Big-Data-Projekt bringt Patientendaten und Forschung zusammen

Im Rahmen des Projektes DIFUTURE sollen digitale Patientendaten zusammengeführt und für die Forschung nutzbar gemacht werden. (Foto: canjoena - Fotolia.com)

Digitale Patientendaten zusammenzuführen und für die Forschung nutzbar zu machen, um dadurch Krankheitsursachen und Verläufe besser zu verstehen ist das Ziel des Projekts DIFUTURE  (Data Integration for Future Medicine). Das Projekt unter der Führung der Technischen Universität München (TUM) geht jetzt mit einer Millionenförderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Medizininformatik-Initiative an den Start.

Am Projekt beteiligt sind außerdem die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), die  Eberhard Karls Universität Tübingen und die Universität Augsburg. Mit weiteren Partnern aus Wissenschaft und Industrie sollen verschiedenste Arten von Daten aus der Krankenversorgung und der Forschung harmonisiert, integriert und analysiert werden. Dadurch sollen Daten aus dem klinischen Alltag für die Forschung nutzbar gemacht werden. Das Zusammenführen von Datensätzen aus der Forschung zum Beispiel aus Datenbanken für Gene oder Gewebe und aus der klinischen Patientenversorgung kann schneller Zusammenhänge aufdecken, etwa zwischen einzelnen Genen, Lebensstilen und Erkrankungen oder Komplikationen. Ein solches Big Data-Projekt bietet nach Ansicht der Verantwortlichen Chancen für die frühere Erkennung von seltenen Komplikationen, Risiken und Nebenwirkungen, etwa bei Arzneimitteltherapien, für Diagnostik, Therapieentscheidungen und Vorsorge. Mit diesem Wissen sollen Erkrankungen künftig wirkungsvoll verhindert, schneller diagnostiziert sowie zielgerichteter und nebenwirkungsarm therapiert werden können.

Erste Vorprojekte zu kompatiblen Systemen und gemeinsamer Nutzung von Patientendaten hat das Konsortium unter Leitung von Prof. Klaus A. Kuhn, Lehrstuhl für Medizinische Informatik an der TUM, bereits erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen des Projektes wurden die Vorarbeiten und Konzepte von einem internationalen Gutachtergremium bewertet. Schwerpunkte lagen dabei in den Bereichen Datenschutz und Datensicherheit.  Außerdem sollen im Rahmen des Projektes alle Aspekte einer zukunftsgerichteten Medizin abgedeckt werden, die präventiv, personalisiert, interdisziplinär und digital ist.

Praxistauglichkeit testen

Im Rahmen der Medizininformatik-Initiative des BMBF werden jetzt bundesweit vier Konsortien mit 120 Millionen Euro gefördert. Alle geförderten Konsortien sollen Datenintegrationszentren aufbauen und ihren Mehrwert in Praxisbeispielen konkret nachweisen. Die Zentren sollen beispielhaft demonstrieren, wie Daten, Informationen und Wissen aus Krankenversorgung, klinischer und biomedizinischer Forschung über die Grenzen von Standorten hinweg verknüpft werden können. Für die neurologische Erkrankung Multiple Sklerose (MS) hat DIFUTURE bereits Daten aus verschiedenen Datenquellen zusammengeführt und harmonisiert. Die Fragen, die bearbeitet werden sollen, zielen auf Krankheitsverläufe, Präzisionstherapie, aber auch mögliche Muster von Vor- und Begleiterkrankungen ab. Als weitere Anwendungsfälle werden die Parkinson Erkrankung, seltene Erkrankungen, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfall folgen.

Die BMBF-Medizininformatikinitiative

Die Medizininformatikinitiative des BMBF soll die medizinische Forschung stärken und die Patientenversorgung verbessern. Innovative IT-Lösungen sollen künftig den Austausch und die intelligente Nutzung von Daten aus Krankenversorgung, klinischer und biomedizinischer Forschung ermöglichen. Mit einem vorgesehenen Fördervolumen von 120 Millionen Euro über die Jahre 2018 bis 2021 will die Bundesregierung die Etablierung von „Datenintegrationszentren“ an deutschen Universitätskliniken und Partnereinrichtungen unterstützen.