App für Ersthelfer bei Herz-Stillstand

Übungspuppe für Herzdruckmassage
In Erste-Hilfe-Kursen lernen die Teilnehmer, wie sie die Herzdruckmassage ausführen (Foto: © Microgen/fotolia.com)

Dieses Projekt könnte Vorbild für ganz Deutschland sein: Eine Smartphone-App des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in Schleswig-Holstein informiert über Standorte von Defibrillatoren und leitet Ersthelfer durch die wichtigsten Nothilfemaßnahmen, wenn ein Mensch mit Herz-Kreislauf-Stillstand vorgefunden wird.

Am plötzlichen Herztod sterben in Deutschland jährlich 100.000 Menschen, weit über 3.000 allein in Schleswig-Holstein. Diese Zahl zu reduzieren, hat sich ein Projekt des Arbeiter-Samariter-Bundes unter dem Namen „Schleswig-Holstein schockt“ zum Ziel gemacht.

Das „Herzstück“ des Projektes ist eine mobile Anwendung für Smartphones. Die kostenfreie App unterstützt beim Notruf, hilft einen Defibrillator in der Nähe zu finden und leitet den Ersthelfer durch die wichtigsten Schritte der Nothilfemaßnahmen.

Defi-Datenbank angelegt

Da es bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand auf jede Minute ankommt, setzt die App darauf, dass die Erste-Hilfe-Maßnahmen sofort beginnen. Ein entscheidendes Hilfsmittel kann dabei der Automatisierte Externe Defibrillator, kurz AED oder auch Defi sein. Inzwischen gibt es diese lebensrettenden Geräte in ganz Schleswig-Holstein. Nur, wo genau befinden sich diese eigentlich? Hier setzt das Projekt „SH schockt“ an. Der ASB entwickelte eine Datenbank, in der alle in SH aktuell vorhandenen AED-Geräte erfasst werden. Zu finden sind diese etwa in Firmen, Hotels, Bankfilialen und Behörden. Über die kostenfreie Smartphone-App für Android und iOS können die Bürger jederzeit den Standort des nächsten Gerätes sehen. Auch im Internet informiert der ASB auf einer eigens eingerichteten Webseite.

Hilfe-Hemmschwelle wird gesenkt

Werden nur wenige Minuten zum Heranschaffen des nächsten AED benötigt, kann das insbesondere in ländlichen Regionen mit langen Anfahrtszeiten des Rettungsdienstes hilfreich sein. Dabei gilt es für die Ersthelfer allerdings, sofort nach dem Notruf unter 112 und Überprüfung der Atmung mit der Herzdruckmassage zu beginnen. Während diese in einigen Nachbarländern bereits in jeder Schule beigebracht wird, fehlt eine solche Ausbildung in Deutschland. Das hat zur Folge, dass unbeteiligte Laien hierzulande nur in 17 Prozent aller Notfälle mit der Herzdruckmassage sofort helfen, während es in anderen, europäischen Ländern bis zu 60 Prozent sind.

Rechtzeitige Hilfe kann Betroffene nicht nur vor dem plötzlichen Herztod bewahren, sondern auch vor schweren Gesundheitsschäden und Behinderungen aufgrund zu langer Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff.