Die Deutsche Telekom beteiligt sich über T.Capital am schwedischen Healthtech-Anbieter Tandem Health. Dessen KI-Assistent erstellt medizinische Dokumentationen, unterstützt bei der Kodierung und bietet klinische Entscheidungshilfen. Für den deutschen Markt könnte vor allem die bestehende Klinikpräsenz von T-Systems relevant werden.
Der Investmentarm der Deutschen Telekom, T.Capital, steigt beim schwedischen Healthtech-Unternehmen Tandem Health ein. Das Unternehmen entwickelt einen KI-basierten medizinischen Assistenten, der mehrere Arbeitsschritte rund um eine Behandlung auf einer Plattform zusammenführt. Zur Höhe der Telekom-Beteiligung wurden keine Angaben gemacht. Tandem hatte bereits im September eine Series-B-Finanzierung über 100 Millionen US-Dollar angekündigt; T.Capital kam anschließend gemeinsam mit LG Technology Ventures und Norrsken VC als strategischer Investor hinzu. Im Mittelpunkt steht bislang die automatisierte Dokumentation. Tandem erstellt auf Grundlage eines Behandlungsgesprächs medizinische Notizen und Dokumente, schlägt Diagnose- und Prozedurcodes vor und kann die Ergebnisse in angebundene Praxisverwaltungs- oder Krankenhausinformationssysteme übertragen. Hinzu kommt eine Funktion zur klinischen Entscheidungsunterstützung. Nach Unternehmensangaben bestehen inzwischen Schnittstellen zu mehr als 130 PVS- und KIS-Systemen.
T-Systems könnte Zugang zu deutschen Kliniken erleichtern
Interessant ist die Beteiligung insbesondere mit Blick auf den deutschen Markt. Nach Angaben von Tandem sind medizinische Informationssysteme von T-Systems in mehr als 250 Krankenhäusern mit über 100.000 Nutzern im Einsatz. Tandem selbst bezeichnet Deutschland wegen der fragmentierten IT-Landschaft und der hohen Anforderungen an den Datenschutz als einen besonders anspruchsvollen Markt für klinische KI. Die bestehende Präsenz von T-Systems könnte die Einführung und Integration der Tandem-Lösungen erleichtern. Nach Angaben von Telekom und Tandem wird der KI-Assistent bereits in mehr als 10.000 Versorgungseinrichtungen in 14 europäischen Märkten eingesetzt, darunter auch in Deutschland. Der Anbieter verweist zudem auf eine CE-Kennzeichnung seiner klinischen Module als Medizinprodukte der Klasse IIa nach der EU-Medizinprodukteverordnung sowie auf Zertifizierungen nach ISO 27001, ISO 13485, ISO 42001 und BSI C5.
Für Einrichtungen mit besonderen Anforderungen an digitale Souveränität hat Tandem im Oktober außerdem eine Variante angekündigt, bei der Gesundheitsdaten auf der Infrastruktur des europäischen Cloud-Anbieters Scaleway gespeichert und verarbeitet werden können. Dabei sollen von Tandem betriebene Open-Weight-KI-Modelle zum Einsatz kommen.
Studie zeigt weniger Zeitaufwand für Dokumentation
Hinweise auf einen möglichen Nutzen der KI-Dokumentation liefert inzwischen auch eine 2026 in JMIR Medical Informatics veröffentlichte Real-World-Studie aus Schweden. Ausgewertet wurden 236.153 mit dem Tandem-System erstellte Notizen von 1.295 Fachkräften bei Capio Ramsay Santé. Zusätzlich lagen Befragungsdaten von 177 intensiv mit dem System arbeitenden Nutzerinnen und Nutzern vor. Die von den Befragten geschätzte Dokumentationszeit pro Eintrag sank nach Einführung des Systems im Mittel von 6,69 auf 4,72 Minuten – ein Rückgang um 29 Prozent. Die mediane Bearbeitungszeit einer KI-generierten Notiz betrug 93 Sekunden. Gleichzeitig berichteten die Befragten von weniger administrativem Stress und einer stärkeren Präsenz im Patientengespräch. Die Ergebnisse sollten allerdings vorsichtig interpretiert werden. Die Untersuchung war nicht randomisiert, hatte keine Kontrollgruppe und stützte sich bei der Zeitersparnis auf retrospektive Selbstauskünfte. Zudem wurden nur dauerhaft aktive Nutzer in die Befragung aufgenommen, überwiegend aus der Allgemeinmedizin. Die Autoren selbst weisen deshalb darauf hin, dass sich die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf andere Fachrichtungen oder Personen übertragen lassen, die das System nicht dauerhaft nutzen.