Digitalisierungszentrum Präzisions- und Telemedizin gegründet

Das Digitalisierungszentrum Präzisions- und Telemedizin haben das Würzburger Universitätsklinikum, das Institut für Informatik der Universität Würzburg und das Zentrum für Telemedizin Bad Kissingen gemeinsam gestartet. (Foto: WrightStudio - Fotolia.com)

Wie kann Künstliche Intelligenz die Behandlungsqualität weiter steigern und den Arbeitsalltag von Ärzten vereinfachen? Antworten auf diese Fragen wollen das Würzburger Universitätsklinikum, das Institut für Informatik der Universität Würzburg und das Zentrum für Telemedizin Bad Kissingen gemeinsam finden. Dazu schließen sich die drei Institutionen nun zum virtuellen „Digitalisierungszentrum Präzisions- und Telemedizin“ (DZ.PTM) zusammen. Eine Finanzierungszusage des bayerischen Wissenschaftsministeriums gibt es bereits.

Die Partner wollen sich unter anderem mit der Frage beschäftigen, wie bestehende große Datenmengen unter Berücksichtigung aller Datenschutz- und Sicherheitsaspekte für eine noch präzisere und effizientere Behandlung von Erkrankten nutzbar gemacht werden können. Solche Daten könnten zum Beispiel aus digitalen Patientenakten stammen.

Digitale Patientenakten als Big Data-Teststrecke

Bei der Konzeption des Projekts federführend war Prof. Dr. Christoph Reiners. Der ehemalige Ärztliche Direktor des UKW ist wissenschaftlicher Sprecher der Plattform „Gesundheit/Medizin“ der vom Freistaat getragenen Kooperations-, Forschungs- und Gründungsplattform Zentrum Digitalisierung.Bayern (ZD.B). „Das Uniklinikum Würzburg ist mit mehreren Millionen von digitalen Patientenakten im Besitz eines riesigen Informationsschatzes, der durch intelligente Datenverarbeitung zum Wohle zukünftiger Patienten und der sie behandelnden Ärzte erschlossen werden kann“, sagt Prof. Reiners. Das DZ.PTM-Projekts hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, diese „Big Data“ in einem nach außen geschützten Datenintegrationszentrum (DIC) so aufzubereiten, dass sie anonymisiert und sicher als „Teststrecke“ für die Entwicklung und Erprobung von vielen zukünftigen Digitalisierungsprojekten im Gesundheitswesen zur Verfügung stehen. Das Servicezentrum für Medizininformatik des Uniklinikums unter Leitung von Helmut Greger hat zusammen mit Prof. Dr. Frank Puppe vom Lehrstuhl für Künstliche Intelligenz und Angewandte Informatik der Würzburger Universität bereits entsprechende Vorarbeiten geleistet.

Smarter Schub für radiologischen Untersuchungen

Unter dem Stichwort „Wissensbasiertes Leistungsmanagement“ soll im Rahmen des Projektes zudem zusammen mit Prof. Dr. Thorsten Bley vom Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie des UKW erforscht werden, ob und wie sich radiologische Untersuchungen durch Künstliche Intelligenz optimieren lassen. Zur Diagnostik steht Ärzten heute eine ganze Palette unterschiedlicher Bildgebungsverfahren zur Verfügung – vom Ultraschall bis zum PET/CT. Bei der Entscheidung für das im Einzelfall zielführende Verfahren greifen sie auf publiziertes Wissen aus Lehrbüchern und Leitlinien sowie die eigenen Erfahrungen und die von Kollegen zurück. „Diese Informationen beziehen sich aber nie auf den individuellen Patienten, sondern auf ganze Patientengruppen mit ähnlichen Diagnosen und Erkrankungsstadien. Die damit verbundenen Ungenauigkeiten führen häufig noch zu zeit- und kostenaufwändigen Bildgebungskaskaden mit teilweise vermeidbarer Strahlenbelastung für die Patienten“, so Prof. Reiners. Ziel ist es daher, den Entscheidungsprozess zu vereinfachen. Dazu sollen Digitalisierungsmöglichkeiten genutzt werden, die auch Häufigkeitsstatistiken aus bisherigen, vergleichbaren Patientenakten und die Unterstützung durch speziell ausgebildete Experten mit einbeziehen. Das Ergebnis wären präzisere, schnellere und preiswertere Abläufe, die sowohl den Patienten als auch das klinische Personal entlasten.

Präzisions- und Telemedizin bei Seltenen Erkrankungen

Darüber hinaus arbeitet das DZ.PTM eng mit dem Projekt BASE-NET der bayerischen Zentren für Seltene Erkrankungen zusammen. „Für Seltene Erkrankungen gibt es bayern- oder gar deutschlandweit oft nur wenige Experten. Bei akuten Problemen, wie auch für Routinekontrollen wäre für die Betroffenen eine Versorgung vor Ort mit telemedizinischer Unterstützung durch einen Spezialisten extrem hilfreich“, erläutert Prof. Reiners. Dazu fehle allerdings bislang die Infrastruktur. Ziel der beiden Partner dieses Teilprojektes ist deshalb die Entwicklung einer speziellen digitalen Patientenakte. Außerdem sollen die spezialisierten Behandlungszentren mit den Patienten sowie den behandelnden Ärzten und Einrichtungen vor Ort vernetzt werden.