App für mehr Studenten-Bewegung

Rennende Studentin
Rennende Studierende: Kaiserslauterer App mehrfach ausgezeichnet (Foto: © primagefactory/123rf.com)

Zuviel Stress und Leistungsdruck – rund drei Viertel der Studierenden bewegen sich zu wenig. An der Technischen Universität Kaiserslautern sorgt eine neue App erfolgreich für Abhilfe.

Bis mittags ausschlafen und dann bei einem gemütlichen Plausch Kommilitonen in der Cafeteria treffen? Dieses Bild vom „süßen“ Studentenleben trifft heute kaum noch zu. Bereits vor zwei Jahren zeigte die Studie „Gesundheit Studierender in Deutschland“, die das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung mit der Freien Universität Berlin und der Techniker Krankenkasse durchgeführt hat, dass Studierende häufig unter Stress leiden. 

Deutlich wurde dabei auch: Körperliche Aktivität wirkt sich positiv auf das Stresserleben aus. An der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) schafft hier die App „Game of TUK“ Abhilfe. Sie hilft spielerisch, die Bewegung im Alltag zu erhöhen. Dass dies auch der Fall ist, hat die Studentin Julia Müller in ihrer Masterarbeit nachgewiesen. Die App ist mittlerweile zweimal ausgezeichnet worden: Bei der Abschlusstagung des Projekts „Bewegt studiert – Studieren bewegt“ wurde die Kaiserslauterer App als eines von fünf Best-Practice-Beispielen ausgezeichnet. Zudem erreichte das Spiel bei der Bundestagung des Arbeitskreises Gesundheitsfördernde Hochschulen und der TK in Frankfurt den 1. Platz beim Innovationspreis.

Spielelemente wie aus den Fantasiewelten von „Harry Potter“ oder „Tribute von Panem“, haben sich die Spieleentwickler an der TUK zum Vorbild genommen. „Die zwölf Fachbereiche haben wir für das Spiel in vier Häuser aufgeteilt“, erläutert Max Sprenger, stellvertretender Leiter des Unisports und Projektleiter von CampusPlus, das Teil des Unisports ist. Diese haben jeweils ein eigenes Logo und Wappen, die Sebastian Kirn, bei CampusPlus zuständig für Marketing und Design, entwickelt hat. Die Häuser müssen gegeneinander sportlich um den Thron an der TUK kämpfen. „Dazu müssen sie beispielsweise jede Woche eine Aufgabe lösen“, erklärt Sprenger. „Dafür haben wir unter anderem 20 virtuelle Coins, also Münzen, auf dem Campus verteilt, die die Teams täglich einsammeln können.“

Schnitzeljagd im Pfälzer Wald

Da die TU Kaiserslautern direkt am Pfälzer Wald liegt, stehen bei dem Wettstreit auch eine Schnitzeljagd im Wald auf dem Programm. Insgesamt sammeln die Häuser auf diese Weise Punkte. Das Spiel dauert vier Wochen. Am Ende gewinnt das Haus, das die meisten Punkte hat. „Die Idee bei dem Spiel ist es, mehr Bewegung im Alltag zu haben, ohne dass man sich dessen bewusst ist“, so Sprenger weiter.

Zielgruppe trägt selbst zur eigenen Gesundheit bei

Die App hat ein studentisches Team im Rahmen des Projekts „Bewegt studieren – Studieren bewegt“ entwickelt, das darauf abzielt die studentische Gesundheit mit einer Vielzahl von Maßnahmen zu verbessern, um Stress entgegenzuwirken und abzubauen. Der Allgemeine Deutsche Hochschulsportverband (adh) und die Techniker Krankenkasse (TK) hatten das Vorhaben initiiert. „Es ist eine Leitidee von uns, dass die Zielgruppe selbst zur eigenen Gesundheit beiträgt“, sagt Sprenger. „Eine App passt auch zur Zielgruppe. Die Studierenden nutzen das Smartphone sowieso die meiste Zeit und wir verbinden damit reale und virtuelle Welten.“

Die studentische Projektleitung hatte Julia Müller inne. Sie hat zudem im Rahmen ihrer Masterarbeit untersucht, wie die App die Bewegung fördert. Dazu hat sie vor, während und vier Wochen nach der Nutzung die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie eine Kontrollgruppe zu ihrem Bewegungsverhalten befragt. „Es hat sich gezeigt, dass unser Spiel dabei hilft, die Bewegung im Alltag zu erhöhen“, sagt Müller. „Auch nachdem das Spiel beendet war, hatte es die aktiven Spieler positiv beeinflusst.“

Unterstützt wurde das Team bei der Entwicklung der App vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), Juniorprofessor Dr. Marc Herrlich vom Lehrstuhl Serious Games Engineering, den Sportwissenschaften und dem Regionalen Hochschulrechenzentrum Kaiserslautern.