Vernetzte Versorgung: Ruhrgebiet soll Vorreiter werden

Krankenhäuser stehen vor großen Herausforderungen, vernetzte Versorgungsangebot sollen helfen (Foto: © anyaberkut - Fotolia.com).

Die demographische Entwicklung und der sich verändernde Versorgungsbedarf stellen die Krankenhäuser vor große Herausforderungen. Vernetzte Versorgung könnte dabei helfen, diese Herausforderungen zu bewältigen. Die Krankenhäuser im Ruhrgebiet sollen in diesem Gebiet Vorreiter werden.

Die Metropole Ruhr mit seiner hohen Klinikdichte ist davon besonders betroffen und muss deshalb den Umbau der Krankenhauslandschaft aktiv vorantreiben. „Die Kliniken im Ruhrgebiet müssen sich spezialisieren und dadurch ihre Stärken ausbauen, um die Qualität der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung im Sinne der Patientinnen und Patienten zu verbessern und für die Zukunft sicherzustellen“, sagte Gesundheitsministerin Barbara Steffens anlässlich des Eröffnung des Klinikkongresses Ruhr „Visionen einer vernetzten Medizin“ in Dortmund. Damit das gelinge, seien Kooperation statt Konkurrenz, sektoren- und professionsübergreifende Strukturen sowie technische Lösungen erforderlich, die sich an Nutzern orientieren. „Das Ruhrgebiet mit seinen bereits vielfältig vernetzten Akteurinnen und Akteuren im Gesundheitswesen hat gute Chancen, zum Vorreiter für den zukunftsorientierten Wandel der Versorgungsstrukturen zu werden“, betont Steffens.

Vernetzte Versorgung in der Geriatrie

Neue Versorgungsangebote, die auf Zusammenarbeit und Vernetzung basieren, sind Indikatoren für zukunftsweisende Veränderungen des Gesundheitswesens im Ruhrgebiet. So So gibt es beispielsweise in verschiedenen Regionen Geriatrieverbünde, in denen unter anderem Krankenhäuser, niedergelassene Ärzteschaft, Rehabilitationseinrichtungen, Pflegedienste und -heime sowie kommunale Einrichtungen der Sozial- und Altenarbeit kooperieren. Wird etwa die Behandlung eines älteren Patienten in der Geriatrieabteilung eines Krankenhauses notwendig, werden vor und nach dem Krankenhausaufenthalt die anderen Mitglieder des Verbundes über die Therapie, notwendige weitere Maßnahmen, Medikation und ähnliches informiert. Dieses Vorgehen soll ein „Versorgungsmanagement aus einer Hand“ ermöglichen. Neben dem Qualitätsverbund Geriatrie Nord-West-Deutschland gibt es unter anderem den Geriatrieverbund Dortmund und das Geriatrienetz Ruhrbistum .

Mit Digitalisierung gewinnen

Auch die Digitalisierung im Gesundheitswesen kann dazu beitragen patientenorientierte Versorgungslösungen umzusetzen. So ist die flächendeckende elektronische Kommunikation im Gesundheitswesen beispielsweise durch Einführung von elektronischen Fallakten möglich. Wie Digitalisierung im Ruhrgebiet erfolgreich gelingt, zeigt zum Beispiel auch der Westdeutsche Teleradiologieverbund mit rund 220 teilnehmenden Einrichtungen. Der Verbund hat eine digitale Plattform inklusive Software aufgebaut, über die etwa radiologischen Abteilungen in Krankenhäusern oder niedergelassene Radiologen die Bilddaten von Patientinnen und Patienten wie Röntgenbilder oder MRT-Aufnahmen an andere Ärztinnen und Ärzte übermitteln können.

„Kooperationen und die Digitalisierung können die Effizienz im Gesundheitswesen steigern“, so Steffens. Das dürfe jedoch nicht nur mit wirtschaftlichen Zielen verbunden sein. „Digitale Anwendungen sollen im Gesundheitswesen Tätige entlasten, damit sie mehr Zeit haben, sich persönlich um die Menschen zu kümmern. Denn selbst die beste Technik kann menschliche Zuwendung nicht ersetzen.“, erläutert Steffens und ergänzt: „Wir brauchen Strukturen, die den Menschen dienen, nicht umgekehrt.“  Um den Wandel der Krankenhausstrukturen zu unterstützen, stehen für die Kliniken in Nordrhein-Westfalen in den kommenden Jahren 210 Millionen Euro aus dem „Strukturfonds NRW“ zur Verfügung.

Hintergrund:

Durch das Krankenhausstrukturgesetz ist Ende 2015 der Krankenhausstrukturfonds eingerichtet worden. Bund und Länder stellen Fördermittel von einer Milliarde. Euro bereit, um die Krankenhäuser beim Strukturwandel unterstützen. Ziel ist, Überkapazitäten abzubauen, stationäre Versorgungsangebote zu konzentrieren und akutstationäre Einrichtungen in nicht akutstationäre Versorgungseinrichtungen umzuwandeln. NRW stehen aus dem Strukturfonds 210 Millionen Euro zur Verfügung.