Stiftung Warentest bemängelt Datenschutz in Arztpraxen

Umfassender Datenschutz erweist sich im Praxisalltag oft als Herausforderung (Foto: contrastwerkstatt - Fotolia.com).

Wie gut steht es um den Datenschutz in deutschen Arztpraxen? Das wollte die Stiftung Warentest wissen und hat bundesweit Stichproben durchgeführt. Das Ergebnis zeigt, wie schwer vielen Praxen der tägliche Spagat zwischen Datenschutz und Patientenfreundlichkeit fällt.

Die Stiftung Warentest prangert jetzt den mangelnden Datenschutz in deutschen Arztpraxen an. In einem bundesweiten Test von 30 Hausarztpraxen zeigte sich: In jeder zweiten Praxis gab es Verstöße gegen Datenschutzregeln, teils leichte, teils sogar drastische. Bei acht von zehn Anrufen gaben Mitarbeiter Vertrauliches über die Testpatienten preis und verrieten zum Beispiel Laborwerte oder verordnete Arzneien, ohne die Berechtigung der Anrufer zu hinterfragen. Auch den Umgang mit Patienten-E-Mails bezeichnen die Tester als zu sorglos.

Mediziner können sich etwa bei Ärztekammern oder Kassenärztlichen Vereinigungen über das Thema Datenschutz informieren. „Simple Maßnahmen bringen bereits enorm viel“, sagt Anke Virks, juristische Referentin bei der Berliner Datenschutzbeauftragten. Das Praxispersonal sollte der Juristin zufolge zum Beispiel möglichst wenig vor Dritten mit oder über Patienten sprechen. Das gelte auch am Telefon, das ja häufig im Empfangsbereich stehe. Am besten sollte die Anmeldung in einem separaten Raum liegen oder zumindest eine ausreichend große Diskretionszone haben. „Manche Praxen nutzen aus datenschutzrechtlichen Gründen sogar Nummern, um die Patienten im Wartezimmer aufzurufen“, so Virks. Das sei für viele Patienten in den Wartezimmern allerdings sehr unpersönlich.

Dass Datenschutz hierzulande einen hohen Stellenwert einnimmt, bestätigte auch eine Februar 2016 Umfrage im Auftrag des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz. 32 Prozent der Teilnehmer stimmten der Aussage zu, dass die persönlichen Gesundheitsdaten niemand etwas angehen. 49 Prozent der Befragten wollen selber darüber bestimmen, wer welche Informationen erhält.