Humanoide Assistenzroboter für selbstbestimmtes Altern

Die humanoiden ARMAR-Roboter können beispielsweise Tätigkeiten in Haushalt übernehmen. Die nächste Generation wird Senioren im Alltag unterstützen. (Foto: KIT)

Die meisten Menschen wollen im Alter möglichst lange selbstständig und in der gewohnten Umgebung bleiben. Ermöglichen könnten das auch humanoide Assistenzroboter, die bei der Bewältigung des Alltags entlasten. Anziehbare Roboter könnten zudem die Bewegungen des Trägers unterstützen. Wissenschaftler wollen nun dafür sorgen, dass solche futuristischen Robotik-Lösungen alltagstauglich werden.

Im Projekt „JuBot – Jung bleiben mit Robotern: Vielseitige Assistenzrobotik für die Alltagsbewältigung“ entwickeln Forschende am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) eine neue Generation der bekannten, am KIT beheimateten humanoiden ARMAR-Roboter. Die smarten Helfer sollen Alltagsaufgaben im Haushalt von älteren Menschen übernahmen. So können sie beispielsweise Gegenstände holen und bringen, den Tisch decken und abräumen, die Geschirrspülmaschine beladen und auf verschiedenen Kanälen mit Angehörigen der von ihnen betreuten Personen kommunizieren.

Darüber hinaus wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Exoskelette erforschen und entwickeln. Diese anziehbaren Roboter könnten dann die persönliche Mobilität älterer Menschen unterstützen. Außerdem sollen sie ein zielgerichtetes Training der motorischen und kognitiven Fähigkeiten ihrer Nutzer ermöglichen.

Exoskelette können die persönliche Mobilität älterer Menschen unterstützen. (Foto: KIT)

Mit Robotik Herausforderungen meistern

„Es ist eine der drängendsten Herausforderungen der älter werdenden Gesellschaft, unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die hilfsbedürftig sind, ein selbstbestimmtes Leben und eine hohe Lebensqualität zu bewahren“, sagt Professor Holger Hanselka, der Präsident des KIT. Gleichzeitig müsse Pflegepersonal entlastet und dem Fachkräftemangel im Pflegebereich Rechnung getragen werden. Assistenzrobotik und Technologien der künstlichen Intelligenz, wie sie am KIT erforscht werden, könnten hier eine Schlüsselmöglichkeit bieten. 

„Menschzentrierte Robotik ist eines der Zukunftsthemen des KIT. Allein die Technologien zur Verfügung zu stellen, genügt aber nicht. Wir müssen beim Einsatz von Assistenzrobotern in gemeinsamen Mensch-Roboter-Lebensräumen auch Aspekte wie den Schutz der Privatsphäre, bauliche Gegebenheiten sowie die gesellschaftlichen Auswirkungen berücksichtigen“, sagt Professor Oliver Kraft, Vizepräsident für Forschung des KIT. Deswegen arbeiten am KIT Experten aus Robotik, Künstliche Intelligenz, Mensch-Maschine-Schnittstellen, IT-Sicherheit, Ingenieur- und Sportwissenschaften sowie Architektur und Technikfolgenabschätzung gemeinsam an dem Projekt.

Vom Menschen lernen

„Durch Interaktion mit dem Menschen sollen die JuBot-Roboter fortlaufend lernen und sich an seine individuellen Bedürfnisse und Gewohnheiten anpassen“, sagt Professor Tamim Asfour vom Institut für Anthropomatik und Robotik des KIT und Koordinator des JuBot-Projekts. Die am KIT entwickelten ARMAR-Roboter können bereits komplexe Aufgaben in einer Küchenumgebung übernehmen. Hierbei lernen sie vom Menschen und interagieren mit Hilfe von natürlicher Sprache mit ihrem Nutzer. „Wir verfolgen einen menschzentrierten Ansatz, um zentrale Fragestellungen der Assistenzrobotik zu adressieren: Vielseitigkeit und Personalisierung der Systeme sowie deren Erprobung in realen Alltagsumgebungen“, erklärt Asfour. Damit das funktioniert, werden die Roboter zunächst in einem Mensch-Roboter-Apartment am KIT trainiert. In einem zweiten Schritt werden smarten Helfer in einem Karlsruher Seniorenzentrum erprobt. 

Im Programm „Durchbrüche“ fördert die Carl-Zeiss-Stiftung 2020 sechs interdisziplinäre Forschungsprojekte. Geforscht wird zu intelligenten Lösungen für eine älter werdende Gesellschaft. Das Projekt JuBots am KIT unterstützt die Stiftung mit 4,5 Millionen Euro.

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