Gesundheitskongress fokussiert Digitalisierung

Die Digitalisierungsprozesse im Gesundheitswesen stehen im Mittelpunkt des Europäischen Gesundheitskongresses München (Foto: WISO/Wolf)

Überall in Europa stehen gravierende Veränderungen des Gesundheitswesens an. Der zweitägige Europäische Gesundheitskongress in München beleuchtet die Digitalisierungsprozesse und bezeichnet einen Aufbruch der traditionellen Systemstrukturen als unumgänglich.

Der digitale Wandel, die demografische Entwicklung und steigende Ausgaben zwingen die Gesundheitspolitik, die Leistungserbringer und die Kostenträger dazu, traditionelle Strukturen aufzubrechen und zu verändern. Gesundheitssysteme, denen es nicht gelingt, digitalisierte und telematische Medizin, integrierte Versorgung und eine nachhaltige Finanzierung zu etablieren, drohen zu scheitern.

Zum zweitätigen Europäischen Gesundheitskongress München treffen sich rund 1.200 Teilnehmer, vor allem aus dem deutschsprachigen Raum. In 33 Kongress-Sessions diskutieren 150 Referenten zukunftsrelevante Fragen der Gesundheitspolitik. Dabei werden die Veränderungen in mehreren, europäischen Staaten verdeutlicht.

Spannender Blick in den Norden

Auf seiner Eröffnungsveranstaltung schaute der Europäische Gesundheitskongress nach Dänemark, wo derzeit die gesamte Krankenhauslandschaft umgebaut wird. Sieben Superkliniken der Maximalversorgung werden neu gebaut und weitere elf modernisiert und ausgebaut. Julian Weyer, Partner des Architekturbüros C.F. Møller, stellte die Superklinik Aarhus vor, den derzeit größten Klinikneubau in Europa. Sie ist der Prototyp für die anderen Neubauten.

Bei der Konzeption habe sich, so Weyer, „alles geändert“. Weyer erläuterte den Ansatz „evidenzbasierter Krankenhausplanung“: So hätten Studien beispielsweise gezeigt, dass möglichst viel Ruhe Patienten bei der Genesung ebenso helfe wie die Anwesenheit von Angehörigen. Als Konsequenz hat die Superklinik in Aarhus nur Einzelzimmer für jeden Patienten. Darin gebe es aber immer ein Klappbett, auf dem Angehörige übernachten können.

Ein wesentliches Planungskriterium sei, dass eine Klinik nach zehn Jahren Planungs- und Bauzeit bei der Eröffnung aus medizinischer Sicht oft bereits wieder veraltet sei. Der gesamte Bau sei daher so ausgelegt worden, dass Erweiterungen, Umbauten oder der Einbau zusätzlicher technischer Logistik mit möglichst geringem Aufwand möglich sind.

Deutscher Dauerbrenner Patientenakte

Tino Sorge (CDU), Mitglied im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages, betonte auf dem Münchner Kongress, dass die Große Koalition mit dem zweiten geplanten E-Health-Gesetz sicherstellen werde, dass die verschiedenen Systeme elektronischer Patientenakten miteinander kompatibel seien. Ziel sei es, dass Patienten auch künftig problemlos die Kassen wechseln und dabei ihre Gesundheitsdaten mitnehmen können. Es würden dafür Standards gesetzt, die zukunftsfähig sein müssten.

Hintergrund ist, dass gesetzliche Krankenkassen derzeit drei verschiedene Systeme elektronischer Gesundheitsakten einführen, die aber mangels gemeinsamer Standards noch nicht miteinander kompatibel sind. Das größte Konsortium aus 90 Krankenkassen stellt seine Gesundheitsaktie „Vivy“, die auch über eine Smartphone-App zugänglich sein wird, auf dem Kongress der Öffentlichkeit vor. Vivy wird für 25 Millionen Versicherte zur Verfügung stehen.