Digitale Anwendungen scheitern in der Praxis

Digitale Anwendungen verändern die Arbeitsabläufe in Arztpraxen. (Foto: jakarin2521/123rf.com)

Viele Ärzte sind verärgert über die praxisuntaugliche Qualität von digitalen Anwendungen. Auf dem 125. Deutsche Ärztetag wurde die Gematik deshalb heftig kritisiert.

Die Ärzteschaft fordert intensive und flächendeckende Testphasen mit einer Dauer von mindestens zwölf Monaten, bevor Anwendungen der Telematikinfrastruktur in den Praxisalltag eingeführt werden. „Die elektronische Patientenakte, das eRezept und die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung verändern die Arbeitsabläufe in Praxen und Kliniken nachhaltig“, so Erik Bodendieck, Co-Vorsitzender des Ausschusses „Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung“ der Bundesärztekammer. Ärztinnen und Ärzte werden diese Veränderung seiner Einschätzung nach nur akzeptieren, wenn die neuen Prozesse sicher, störungsfrei und zügig ablaufen. 

Warnungen abgekanzelt

Aktuell ist das laut Bodendieck nicht sichergestellt. Bedenken oder sogar Warnungen zurückliegender Ärztetage habe die Gematik ignoriert oder abgekanzelt. „Die Konsequenzen sehen wir jetzt. Die Testergebnisse sind mehr als ernüchternd“, so Bodendieck. Dass die Delegierten nun in einem der elf Beschlüsse zu Digitalisierung sogar ein Moratorium für die Einführung der Anwendungen fordern, zeige den Unmut der Ärzteschaft über die praxisuntaugliche Qualität.

Um einer nutzerorientierten Weiterentwicklung der Anwendungen der Telematikinfrastruktur zukünftig Rechnung zu tragen, fordern die Ärzte eine Neujustierung der Strukturen der Gematik. „Jetzt rächt sich, dass die Gematik die Anforderungen der Gesellschafter übergeht, die die Patientenversorgung verantworten“, so Bodendieck. Die Gesellschafter müssten einen stärkeren Einfluss haben.

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