Intelligente Kleidung für Taubblinde

Taubblinde Menschen sind zur Wahrnehmung ihrer Umwelt stark auf Familienmitglieder und andere Helfer angewiesen (Foto: Africa Studio - Fotolia.com)

Ein Kleidungsstück als Kommunikationsschnittstelle für taubblinde Menschen wollen Forscher im Rahmen im Rahmen eines jetzt gestarteten EU-Projektes entwickeln. Bis 2020 soll ein einsatzfähiger Prototyp entstehen, der anschließend von den teilnehmenden Firmen bis zur Marktreife weiterentwickelt wird.

Das Projekt SUITCEYES  läuft im Rahmen von Horizon2020, dem bislang größten Forschungs- und Innovationsprogramm der EU, und soll drei Jahre lang dauern. Universitäten und Firmen aus sieben Ländern arbeiten hierbei zusammen. Die Projektkoordination übernimmt die Universität Borås aus Schweden, die Hochschule Offenburg ist vor allem für Gamification, also die Integration spielerischer Elemente in den Anwendungen, sowie die soziale Interaktion zuständig.

Größerer Aktionsradius für Taubblinde

Zur Wahrnehmung ihrer Umwelt sind Taubblinde bislang stark auf Familienmitglieder und andere Helfer angewiesen. Die Kommunikation ist nur mittels Berührungen möglich, denn die Hände müssen Ohren, Augen und Mund ersetzen. Im Rahmen des Projektes soll nun ein Prototyp entwickelt werden, der mittels intelligenter Textilien Taubblinden mehr Kommunikationsmöglichkeiten bietet. Das soll auch über größere Distanzen hinweg funktionieren. „Die im Projekt entwickelten Assistenztechnologien erschließen Taubblinden neue Lebensbereiche. Durch die Kombination mehrerer Sensoren und Aktoren werden Informationen aus der Umgebung an den Träger eines intelligenten Kleidungsstücks weitergegeben. Dies ermöglicht Taubblinden völlig neue Kommunikationsmöglichkeiten: Sie erhalten einen größeren Aktionsradius und sollen zum Beispiel nonverbale Signale wie Lächeln erkennen können“, erläutert Prof. Dr. Oliver Korn von der Hochschule Offenburg.

Mehr Lebensqualität

Die Kleidungsstücke sollen die Informationen durch Berührungen oder Bewegungen an den Träger übermitteln. So soll dem Träger dann beispielsweise zum Beispiel mitgeteilt werden, ob er angesehen wird oder wohin der Ball gerollt ist, den er fallen lassen hat. Zusätzlich werden Gamification-Elemente integriert, die der neuen Erfahrung einen angenehmen und spielerischen Charakter verleihen sollen. Als Ergebnis wollen die Forscher ein intelligentes und spielerisch angereichertes „smartes“ Textil vorlegen, das die Autonomie und die Lebensqualität taubblinder Menschen erhöhen soll. Professor Korn ist davon überzeugt, dass es für intelligente Textilien künftig noch weitere Einsatzmöglichkeiten geben wird. Dazu zählen beispielsweise Situationen mit eingeschränkter Sicht, wie beim Tauchen oder bei Feuerwehreinsätzen.