Studie: Deutsche wollen smarter wohnen

Grafische Darstellung: Steuerung von Smart Home-Komponenten mittels Smartphone
Trotz Alexa, Siri und Google Assistant: Die zentrale Steuereinheit für Smart Home-Komponenten ist das Smartphone. (Foto: mast3r – fotolia.com)

Mehr Komfort, mehr Sicherheit, auch im Alter länger in den „eigenen vier Wänden“ verbleiben: Es gibt viele Argumente für Smart Home-Technologien. Eine aktuelle Studie von Deloitte zeigt: Das Smart Home ist in den Köpfen bereits etabliert, doch nicht nur das Interesse wächst, sondern auch die Skepsis.

Wie der „Smart Home Consumer Survey“ des Beratungsunternehmens Deloitte zeigt, sind insbesondere die Bedenken im Hinblick auf Datenschutz und -sicherheit nicht geringer geworden. Abseits dessen sind die Erfahrungen der Anwender mehrheitlich gut bis sehr gut. Besonders gefragt oder verbreitet sind vernetzte Lautsprecher sowie intelligente Schalter und Steckdosen. Hausnotrufsysteme genießen als einziger Zusatzdienst ebenfalls eine hohe Akzeptanz. Generell stehen Komfort und Sicherheit an erster Stelle bei den Nutzungsgründen. Gesteuert werden die entsprechenden Systeme – bei denen die Mehrheit offene Plattformen gegenüber geschlossenen eindeutig vorzieht – überwiegend per Smartphone und App.

„Von einem Boom zu sprechen, wäre noch verfrüht, aber die Verbreitung von Smart Home-Komponenten nimmt zu. Insgesamt steigen Akzeptanz und Interesse, wenn auch im Hinblick auf sensible Bereiche wie etwa Türschlösser noch Vorbehalte existieren. Der Kenntnisstand ist bei nahezu allen Altersgruppen deutlich gestiegen“, erklärt Dr. Gunther Wagner, Director Technology bei Deloitte.

Komponenten werden interessanter

Rund 13 Prozent der Haushalte in Deutschland haben heute einen smarten Lautsprecher, sechs Prozent ein intelligentes Reinigungsgerät – und 14 Prozent einen Mediaserver. Andere Devices und Systeme bewegen sich zwischen vier und fünf Prozent Verbreitung. Das grundsätzliche Interesse an der Anschaffung beläuft sich jedoch durchgehend auf 20 bis 30 Prozent. Insgesamt ist die Verbreitung smarter Devices für das Zuhause in den letzten drei Jahren deutlich gestiegen, bei Lautsprechern, Leuchten und Thermostaten um 50 bis 67 Prozent. Hausnotrufsysteme hingegen stagnieren, Mediaserver legten nur um acht Prozent zu.

Zufriedene Smart Home-Nutzer

Mehr als die Hälfte der Nutzer von Smart Home-Systemen ist zufrieden. Immerhin 87 Prozent verwenden sie regelmäßig, vor allem Verbraucher zwischen 25 und 45 Jahren. Im Vordergrund steht dabei der Wunsch nach mehr Komfort (56%) und nach zusätzlicher Sicherheit (49%). Im Hinblick auf smarte Heizthermostate spielt natürlich auch der Kostenaspekt eine substanzielle Rolle (38%). In den letzten Jahren sind den Verbrauchern offensichtlich immer mehr Gründe und Anlässe eingefallen, sich für Smart Home-Komponenten zu erwärmen – was auf einen insgesamt höheren Informationsstand schließen lässt. So spielt jetzt auch das Motiv Umwelt eine stärkere Rolle (20% der Nennungen).

Vorbehalte bei Kosten und Sicherheit

Skeptiker gibt es vor allem im Hinblick auf den Datenschutz und die Sicherheit der übermittelten Informationen. Für genau ein Drittel ist das ein Grund, Smart Home-Lösungen links liegen zu lassen. Übertroffen wird die Sicherheits- nur von der Kostenfrage: 38 Prozent finden die Systeme zu teuer, jedoch sank die Zahl der Nennungen um sechs Prozentpunkte gegenüber 2015. 22 Prozent finden die Technologie noch zu wenig ausgereift, für 15 Prozent ist die Installation zu kompliziert: eine Zunahme um drei Prozentpunkte. Gestiegen ist ebenfalls die Befürchtung einer zu komplexen Bedienung.

Daten teilen wird schrittweise akzeptiert

Die Datensicherheit ist ein entscheidendes Smart Home-Kriterium. Die Studie zeigt, dass trotz Skepsis mehr Menschen bereit sind, ihre Daten zu teilen. Waren 2015 noch 57 Prozent zu keinerlei Kompromissen bereit, sind es jetzt noch 52 Prozent. Dafür würden 14 Prozent in jedem Fall, 34 Prozent unter bestimmten Bedingungen teilen (2015: 12 bzw. 31%). Die Jungen zeigen sich erwartungsgemäß offener als die Älteren. Dabei vertrauen auch sie eher Anbietern aus der Consumer Electronics- und Telekommunikationsbranche als den großen Internetfirmen.

Touch schlägt Sprache

Ob Alexa, Siri oder Google Assistant: Sprachsteuerung und intelligente Assistenten sind derzeit ein Hype-Thema. Aber: Die zentrale Steuereinheit für Smart Home-Komponenten ist das Smartphone – und nahezu nur das Smartphone, denn Tablets, Laptops oder andere Alternativen werden kaum präferiert. Trotz genereller Aufgeschlossenheit zeigen sich die Nutzer auch in punkto Sprachassistenten zurückhaltend: Bevorzugt werden eindeutig noch Apps in Verbindung mit einer Touch-Steuerung.

Offene Plattformen bevorzugt

Geschlossene Systeme „aus einer Hand“ haben insbesondere bei der Handhabung ihre Vorteile – werden aber nur von älteren Nutzern geschätzt. Alle anderen bevorzugen offene Plattformen mit der Möglichkeit, das Smart Home nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Immerhin 71 Prozent ist das wichtig oder sogar sehr wichtig – insbesondere in der Altersgruppe 18 bis 44 Jahre. Konservativer zeigen sich die Studienteilnehmer bei der Frage nach Kauf oder Miete: Für ganze zwei Drittel kommt nur der einmalige käufliche Erwerb infrage, nur 14 Prozent können sich ein Abonnement oder ein anderes gebührenbasiertes Modell vorstellen. Dabei zeigen sich die Älteren etwas weniger ablehnend als jüngere Verbraucher.

„Die Studie liefert einige sehr wichtige Erkenntnisse – zum Beispiel, dass eine ausschließliche Fokussierung auf Mietmodelle ebenso wenig erfolgversprechend ist wie das Angebot kompakter, geschlossener Systeme ohne individuelle Erweiterungsoptionen. So könnten Consumer Electronics-Hersteller zum Beispiel attraktive Bundles entwickeln, Telekommunikationsfirmen ihre Connectivity-Kompetenzen ausspielen oder Energieversorger ihre große Kundenbasis für die Vermarktung nutzen. Wichtig ist immer der Datenschutz: Hier müssen vor allem die Internetunternehmen Vertrauen schaffen“, resümiert Wagner. Für die aktuelle Studie wurden im Februar 2018 mehr als 2.000 Konsumenten zwischen 19 und 75 Jahren im Auftrag von Deloitte im Rahmen einer repräsentativen Online-Erhebung befragt.