Gesundheitsinfos im Web oft unverständlich

Computertastatur mit Fragezeichen
Lesbarkeit von Gesundheitsinformationen im Internet: Textinhalte von insgesamt 14,2 Millionen gesundheitsrelevanten deutschsprachigen Webseiten überprüft (Foto: grapestock/123rf.com)

Informationen zu Krankheiten und Symptomen können heute schnell über das Internet gefunden werden. Eine Studie zeigt jedoch, dass viele deutschsprachige Textinhalte nur für Menschen mit Abitur verständlich sind.

Ob Selbstdiagnostik, Hintergründe zu einem bestimmten Medikament oder einer Behandlung: die Anzahl der deutschsprachigen Webseiten zu Gesundheitsthemen ist groß. Doch wie verständlich sind diese Texte eigentlich? Helfen die Informationen weiter oder verstehen viele User nur Bahnhof?

Der Medizininformatiker Richard Zowalla an der Hochschule Heilbronn stellte sich diesen Fragen. Im Rahmen seiner Dissertation erfasste ein sogenannter fokussierter Web-Crawler – ein Computerprogramm, dass das Internet unter Zuhilfenahme von KI-Verfahren automatisch nach bestimmten Informationen durchsucht – über den Zeitraum eines Jahres (Mai 2019 bis Mai 2020) die URLs und Textinhalte von insgesamt 14,2 Millionen gesundheitsrelevanten deutschsprachigen Webseiten. Anschließend wurden die Inhalte mit Künstlicher Intelligenz ausgewertet und die Ergebnisse dieser Studie in einem internationalen Fachjournal veröffentlicht.

Großteil an Informationen durch private Anbieter

Mit Hilfe von Googles PageRank-Technologie wurde jeweils für Deutschland, Österreich und die Schweiz eine Top 1000 Liste berechnet, wodurch insgesamt eine Top 3000 Liste des Gesundheitswebs entstand. Die umfassende Untersuchung zeigt, dass öffentliche Institutionen, wie beispielweise das Robert-Koch-Institut und nicht-kommerzielle Anbieter von Gesundheitsinformationen wie etwa die Webseite der deutschen Krebshilfe nur knapp die Hälfte der Top 3000 Seiten des Gesundheitswebs ausmachen, während der Großteil an Informationen durch private Anbieter zur Verfügung gestellt wird. Die hohen Ränge (jeweils die vordersten 20 bis 50 Seiten) nehmen in allen drei Ländern vor allem die Informationsangebote von öffentlichen Einrichtungen ein.

Vokabular sorgt für Verständnis-Barriere

Als Maßstab für die Lesbarkeit eines Textes wurden der FRE-Score oder die vierte Wienersachtextformel verwendet. Als schwerer lesbar werden dabei unter anderem längere medizinische Fachbegriffe, lange oder verschachtelte Sätze gewertet. Diese Lesbarkeitsmaße bewerten einen Text entweder als Punktwert (Score) oder in Form von Schuljahren. Erhält ein Text die Bewertung 11, sollten Leser, die die 11. Klasse abgeschlossen haben, diese sprachlich klar erfassen können. „Die Studie zeigt jedoch, dass im deutschsprachigen Gesundheitsweb das Niveau deutlich darüber liegt und ein Text nur dann vollständig erfasst werden kann, wenn 13 bis 14 Jahre schulische Bildung vorliegen“, erklärt Zowalla. Schwer lesbare Texte zu gesundheits- oder krankheitsbezogenen Themen erzeugen somit eine Barriere, auch wenn das verwendete Vokabular aus medizinischer Sicht angemessen erscheint.

„Im Zeitalter von Fake-News und Desinformation wäre es sicherlich interessant, wenn ein Verfahren vertrauenswürdige Anbieter – wie beispielsweise das Robert Koch Institut – für Gesundheitsinformationen vollautomatisch identifizieren könnte“, sagt Richard Zowalla aus der informatischen Perspektive. Hier besteht nach Ansicht des Studienautors weiterhin Handlungs- und Forschungsbedarf, der an der Hochschule Heilbronn in künftigen Projekten unter Einbindung medizinischer Experten adressiert werden soll.