BMBF: Erkennbare Praxistauglichkeit erhöht Förderchancen

Medizintechnik-Unternehmen sollen ihre Entwicklungen stärker als bisher am medizinischen Bedarf ausrichten (Foto: © Sergey Nivens - Fotolia.com).

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat jetzt Einzelheiten zum „Fachprogramm Medizintechnik“ vorgestellt. Mit dem Programm will das Ministerium den Paradigmenwechsel in der BMBF-Förderung im Bereich Medizintechnik untermauern. Der Bedarf von Patienten und die Anwendungsfähigkeit von Produkten soll stärker in den Mittelpunkt gestellt werden.

Mit dem „Fachprogramm Medizintechnik” will das BMBF nach eigenen Angaben den Herausforderungen einer älter werdenden Gesellschaft begegnen, in der die Erwartungen an eine moderne und möglichst individuelle Medizin steigen. Gefragt seien innovative Produkte, die diesen Ansprüchen genügen und gleichzeitig das Gesundheitssystem entlasten, heißt es. In den nächsten fünf Jahren stellt das BMBF für das Fachprogramm Medizintechnik rund 240 Millionen Euro an Fördergeldern bereit. Bei der Vergabe der Mittel soll die Praxistauglich eine große Rolle spielen: „Forschung soll sich stärker als bisher am medizinischen Bedarf ausrichten und in anwendungsfähigen Produkten münden, die tatsächlich geeignet sind, die Gesundheitsversorgung in Deutschland und auch international zu verbessern“, sagt Georg Schütte, Staatssekretär des BMBF. Bereits im Entwicklungsprozess von Medizinprodukten muss künftig erkennbar sein, dass sie die Hürden zur Integration in die Versorgung überspringen können. Zudem will das BMBF die Bereitstellung und den Zugang zu Versorgungswissen unterstützen, damit sich die Unternehmen in ihrer Forschung stärker am Bedarf von Patienten ausrichten können.

Innovative Medizinprodukte gefragt

Das neue “Fachprogramm Medizintechnik” ist Ergebnis des nationalen Strategieprozesses “Innovationen in der Medizintechnik”. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat diesen Prozess vor fünf Jahren gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium sowie dem Wirtschaftsministerium und Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gesundheitsversorgung und der Selbstverwaltung ins Leben gerufen. Ziel soll es sein, die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems zu steigern und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft der Medizintechnikbranche zu stärken. „Das Patientenwohl ist eng an den medizinischen und technischen Fortschritt geknüpft. Innovative Medizinprodukte tragen wesentlich dazu bei, dass Menschen bis ins hohe Alter ein aktives Leben führen können und dass eine soziale Teilhabe von Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen gesichert ist“, so Schütte.

Zehn-Punkte-Programm

Hersteller müssen daher den medizinischen Nutzen neuer Produkte künftig stärker belegen. In der Folge sind häufiger als bisher klinische Studien und aufwändigere Entwicklungsprozesse erforderlich. Das jedoch sind ein Aufwand und damit verbundene Kosten, die insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen oft nicht aus eigener Kraft stemmen können. Zur Unterstützung dieser Unternehmen setzt das BMBF auf das Zehn-Punkte-Programm „Vorfahrt für den Mittelstand“. Im Rahmen dieses Programms stellt das Ministerium seit 2013 jährliche Fördermittel in Höhe von 20 Millionen Euro zur Verfügung. In der Medizintechnik sind kleine und mittelständische Unternehmen stark vertreten: In rund 1.200 Medizintechnikunternehmen arbeiten derzeit rund 130.000 Menschen. 2015 erwirtschafteten diese Firmen einen Gesamtumsatz von 28 Milliarden Euro – 19,2 Milliarden Euro davon im Ausland. Damit beläuft sich die Exportquote auf 68 Prozent.