Europäisches Online-Training in der Ernährungstherapie

Die Studierenden Carla Rodenas und Marta Masson bewerten den MOOC überaus positiv. (Foto:FH St. Pölten/Alexandra Kolm)

Ab sofort können europäische Diätologie-Studierende einheitliche Online-Kurse zum Thema Ernährungstherapie nutzen und an virtuellen Patienten trainieren. Das war bislang nicht möglich, da Ansätze für Therapien und Diagnosen in der Diätologie europaweit von Land zu Land unterschiedlich sind. Das soll sich nun ändern.

Entwickelt wurden die einheitlichen virtuellen Fallbeispiele für die Ernährungstherapie in Europa im Rahmen des von der FH St. Pölten geleiteten EU-Projektes IMPECD (Improvement of Education and Competences in Dietetics). Im Projekt gestaltete das Team der FH St. Pölten gemeinsam mit Forschern der Hochschulen Antwerpen (B), Fulda (D), Groningen (NL) und Neubrandenburg (D) einen frei zugänglichen „MOOC“ (Massive Open Online Course). Bei MOOCs handelt es sich um offene Onlinekurse und -vorlesungen mit einer meist großen Anzahl an Teilnehmenden, die verstärkt von Hochschulen angeboten werden.

Die Grundlage für den MOOC ist der im Rahmen des Projektes entwickelte „Dietetic Care Process“. Er beschreibt die die einzelnen Schritte der Ernährungstherapie und wurde bis dato in der Europäischen Union noch nicht vereinheitlicht. Insgesamt umfasst der Kurs neun verschiedene klinische Fallbeispiele. Er ist ab sofort unter www.impecd.eu öffentlich erreichbar.

Internationaler Austausch in der Ernährungstherapie

„Das Projekt zielt auf einen internationalen Austausch und die Qualitätssteigerung in der Ausbildung von Diätologinnen und Diätologen ab. Mit den offenen Onlinekursen können Studierende künftig länderübergreifend an denselben virtuellen Fallbeispielen trainieren und diese diskutieren“, sagt Projektleiterin Alexandra Kolm von der FH St. Pölten. Diese Art der Wissensvermittlung soll die Qualität  sowie den internationalen Austausch fördern .„Die Anwendung europäischer Leitlinien für die Ernährungstherapie war durchaus eine Herausforderung, da neben Sprachkenntnissen auch die Fähigkeit gefordert ist, theoretisches Wissen an einem virtuellen Fallbeispiel anzuwenden“, ergänzt Daniela Wewerka-Kreimel, stellvertretende Leiterin des Studiengangs Diätologie an der FH St. Pölten, die die Fallbeispiele mitentwickelt hat.

Erfolgreiche Tests mit Studierenden

Bereits vor dem Start testete das Projektteam den Onlinekurs mit 50 Studierenden aus Österreich, Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Dabei wurden von den Studierenden Usability, User Experience, Design und Sprache geprüft. Das Ergebnis war positiv: Die Tester bewerteten den Onlinekurs als motivierend, spannend und innovativ. Außerdem schätzten sie die neue Form der Wissensvermittlung ebenso wie den internationalen Kollegen-Austausch.

„Der MOOC ist eine großartige Lernplattform, um die Anwendung von evidenzbasierten Leitlinien anhand von Fachbeispielen zu trainieren, und man bekommt auch einen Blick über den nationalen Tellerrand hinaus“, sagen die beiden Studentinnen Carla Rodenas und Marta Masson.

Künftig soll der MOOC fest in der Diätologen-Ausbildung verankert werden. Auch die Erweiterung um neue Themen und Fälle ist geplant. Über die europäische Vereinigung der Diätologie-Fachverbände (EFAD) und die European Association for Medical Education wird der Online-Kurs derzeit einem breiten Publikum. Damit soll der IMPECD-MOOC lanciert und eine verbreitete Nutzung gewährleistet werden.