Privatvermögen sorgen für Gesundheitsmarkt-Boom

Stethoskop auf 100 Euro-Geldschein
Boom-Markt Gesundheit: Finanzinvestoren suchen vor allem nach Investments im Bereich der Pflege und der ambulanten Versorgung (Foto: Stockfotos-MG/fotolia.com)

Die Berater von PricewaterhouseCoopers (PwC) sprechen hinsichtlich Finanzinvestitionen von einem weiterhin boomenden Gesundheitsmarkt. Kapitalbeteiligungsgesellschaften stecken ihre Gelder bevorzugt in Pflegeeinrichtungen, Pflegeheimimmobilien und in zahnmedizinische Versorgungszentren.

Während gesellschaftlich darüber diskutiert wird, ob die Interessen von Finanzinvestoren mit den Erfordernissen im Klinik- und Pflegebereich überhaupt zusammenpassen, schaffen insbesondere Private-Equity-Firmen, die über Milliardensummen privater Geldanleger verfügen, längst Fakten. So ist laut des „Transaktionsmonitors Gesundheitswesen“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC im Jahr 2018 die Zahl der Transaktionen mit Beteiligung von Private-Equity-Anlegern massiv gestiegen. Diese Käufergruppe sucht gezielt nach Investments im Bereich der Pflege und der ambulanten Versorgung.

Das Geschäft mit der Gesundheit und Pflege verspricht privaten Finanzinvestoren langfristig gute Einnahmen. „Die steigenden Ausgaben im Gesundheitswesen, die alternde Bevölkerung und die weiterhin anhaltende Niedrigzinsphase machen Investments im Healthcare-Sektor besonders attraktiv“, erläutert Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC. „Hinzu kommt, dass der Gesundheitsmarkt weitgehend unabhängig von konjunkturellen Schwankungen ist und noch ein großes Konsolidierungspotenzial bietet. Dadurch werden wir auch in diesem Jahr weiterhin ein sehr dynamisches Transaktionsumfeld erleben.“

Konsolidierung im deutschen Pflegemarkt

Besonders stark ist der Trend zur Marktkonsolidierung im Bereich der Pflege. Die wichtigsten Transaktionen waren 2018 der Kauf von Alloheim durch Nordic Capital von Carlyle, die Übernahme von Dorea durch die französische Groupe Maisons de Famille und der Erwerb von Compassio durch die Schönes Leben Gruppe (Waterland). „Damit haben es zahlreiche Private-Equity-Investoren unter die Top-30-Pflegeheimbetreiber geschafft. Sie sind sehr gut aufgestellt, so dass sie die Konsolidierung des deutschen Pflegemarktes weiter vorantreiben werden“, kommentiert Alexander von Friesen, Partner bei PwC Deutschland.

Sehr groß ist auch die Nachfrage nach Pflegeheimimmobilien. Als Investoren waren im vergangenen Jahr etwa die Unternehmen Aedifica, Deutsche Wohnen und Confinimmo höchst aktiv. „Die hohe Nachfrage sorgt dafür, dass die Investitionsvolumina steigen und die Renditeerwartungen sinken“, so von Friesen.

Privatvermögen lässt Gesundheitsmarkt sprießen

Ähnlich dynamisch wie in der Pflege entwickelt sich der Transaktionsmarkt auch im Bereich der ambulanten Versorgung. Die größten Geschäftsabschlüsse des vergangenen Jahres wurden im Bereich der Intensivmedizin geschlossen: So übernahm Advent mit der Deutschen Fachpflege Gruppe insgesamt 23 ambulante Pflegedienste. Ebenso gelang GHO Capital Partners die Übernahme der Linimed-Gruppe, eines führenden Anbieters von ambulanter Intensivpflege mit 44 deutschen Standorten.

Immer mehr Groß-Zahnarztpraxen durch Private-Equity

Großes Interesse zeigen die Investoren auch am Ausbau von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), insbesondere im finanziell lukrativen Bereich der Zahnmedizin: So ist allein von September 2017 bis September 2018 die Zahl von vertragszahnärztlichen MVZ in der Hand von Private-Equity-Firmen um 79 Prozent gestiegen. „Wir müssen jetzt abwarten, wie sich das neue Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG), das der Bundestag Mitte März beschlossen hat, auf die Medizinischen Versorgungszentren auswirkt. Für die Zentren ergeben sich dadurch erhebliche Einschränkungen, die auch Konsequenzen für den M&A-Markt haben werden“, gibt Michael Burkhart zu bedenken.

Strategische Zusammenschlüsse bei Kliniken

Weniger Investorengeld fließt inzwischen in den stationären Sektor: Vereinzelte Käufe und Übernahmen von Krankenhäusern und Fachkliniken ergaben sich vor allem durch strategische Zusammenschlüsse und vereinzelte insolvenzgetriebene Trägerwechsel, so etwa die Übernahme der insolventen Paracelsus-Klinikkette durch den Schweizer Finanzinvestor Porterhouse. „Obwohl Krankenhäuser vor großen Herausforderungen stehen, blieben 2018 Privatisierungen aus. Wir beobachten aber, dass kommunale Träger sich ebenso wie freigemeinnützige Einrichtungen vermehrt zusammenschließen“, erläutert von Friesen.

Ein ähnlich verhaltenes Bild zeichnet sich auch im Bereich der Rehabilitationseinrichtungen ab. Die größte Transaktion im letzten Jahr war die Übertragung von 38 Reha-Einrichtungen von Fresenius Helios auf Fresenius Vamed. Aufmerksamkeit in der Branche zog auch der strategische Erwerb von Inoges durch die Celenus Kliniken auf sich. Die Branche erwartet laut PwC den Verkauf des Klinikbetreibers Median, dem größten Betreiber im deutschen Rehamarkt.