Disruptive Neuerungen in der Medizintechnik

Arzt mit Tablet-PC
Arzt mit Tablet-PC: „Gute Voraussetzungen, um den technischen Fortschritt voran zu bringen“ (Foto: © dolgachov/123rf.com)

Der Industrieverband Spectaris erwartet für die beginnenden Zwanzigerjahre weitreichende und teils disruptive Neuerungen in der Medizintechnik, der Analysen- und Labortechnik, in der Augenoptik und Photonik.

Aus Sicht des deutschen Verbandes sind die Weichen im Gesundheitsmarkt richtig gestellt: Innovationsgetriebene Unternehmen, eine hervorragende Forschungslandschaft, verbesserte staatliche Förderinstrumente, darunter die kommende steuerliche Forschungsförderung, bilden gute Voraussetzungen, um den  technischen Fortschritt voran zu bringen. „Ein neues Jahrzehnt voller technologischer Sprünge hat begonnen. Wir können heute schon Trends und Entwicklungen sehen, mit denen unsere Branchen die Welt verändern werden“, glaubt der Spectaris-Vorstandsvorsitzende Josef May.

Quantentechnologien haben dem Urteil von Specaris das Zeug, den nächsten großen Wachstumsschub für die Photonik und weitere Hochtechnologien zu liefern. So sei die Rechenleistung von Quantencomputern bereits mit wenigen Dutzend sogenannter Qubits, also quantenmechanische Pendants zum klassischen digitalen Bit, ungleich höher als die heutiger Hochleistungscomputer. In den nächsten Jahren werde es vor allem um die Vermarktung von Quantentechnologien gehen: Die Bundesregierung fördert Forschung und Kommerzialisierung der Quantentechnologien in einem Sonderprojekt bis zum Jahr 2022 mit mehr als einer halben Milliarde Euro.

Robotik für körperlich beeinträchtigte Menschen

Als wichtige Treiber des Fortschritts in der Medizintechnik sieht der Verband die Robotik und 3D-Technologien: Holografische Live-3D-Bildgebungsverfahren im OP-Saal werden immer präziser und ermöglichen sicherere Eingriffe. Die erzeugten Hologramme können künftig berührt und bewegt werden. Die Robotik wird sich insbesondere in Form von Exoskeletten weiter verbreiten. Körperlich beeinträchtigte Menschen werden durch fortgeschrittene Robotertechnik besser unterstützt. „Die Versorgungsqualität der Patienten wird steigen und steigen. Der Innovationsgeist der deutschen Medizintechnik macht es möglich“, sagt der Vorstandsvorsitzende May.

Das Smarte Labor 4.0 in der Analysen-, Bio- und Labortechnik verspreche komplett automatisierte Arbeitsprozesse in Laboreinrichtungen. Labor- und Analysengeräte kommunizieren künftig digital eigenständig miteinander, Mess- und Prüfergebnisse werden zuverlässig dokumentiert und aufbereitet. Big Data werde so zu Smart Data, was bahnbrechende Erkenntnisse in der Laborforschung ermöglichen könne.

Brillen übernehmen Smartphone-Funktionen

Optimismus auch im Hinblick auf die Augenoptik: Hier wird im neuen Jahrzehnt die Messung der Augenwerte mit der Kamera des eigenen Smartphones erwartet. „Man kann sich die passenden, typgerechten Brillenfassungen aus einer nach oben offenen Riesenauswahl auf seinem Smartphone oder PC aussuchen. Neben dem generell weiter perfektionierten Sehen werden Brillen und Kontaktlinsen Teile der Smartphone-Funktionen übernehmen und viele zusätzliche Informationen über die Umwelt, in der man sich gerade bewegt, bereithalten“, sagt der Verband.

„Der Hightech-Mittelstand wird auch in der neuen Dekade die Triebfeder für Innovationen sein. Um die Potenziale voll auszuschöpfen, muss die Politik aber weiter verbesserte Rahmenbedingungen schaffen und eine innovationsfreundliche Industriepolitik betreiben“, so May abschließend.

Spectaris ist der Deutsche Industrieverband für Optik, Photonik, Analysen- und Medizintechnik mit Sitz in Berlin. Der Verband vertritt 400 überwiegend mittelständisch geprägte Unternehmen. Im Jahr 2018 erwirtschafteten sie einen Gesamtumsatz von knapp 72 Milliarden Euro und beschäftigten rund 316.000 Menschen.