EDV-Frühwarnsystem erkennt Nierenerkrankung

PD Dr. Tobias Bergler und Dr. Ivan Göcze (re.) auf der Intensivstation am UKR. (Foto: UKR/Johannes Beutler)

Für Patienten sind postoperative Nierenerkrankungen eine nicht unerhebliche Gefahr. Mit einem selbst entwickelten EDV-Frühwarnsystem will das Universitätsklinikum Regensburg (UKR) diese Gefahr nun mindern.

„Die akute Nierenschädigung ist eine Erkrankung, die sowohl Komplikationen in anderen Organen als auch chronisches Nierenversagen verursachen kann. Je schneller man sie erkennt, desto besser sind die Chancen, weitere Komplikationen erfolgreich zu verhindern“, sagt Dr. med. Marlies Ostermann, Stellvertretende Vorsitzende der Nieren-Arbeitsgruppe der Europäischen Gesellschaft der Intensivmedizin. Im Rahmen der Initiative „Schütze die Niere –Prävention ist Therapie“ wurde rund fünf Jahre intensiv geforscht und entwickelt. 

Daraus entstanden ist weltweit einzigartige Modell von Medizinern und Computerspezialisten. Sie haben das EDV-gestütztes Frühwarnsystem gemeinsam entwickelt. „Dieses Programm erlaubt es uns, auftretende Komplikationen nach einem Eingriff frühzeitig zu erkennen“, erklärt Dr. Ivan Göcze, Leitender Oberarzt der Operativen Intensivstation am UKR. Biomarker, an deren Evaluation und klinischen Etablierung das UKR ebenfalls beteiligt war, geben dem EDV-System Impulse. Dadurch wird eine Veränderung der Laborwerte schnell und genau angezeigt. 

Aktive Suche nach gefährdeten Patienten

Das Computerprogramm sucht aktiv nach Patienten mit einem erhöhten Risikoprofi. Gegebenenfalls werden die behandelnden Ärzte informiert, dass bei einem bestimmten Patienten in den zwölf Stunden nach einer OP ein hohes Risiko für eine Nierenschwäche besteht. „Sobald wir das wissen, können wir die geeigneten Maßnahmen ergreifen und diesem Szenario entgegenwirken. Präventive Maßnahmen werden eingeleitet, denn noch haben die Nieren keinen nachhaltigen Schaden erlitten“, so Dr. Göcze weiter. Im 24-Stunden-Rhythmus werden die Laborwerte des Patienten abgeglichen, damit auftretende Veränderungen im Nachsorgebild erkannt werden. 

Bei der Prävention setzten die Mediziner auf die Echtzeit-Evaluation von zellulären Stressmarkern in der Niere als Vorstufe für die Verschlechterung der Nierenfunktion. „Unsere oberste Priorität ist es, eine dauerhafte Schädigung der Nieren vom Patienten abzuwenden und im besten Fall die Funktionalität der Niere wiederherzustellen“, ergänzt PD Dr. Tobias Bergler, Leitender Oberarzt der Abteilung für Nephrologie des UKR

Spezialisten begleiten Nachsorge

Für die Betroffenen ist die Nachsorge besonders wichtig. Während sie ansonsten meist durch den Hausarzt übernommen wird, schalten sich bei betroffenen Patienten auch die Spezialisten hinzu. Zwar bleibt der Hausarzt Ansprechpartner Nummer eins für den Patienten, aber auch die Nephrologen des UKR überwachen bis zu einem Jahr nach der Operation die Behandlung. „Das ist ein Novum, aber wir erachten es für notwendig, weil eine einmal vorhandene Nierenschädigung wie eine Narbe am Körper zurückbleibt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Nieren in den folgenden Jahren schwächer werden und der Patient irgendwann sogar auf eine Dialyse angewiesen ist“, so Dr. Bergler zum Konzept der nephrologischen Nachsorge.

Gemeinsamer Erfolg

Das Programm ist vor Kurzem am UKR gestartet. Zuvor war eine halbjährige Vorbereitungszeit am Universitätsklinikum nötig. Ärzte mussten im Umgang mit dem System geschult und Daten ausgewertet werden, EDV-Spezialisten mussten die Computerprogramme maßschneidern und das Labor eine Logistik entwickeln, die es möglich macht, die auszuwertenden Daten rechtzeitig und zügig fertigzustellen. „Dieses Konzept ist deutschlandweit einzigartig und zeichnet sich auch international durch seinen innovativen Ansatz und die Interdisziplinarität aus“, so Dr. Bergler. Chirurgen, Nephrologen, Anästhesisten, Labormitarbeiter und ein EDV-Team arbeiten hierbei Hand in Hand.