Telemedizinprojekt TeleArzt gestartet

Die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen (KVT) und AOK PLUS haben das Telemedizinprojekt TeleArzt gestartet. (Foto: momius - Fotolia.com)

Die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen (KVT) hat jetzt zusammen mit AOK PLUS in Thüringen das neue Versorgungsprojekt TeleArzt angestoßen. Das Telemedizinprojekt soll die medizinische Versorgung im häuslichen Umfeld verbessern und wird vom Freistaat Thüringen gefördert.

Im Rahmen des Projektes können die nicht-ärztlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Hausärzten bei Hausbesuchen oder bei Besuchen im Pflegeheim einen Telemedizin-Rucksack nutzen. Dieser Rucksack enthält mehrere als Medizinprodukte zugelassene Messgeräte. Damit können die Helfer beispielsweise Puls, Blutzucker, Gewicht, Blutdruck, Lungenvolumen und Herzfunktion erfassen und über eine sichere Datenverbindung an die Praxis übermitteln. Die Übertragung erfolgt mithilfe eines Tablets mit Schnittstelle zum Praxisverwaltungssystem (PVS). Wenn es medizinisch erforderlich ist, kann zudem der Hausarzt per Video zugeschaltet werden, mit dem Patienten sprechen oder das weitere Vorgehen mit seinem Mitarbeiter abstimmen.

Praxisnahes Telemedizinprojekt

„TeleArzt ist ein Digitalisierungsprojekt, das genau an der richtigen Stelle ansetzt“, sagt Dr. med. Annette Rommel, 1. Vorsitzende des Vorstandes der KV Thüringen. „Es spart Zeit beim Patienten und in der Praxis, weil Gesundheitsdaten von Hausbesuchen direkt ins Praxisverwaltungssystem eingespeist werden. Und es macht digitale Technik auch für Patienten nutzbar, die selbst nicht mit ihr umgehen können oder wollen“, so Dr. Rommel weiter. Die KV Thüringen freue sich, mit der AOK PLUS einen Partner gefunden zu haben, der dieses Behandlungsangebot vielen Patienten zugänglich mache. „Wir würden uns noch mehr freuen, wenn weitere Kassen diesem Beispiel folgen“, betont Rommel. Teilnehmende Praxen können den Telemedizin-Rucksack beim Telemedizinanbieter mieten und die Hausbesuche bei der AOK PLUS abrechnen.

Hausärzte gesucht

Das Telemedizinprojekt soll die die bestehenden Strukturen in Thüringen unterstützen und bei Bedarf ergänzen. Insbesondere in ländlichen Gegenden soll dadurch hausärztliche Versorgung sichergestellt und die Mediziner entlastet werden. „Die Hausbesuche werden mit den neuen technischen Möglichkeiten effizienter. Dadurch erhöht sich außerdem die Lebensqualität unserer Versicherten, ohne dass diese Abstriche bei der hochwertigen medizinischen Versorgung befürchten müssen. Auch sammeln wir mit dem neuen Versorgungsangebot tiefergehende Erfahrungen im Bereich der Telemedizin“, sagt Rainer Striebel, Vorstandsvorsitzender der AOK PLUS.  Er ist überzeugt, dass zukünftige Digitalisierungsprojekte werden von diesen Erfahrungen profitieren werden. TeleArzt wird zurzeit den Ärzten in Thüringen vorgestellt. Ziel ist, dass möglichst viele Hausärzte an dem Projekt teilnehmen und dass die neue Technik in Thüringen flächendeckend eingesetzt wird.

Förderung für Schnellentschlossene

Der Freistaat Thüringen setzt einen zusätzlichen Anreiz für eine Teilnahme am Projekt TeleArzt. Gesundheitsministerin Heike Werner hat angekündigt, dass ihr Haus werde die ersten rund 150 TeleRucksäcke, die von Thüringer Arztpraxen gemietet werden, im Jahr 2018 mit 50 Prozent der Mietsumme fördern wird.