrum Westfalenhallen Dortmund der „2. Deutsche Interoperabilitätstag (DIT)“ statt. Beleuchtet und diskutiert werden hier Perspektiven für Interoperabilität im deutschen Gesundheitswesen.

Um den Dialog zwischen allen Akteuren zu fördern, wurde 2016 im Rahmen des IHE-Europe Connectathons der erste Deutsche Interoperabilitätstag (DIT) veranstaltet. In diesem Jahr findet der DIT am 18. Oktober 2017 vor und in Kombination mit der HL7-/IHE-Jahrestagung (19. und 20. Oktober 2017) statt. Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und ärztlicher Selbstverwaltung, Anwender sowie Vertreter der Industrie diskutieren hier über Perspektiven für Interoperabilität im deutschen Gesundheitswesen. Die Veranstalter sind der Bundesverband Gesundheits-IT – bvitg e.V., HL7 Deutschland, IHE-Deutschland und die ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH.

„Interoperabilität ist die Voraussetzung für eine innovative Gesundheitsversorgung. Mit dem Deutschen Interoperabilitätstag wollen wir den Fokus darauf lenken, dass die Zukunft im systemübergreifenden Austausch von Daten liegt und hierzu bestimmte Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen – insbesondere vor dem Hintergrund der Einführung der elektronischen Patientenakte“, erklärt Sebastian Zilch, bvitg-Geschäftsführer, die Intention hinter dem DIT. Lars Treinat, ZTG-Geschäftsführer, Geschäftsbereich Telematik, ergänzt: „Es ist unerlässlich, das Bewusstsein für das Thema zu schärfen – insbesondere bei den Entscheidern im Gesundheitswesen.“ Der DIT biete hierfür eine ideale Plattform.

Bedeutung von Interoperabilität

Die Teilnehmer könnensich über die Themenschwerpunkte „elektronische Patientenakten“, „Standardisierung in Deutschland“, „Personalisierte Medizin in Versorgung und Forschung“ sowie „Klinische Register“ informieren. „Gerade jene Menschen, die unserer besonderen Fürsorge bedürfen, werden in vielen Versorgungseinrichtungen gleichzeitig behandelt. Interoperabilität der Informationssysteme dieser Einrichtungen ist der kritische Erfolgsfaktor für die Effektivität und Qualität ihrer Versorgung und damit eine ethische Verpflichtung“, beschreibt Prof. Dr. Peter Haas, Fachbereich Informatik an der Fachhochschule Dortmund, einer der diesjährigen Keynote-Speaker, die Bedeutung von Interoperabilität innerhalb verschiedener Fachgebiete.

Überholte eGK-Entwicklung

Die Keynote zur Eröffnung hält Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. Er berichtet von den Erfahrungen aus der Praxis: „Wir starten in Kürze das AOK-Gesundheitsnetzwerk, das über die Sektorengrenzen hinweg sämtliche Akteure vernetzen wird. Dabei steht der Patient im Mittelpunkt: Er kann jederzeit über seine Gesundheitsdaten verfügen und entscheiden, wer auf welche Gesundheitsinformationen zugreifen kann. Mit dieser Eigenentwicklung tragen wir der Tatsache Rechnung, dass die technischen Möglichkeiten heute schon viel weiter sind als zu Zeiten der eGK-Entwicklung. Die Zukunft liegt in der Koexistenz vieler kooperativer Netze, die miteinander verbunden sind. Daher setzen wir bei unserem Gesundheitsnetzwerk auf Anschlussfähigkeit – auch zur Telematik-Infrastruktur.“

Programmübersicht sowie Anmeldemöglichkeiten hier

Info: HL7 Deutschland e.V.

HL7 Deutschland (gegründet 1993) arbeitet an der Förderung und Verbreitung der HL7-Standards in Deutschland und ist eine von weltweit fast 40 nationalen Tochterorganisationen von HL7 International, die wiederum weltweit rund 2.500 Mitgliedsorganisationen vereint. Der speziell für das Gesundheits- und Sozialwesen entwickelte Interoperabilitätsstandard ermöglicht die patientenzentrierte Kommunikation zwischen nahezu allen Institutionen und Bereichen sowie den entsprechenden Personen, Systemen und Geräten des Gesundheits- und Sozialwesens. HL7 v2.x wird vornehmlich in Krankenhäusern zwischen den dort etablierten Systemen eingesetzt, darüber hinaus bietet HL7 Lösungen für sektorenübergreifenden Informationsaustausch im gesamten Gesundheitswesen, insbesondere die Clinical Document Architecture (CDA) für Struktur und Inhalt medizinischer Dokumente und die neueste Generation der HL7 Standards, genannt FHIR, vor allem auch für mobile Kommunikation.

Info: IHE Deutschland e. V.

Die internationale Organisation IHE (Integrating the Healthcare Enterprise) bildet die praktischen Anforderungen der Anwender in der Standardisierung ab. Sie entwickelt hierzu sogenannte Profile als Bausteine einer integrierten klinischen IT. Die seit 2004 als e.V. in Deutschland aktive Initiative IHE versteht sich als Plattform zur Erarbeitung deutscher Profile und engagiert sich bei der Verbreitung der IHE-Ideen: Kooperation von Anwendern und Herstellern, Wiederverwendung von Standards, transparente Entscheidungen, freiwillige Selbst‐Assessments.