Sterilgutversorgung mit Smartglasses

Smartglasses im Einsatz in der Sterilgutversorgung. (Foto: Dorothea Hensen/Uniklinik Köln)

Wie Smartglasses bei der Sterilgutaufbereitung helfen können, wurde im Rahmen des Leitmarkt.NRW Projektes „Smartglasses in der Sterilgutversorgung“ getestet. Nun liegen die Ergebnisse vor.

Wo Operationsbestecke gesäubert und verpackt werden, wird neben vollkommender Reinheit auch auf Sicherheit und Qualität geachtet. Deshalb haben Forscher die Einsatztauglichkeit von intelligenten Datenbrillen (Smartglasses) bei der Sterilgutaufbereitung getestet. Ziel des im Mai 2017 gestarteten Projekts war die Erarbeitung und Umsetzung einer Lösung zur umfassenden Unterstützung von Mitarbeitern im Bereich der zentralen Sterilgutversorgung für Kliniken und Krankenhäuser. Dazu wurde ein Informationssystem erstellt, das die Fachkräfte jederzeit und überall mit aktuellen Informationen und konkreten Unterstützungshinweise versorgt. Das System basiert auf Augmented Reality (AR) Technologien. Die intelligenten Datenbrillen blenden also zusätzliche Informationen über die Umgebung oder Objekte ein. Auf diese Weise gelangen die Infos genau zum richtigen Zeitpunkt an die richtige Stelle. Gleichzeitig haben die Fachkräfte beide Hände jederzeit frei für die eigentliche Arbeit. Die Benutzung von Maus, Tastatur und zusätzlichem Bildschirm wird dadurch überflüssig.

Benutzerfeedback wichtig

Das Fraunhofer FIT hat sich im Rahmen des Projektes vor allem um die Entwicklung der Interaktionskonzepte gekümmert. In den iterativen Prozess wurden konsequent Partner aus der Praxis in Nutzertests eingebunden: „Die Einbeziehung der Endbenutzer ist für unsere Arbeit ein sehr entscheidender Bestandteil. Ohne die Rückmeldung der Endbenutzer könnten wir nicht auf ihre speziellen Erfordernisse eingehen und das Produkt wäre am Ende wohl wenig hilfreich“, so Dr. René Reiners, Projektleiter am Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT in Sankt Augustin. Über die gesamte Laufzeit standen die Nutzerakzeptanz und die Aufgabenangemessenheit der entwickelten Lösung im Fokus.

Die finale Lösung basiert auf der Microsoft HoloLens. Sie wurde in zwei Praxis-Workshops an der Uniklinik Köln und der WolfartKlinik Gräfelfing vorgestellt. Das Feedback war durchweg positiv. Veronika Krauß, die im Rahmen des Projektes für das User-Centered Design verantwortlich war, fasst zusammen: „Oftmals fehlen im Arbeitsalltag einfach Daten aus unterschiedlichen Systemen in gebündelter Form und präsentiert an der richtigen Stelle. Hierfür braucht es eine robuste IT-Infrastruktur, offene Schnittstellen und genaueres Wissen über den Kontext des Mitarbeitenden. Augmented Reality kann hier sinnvoll unterstützen.“

Wertvolle Erkenntnisse

Das Projekt zeigt, dass intelligente Datenbrillen im Kontext der Sterilgutaufbereitung an gewissen Prozessschritten sehr gut unterstützend eingesetzt werden können. Bisher werden Unterstützung bei der Lagerlogistik sowie beim Packen von Sieben angeboten. Darüber hinaus können die Mitarbeitenden Schulungsvideos aufnehmen und abspielen.

Für den tatsächlichen Einsatz im beruflichen Alltag müssen allerdings noch die Eignung aktueller und zukünftiger Datenbrillen aufgrund von Datenschutzbestimmungen und einer Zertifizierung der Soft- und Hardware nach medizinischen Bestimmungen diskutiert werden. Zurzeit gibt es noch keine Datenbrille, die die Anforderungen an Robustheit und Desinfizierbarkeit für den Gebrauch in der Sterilgutversorgung erfüllt. Das Projekt kann daher auch Hinweise für die Entwicklung zukünftiger Hardware-Designs und Akzeptanzkriterien geben.