Exoskelett für Rückenentlastung geht in Serie

Das Exoskelett Bionic CRAY X soll beim Heben schwerer Lasten den Kompressionsdruck im unteren Rückenbereich verringern und damit Verletzungen vorbeugen. (Foto: German Bionic Systems)

Nach sechsjähriger Entwicklungsarbeit geht jetzt das in Deutschland entwickelte und produzierte Exoskelett des Augsburger Robotikunternehmens German Bionic Systems in die Serienfertigung.  Das Modell Bionic CRAY X soll beim Heben schwerer Lasten den Kompressionsdruck im unteren Rückenbereich verringern und damit Verletzungen vorbeugen.

Exo- oder Außenskelette sind Mensch-Maschinen-Systeme, die menschliche Intelligenz mit maschineller Kraft kombinieren, indem sie die Bewegungen des Trägers unterstützen oder verstärken und so das Risiko von Arbeitsunfällen und überlastungsbedingten Erkrankungen signifikant verringern. Sie kommen dort zum Einsatz, wo menschliche Arbeit nicht sinnvoll durch Vollautomatisierung oder Robotik-Systeme ersetzt werden kann. Hierzu zählt neben der industriellen Produktion auch der Pflegebereich.

Laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) sind Muskel- und Skeletterkrankungen (MSE) für 23 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage in Deutschland verantwortlich und führen jährlich zu geschätzten zehn Milliarden Euro Produktionsausfall sowie 17 Milliarden Euro Ausfall an Bruttowertschöpfung. Ursachen für MSE sind vor allem körperliche Fehlbelastungen beim Heben und Tragen im Beruf. Das aktive Exoskelett German Bionic CRAY X wurde in Zusammenarbeit mit Arbeitsergonomen entwickelt und soll hier Abhilfe schaffen.

Vorbeugung durch Entlastung

„Exoskelette sollen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch physische Ergonomieunterstützung vor gefährlichen Bewegungsrichtungen schützen, welche mittel- und langfristig zu Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems führen“, sagt German Bionic Systems-CEO Dr. Peter Heiligensetzer. Natürlich spiele aber der Tragekomfort für die Akzeptanz der neuen Technologie eine zentrale Rolle, weiß der Experte für Mensch-Roboter-Kooperation. „Ein Schwerpunkt unserer Entwicklungsarbeit in den letzten Monaten war deshalb die weitere Miniaturisierung von Komponenten und die Verwendung einer leichteren, leistungsstärkeren Batterie.“ In dem System kommen mikromechanische Komponenten und ein ergonomisches, ultraleichtes Tragesystem zum Einsatz. Dem Träger soll das beispielsweise ermöglichen, schwere Bauteile aus unergonomischen Positionen aufzunehmen und abzusetzen. Das Serienmodell German Bionic CRAY X kann ab sofort über den Vertrieb des Unternehmens bestellt werden.

Offene Plattform für Exoskelett-Forschung

Um die Forschung von intelligenten Mensch-Maschinen- und KI-Systemen voranzutreiben, arbeitet Dr. Heiligensetzer mit seinem Team an der Entwicklung einer Software-Plattform, die auf Open Source-Technologie und offenen Standards basiert. Hierüber sollen gewonnene Daten zum Zweck der Weiterentwicklung des German Bionic CRAY X und anderer aktiver Systeme zu Analyse- und Forschungszwecken anonymisiert und frei verfügbar gemacht werden. „Neben der Verringerung der Kosten für unser Gesundheitswesen bei gleichzeitiger Produktivitätssteigerung steckt in dieser Technologie das Potential, ein weiteres drängendes Problem unserer Gesellschaft anzugehen“, ist der Experte überzeugt und führt aus: „Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und eines postulierten Fachkräftemangels in Deutschland ermöglichen Exoskelette die Schaffung altersunabhängiger Arbeitsplätze.“