Telemedizinische Versorgung für Kinder

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Die Behandlung von Heranwachsenden mit chronischen und seltenen Erkrankungen wollen der Berufsverband der Kinder und Jugendärzte (BVKJ) und die Barmer GEK jetzt durch das Telemedizin-System PädExpert verbessern. Mit dem speziell entwickelten System können niedergelassene Kinder- und Jugendärzte online einen pädiatrischen Facharzt konsultieren, um unklare Diagnosen abzusichern und die Behandlung abzustimmen.

„Mit PädExpert optimieren wir die medizinische Versorgung, allem voran auf dem Lande. Dank PädExpert ersparen sich unsere jüngsten Versicherten lange Anfahrtswege und Wartezeiten beim Spezialisten“, erläutert Barmer-Vorstandsmitglied Dr. Mani Rafii. Er spricht sich insgesamt für einen stärkeren Einsatz von telemedizinischen Anwendungen aus, sofern die Bedingungen dafür stimmen:  „Telemedizin muss einen konkreten Mehrwert für den Patienten haben, diesen in einer grundlegenden Evaluation nachweisen und höchsten Datenschutzanforderungen genügen”, betont der Experte.

Ab sofort steht PädExpert den Versicherten der Krankenkasse in Bayern zur Verfügung, im Laufe des Jahres sollen die jüngsten Versicherten ihn auch bundesweit in Anspruch nehmen. Der telemedizinische Expertenrat soll zunächst bei zehn Indikationen zum Einsatz kommen und bietet eine medizinische Expertise etwa bei Rheuma, Zöliakie und dermatologischen Erkrankungen. Mit PädExpert wollen die teilnehmenden Kinder- und Jugendärzte möglichst binnen 24 Stunden die Einschätzung eines Experten einholen und so nicht eindeutige Befunde abklären.

Datenschutz durch Trennung

Für ein Höchstmaß an Schutz für die sensiblen Patientendaten soll ein eigens entwickeltes IT-Verfahren sorgen. „Bei der Übertragung von Anfragen von einem Arzt zum anderen werden die persönlichen Daten des Patienten von den medizinischen Daten vor der verschlüsselten Übertragung getrennt und auf verschiedenen physikalischen Servern in Deutschland gespeichert”, erklärt Dr. Thomas Fischbach, Präsident des BVKJ. PädExpert sei ein „Meilenstein für die Gesundheitsversorgung“, da Experten für pädiatrische Spezialgebiete hauptsächlich in Ballungszentren angesiedelt sind. „Telemedizinische Konsultationen sind schon deshalb sehr wichtig, weil die Zahl der Praxen rückläufig ist, vor allem auf dem Land“,  so Fischbach weiter. Zudem ändern sich auch die Anforderungen an Arbeitsbedingungen. „Viele unserer jungen Kolleginnen und Kollegen wünschen sich andere Arbeitsmodelle, wie Jobsharing oder Teilzeitarbeit. Auch hier kann PädExpert sehr hilfreich sein, da es nicht an feste Arbeitszeiten in der Praxis gebunden ist“, erläutert Fischbach und betont in diesem Zusammenhang, dass der BVKJ ist einer der ersten ärztlichen Berufsverbände in Deutschland mit telemedizinischen Konsultationen in der Praxis ist.

Die telemedizinische Anwendung wurde von  Kinder- und Jugendärzten in Bayern über drei Jahre entwickelt und getestet. Mit besten Ergebnissen: So mussten dank des Expertenkonsils zwei von drei Heranwachsenden nicht mehr persönlich zum Spezialisten gehen. Die Diagnostikphase verkürzte sich mit PädExpert im Schnitt um 16 Tage und im Bereich der Hämatologie um 30 Tage.