Politik verschläft E-Health

Immer mehr Menschen in Deutschland nutzen digitale Gesundheitsangebote, die Politik kann nicht Schritt halten. (Foto: fizkes/123rf.com)

Immer mehr Menschen in Deutschland nutzen E-Health-Angebote. Gleichzeitig passiert dazu in der Politik zu wenig. Eine aktuelle Studie warnt jetzt vor einem Ausverkauf von Vitaldaten der Bundesbürger an ausländische Konzerne.

Digitale Medizin ist für die Menschen in Deutschland nichts Ungewöhnliches mehr und gehört vielfach zum Alltag. Während der Corona-Pandemie hat es einen Boom bei der Nutzung von Gesundheits-Apps und Online-Arztsprechstunden gegeben, zeigen die Ergebnisse der jetzt veröffentlichten Studie EPatient Survey 2022.

Die repräsentative Studie wird seit dem Jahr 2010 einmal jährlich durchgeführt. Laut den aktuellen Ergebnissen kam die Corona-Warn-App 2021 innerhalb weniger Wochen bei fast 50 Prozent der Bevölkerung auf das eigene Handy. Das sei eine Entwicklung mit einem Tempo, wie es sie nie zuvor im Gesundheitsbereich gegeben habe. Knapp jede dritte Person nutzte während der Pandemie-bedingten Schließung von Fitnessstudios einen Online-Gesundheitskurs. Jeder Zweite misst seitdem seine Gesundheit mit Smartphone, App oder Smartwatch. Schon 17 Prozent managen ihre Medikamenteneinnahme mit dem Handy. Auch nach dem Abklingen der Pandemie halten diese Trends fast unvermindert an.

Bevölkerung weiter als die Politik

„Die Bevölkerung in Deutschland ist bei der digitalen Nutzung von Gesundheitsangeboten weiter als die staatliche Gesundheitspolitik“, so Dr. Alexander Schachinger, Leiter der Befragung. Deutschland habe im Vergleich zu anderen europäischen Ländern dringenden Nachholbedarf. Es sei bislang nicht gelungen, eine nationale Strategie zu entwickeln, die sich zum Beispiel an den Erfahrungen von Großbritannien oder Dänemark orientiere.  Schachinger weist darauf hin, dass der E-Health-Markt in Deutschland in hunderte Einzellösungen zersplittert ist, die nicht zentral vernetzt sind und deshalb für die medizinische Forschung nicht nutzbar sind. „Das immer wieder verschleppte Einführen einer einheitlichen IT-Infrastruktur für eine elektronische Patientenakte führt zu einem völlig fragmentierten Marktgeschehen“, kritisiert der Experte.

Einfluss von Google und Co. wird stärker

Auch der wissenschaftliche Begleiter der Studie, Professor Klaus Hurrelmann von der Hertie School Berlin, zieht kritische Bilanz: „Die deutsche Bevölkerung ist bereit für E-Health, aber die Politik liefert nicht. Wenn das so weitergeht, zeichnet sich der Ausverkauf der gesundheitlichen Vitaldaten der Bevölkerung in Deutschland ins Ausland ab.“ Er warnt davor, dass schon heute der Einfluss vor allem der amerikanischen Internetkonzerne wie Google und Amazon immer stärker wird, weil sie sich über ihre Angebote Zugriff auf die Vitaldaten verschaffen und sich zusätzlich in Einrichtungen der medizinischen Versorgung und der Gesundheitsversicherung einkaufen.

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