Weshalb Mitarbeitergesundheit zählt

Betsey Banker ist Wellness Managerin bei Ergotron
Betsey Banker ist Wellness Managerin bei Ergotron, einem Hersteller und Entwickler von Technikmöbeln (Foto: Ergotron)

Gastbeitrag von Betsey Banker 

Moderne Wissensarbeiter verbringen immer mehr Zeit am PC und damit über Stunden in einer für den Körper nicht natürlichen Sitzposition. Rückenbeschwerden zählen zu den häufigsten Gründen für Krankschreibungen und verursachen in Deutschland damit schätzungsweise mehr als 60 Millionen Fehltage pro Jahr.

Unternehmen, die ihre Arbeitnehmer bei Steh- und Bewegungspausen unterstützen, fördern somit nicht nur die Mitarbeitergesundheit, sondern auch deren Konzentration und Leistungsstärke. Die Reduktion von Stress und körperlicher Belastung aufgrund übermäßigen Sitzens wirkt sich zudem positiv auf Arbeitsklima und Beliebtheit des Arbeitgebers aus und kann dadurch langfristig Wettbewerbsvorteile bei der Mitarbeitergewinnung bieten.

Bekanntermaßen sind viele chronische gesundheitliche Probleme wie Muskel- und Gelenkprobleme, Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes, Übergewicht, bestimmte Krebsarten und Depressionen auf im Sitzen ausgeführte Tätigkeiten und Bewegungsmangel zurückzuführen. Dennoch glauben manche Arbeitgeber nach wie vor nur widerstrebend an einen Zusammenhang zwischen langen Sitzphasen und deren Auswirkungen auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Belegschaft.

Lange Ausfallzeiten durch Rückenbeschwerden

Dabei hat eine ungesunde Arbeitsplatzgestaltung nicht nur einen langfristig negativen Einfluss auf die Mitarbeitergesundheit, sondern führt im Arbeitsalltag zu Konzentrationsschwäche und Leistungsabfall sowie häufigen Krankschreibungen und damit zu negativen wirtschaftlichen Konsequenzen für Unternehmen. Laut des Gesundheitsreports der Techniker Krankenkasse fallen Arbeitnehmer bei einer rückenbedingten Krankschreibung im Schnitt rund 17,5 Tage aus, und Rückenbeschwerden sind dritthäufigste Ursache für Krankschreibungen. Zehn Prozent aller Fehlzeiten Erwerbspersonen gingen 2015 laut TK auf Rückenprobleme zurück, hochgerechnet auf die über 43 Millionen Erwerbspersonen in der Bundesrepublik ergibt das über 60 Millionen Fehltage.

Geringere Produktivität und Konzentrationsschwäche

Auch die Ergotron JustStand-Index-Umfrage, die unter Arbeitnehmern im Alter von 18 bis 65 Jahren durchgeführt wurde, bestätigt, dass übermäßiges Sitzen die Konzentrationsfähigkeit von Mitarbeitern beeinträchtigt und sich auf das Arbeitsklima auswirkt. Auf die Frage, wie die Angestellten einen Ausgleich dafür schaffen, dass sie bei Ihrer Tätigkeit den ganzen Tag sitzen müssen, antworten 39 Prozent der Befragten, dass sie sich dem sogenannten Cyberloafing widmen, also beispielsweise ihre Social Media-Nachrichten lesen oder im Internet surfen, statt zu arbeiten. Weiterhin bestätigten 61 Prozent der Umfrageteilnehmer, dass sie aufstehen und Pausen einlegen, um die durch das lange Sitzen von Symptomen wie Unruhe, Erschöpfung, Schmerzen und Benommenheit zu erholen. Zudem ergab die Umfrage, dass 61 Prozent der Befragten eine hohe Abneigung dagegen haben, den ganzen Tag zu sitzen und 84 Prozent es vorziehen würden, nach Belieben zu sitzen oder zu stehen.

Ergonomie am Arbeitsplatz: Worauf kommt es an?

Ziel der Ergonomie ist die optimale Anpassung von Arbeitsumgebung und Arbeitsgeräten an die menschlichen Bedürfnisse. Deshalb steht stets im Fokus, wie man mit möglichst geringer Anstrengung ein qualitativ hochwertiges Arbeitsergebnis erreichen kann. Ein gesunder Arbeitsplatz beginnt bereits bei guten Lichtverhältnissen, einer Reduzierung des Lärms, eines gesunden Raumklimas sowie optimierten Arbeitsprozessen und mitarbeiterfreundlicher Arbeitsorganisation. Weitere Unterstützung bieten Arbeitsmittel, die auf die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Arbeitgeber zugeschnittenen sind, wie ein ergonomischer Bürostuhl, ein höhenverstellbarer Schreibtisch oder justierbare Monitorhalterungen. Darüber hinaus kann bereits mit kleinen Mitteln, wie regelmäßigen Aufsteh- und Bewegungspausen, den negativen Folgen des übermäßigen Sitzens entgegengewirkt werden.

Aufsteh- und Bewegungspausen fördern

Mitarbeiter können mit gezielten Aufsteh- und Bewegungspausen sowie einer Sensibilisierung des eigenen Körpergefühls viel zur eigenen Arbeitsgesundheit beitragen. Dies sollte von Unternehmen durch kontinuierliche Mitarbeiteraufklärung aktiv unterstützt werden. Denn gezielte Bewegung beugt Ermüdungserscheinungen und Verkrampfungen vor und verbessert die Durchblutung und Konzentrationsfähigkeit. Wichtig sind daher regelmäßiges Aufstehen, Strecken von Rücken und Armen sowie Handgelenk- und Handübungen. Auch eine Erholung der Augen beim Arbeiten am Monitor sollten sich Mitarbeiter gönnen: Ideale Entspannung bietet das kurze Fokussieren auf einen Gegenstand, der mehr als sieben Meter entfernt ist, zum Beispiel beim Blick aus dem Fenster. Weiterhin sollte man die Signale seines Körpers im Blick behalten: Die ideale Körperhaltung fühlt sich stets natürlich und bequem an, da hier der Energieaufwand gering bleibt, wodurch Stress und physische Belastung reduziert werden. Dies kann mit einer Bürogestaltung unterstützt werden, die sich möglichst individuell an den Nutzer anpassen lässt.

Mehr Bewegung am Arbeitsplatz

Erfreulicherweise erkennen inzwischen immer mehr Arbeitgeber die negativen Auswirkungen des langen Sitzens am Arbeitslatz und setzen ehrgeizige Initiativen um, die darauf abzielen, die langfristige Produktivität und Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter sicherzustellen. Programme zur betrieblichen Gesundheitsförderung, um sitzende Tagesroutinen zu verändern, wie regelmäßige Steh-Meetings, gezielte Bewegungspausen, die Bereitstellung besonderer Möbel, wie etwa Stehpulte, zur Verkürzung der im Sitzen verbrachten Arbeitszeit und eine proaktive Kommunikation über die Notwendigkeit, weniger im Sitzen zu arbeiten, zeigen, dass ein Arbeitgeber das Thema ernst nimmt.

Um talentierte Arbeitskräfte zu gewinnen und zu halten, werden progressive Unternehmen nach Möglichkeiten suchen, die Sitzphasen am Arbeitsplatz zu reduzieren, die sich nachteilig auf die Gesundheit, die Produktivität und das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter auswirken. Arbeitnehmer wie Arbeitgeber profitieren von den Vorteilen einer gesunden Arbeitsplatzgestaltung: Produktivitätssteigerungen, weniger Fehlzeiten und eine starke Unternehmenskultur durch eine zufriedenere und gesündere Belegschaft.