Deutsche misstrauen Roboter im OP

Die meisten Deutschen wollen lieber von einem Menschen operiert werden. (Foto: Kzenon - Fotolia.com)

Die meisten Deutschen würden sich lieber von einem menschlichen Chirurgen operieren lassen als von einem Roboter. 61 Prozent der Bundesbürger ziehen selbst dann einen Menschen vor, wenn der Einsatz eines Roboters den anschließenden Heilungsprozess beschleunigen würde. Das zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Studie, die VMware jetzt veröffentlicht hat.

Für die Studie wurden 2.000 Personen in Deutschland nach ihrer Meinung zu Künstlicher Intelligenz (KI), Internet der Dinge (IoT) und Blockchain in Bezug auf ihre Gesundheit befragt. Generell sind die meisten Deutschen demnach nicht abgeneigt, wenn es um neue Technologien im Gesundheitssektor geht. 65 Prozent der Befragten bewerten es positiv, wenn Vitalwerte von Krankenhauspatienten durch digitale Armbänder überwacht werden. Technologien, mit deren Hilfe ältere Familienangehörigen so lange wie möglich in ihrem Zuhause bleiben können, befürworten 68 Prozent.

Datenweitergabe unerwünscht

Ihre Daten wollen viele Deutsche nicht weitergeben. 42 Prozent aller Befragten fühlen sich nicht wohl dabei, exakte Daten über ihre alltäglichen Verhaltensweisen in Bezug auf Ernährung, Sport und Lifestyle an ihren Arzt zu übermitteln, damit er sie personalisiert beraten und behandeln kann. Ein Grund dafür könnte Unsicherheit sein: 63 Prozent der Befragten sagen, dass sie immer noch nicht wissen, wer Zugriff auf ihre persönlichen Daten hat und wozu sie genutzt werden.

Eine Frage des Alters

Einen Einblick in bestimmte Lebensbereiche aus Vorsorgegründen gewähren die Bundesbürger nur ungern. Zwar glaubt bereits etwa jeder dritte Deutsche (32 Prozent), dass KI zu einer Verbesserung von medizinischer Versorgung und Behandlungen beitragen und somit die Lebenszeit der Menschen verlängern wird. Trotzdem wollen nur 20 Prozent der Befragten die Kontrolle über die eigene Ernährung abgeben. Das gilt auch dann, wenn sie dadurch einen gesundheitlichen Vorteil erlangen oder schneller abnehmen könnten. Dabei sind Jüngere im Alter zwischen 18 und 24 (40 Prozent) deutlich eher bereit, die Kontrolle über ihre Ernährung abzugeben, wenn sie daraus einen Nutzen ziehen können, als Menschen über 55 Jahren (14 Prozent). Die Abneigung der Kontrollabgabe könnte auch von einem generellen Gefühl des Kontrollverlusts durch Technologie stammen, den immerhin 39 Prozent der Befragten empfinden.

Ein Roboter namens KI

Im Bereich neuer Technologien herrscht nach wie vor großer Aufklärungsbedarf. 45 Prozent der deutschen Verbraucher halten KI für „einen Roboter“ – anstatt eines intelligenten Supercomputers, der eigenständige Entscheidungen treffen sowie lernen und dadurch neue Dienstleistungen und Erfahrungen schaffen kann. 42 Prozent der Befragten räumen ein, zu wenig über Technologien wie KI, IoT und Blockchain zu wissen. Dies offenbart sich auch im Bereich der Wearables:  Elf Prozent der Verbraucher geben an, bereits Wearables dafür zu nutzen, auf einen gesunden Lebensstil zu achten. Dass Wearables Technologien wie KI oder IoT nutzen, wissen 42 Prozent der Befragten.

Aufklärung erforderlich

„Neue Technologien wie IoT oder Künstliche Intelligenz bieten großes Potential für den Gesundheitssektor und werden in den nächsten Jahren stärker Einzug halten“, sagt Carsten Kramschneider, Teamleiter Healthcare & Education bei VMware. Gerade KI sei hier auf dem Vormarsch. „In den USA gibt es bereits innovative Projekte, in deren Rahmen Künstliche Intelligenz Chirurgen per Sprachsteuerung während der Operationen unterstützt. So können die Ärzte nicht nur von ihrem eigenen Erfahrungsschatz profitieren, sondern auch von der stetig lernenden KI. Sie analysiert Verletzungen und Krankheiten und gibt anschließend Hinweise, auf was bei dem entsprechenden Krankheitsbild noch geachtet werden muss“, so Kramschneider weiter.

Um diese Möglichkeiten voll auszuschöpfen, müssen Gesundheitseinrichtungen seiner Einschätzung nach die Verbraucher mit einbeziehen und für Vertrauen und Transparenz sorgen. „Jeder sollte wissen, wie und wo Technologien eingesetzt und Daten gespeichert und genutzt werden.“