Digitale Arbeitsplätze oft nicht ergonomisch

Gastautor Michel Spruijt ist General Manager EMEA bei Ergotron. (Foto: Ergotron)
Gastautor Michel Spruijt ist General Manager EMEA bei Ergotron. (Foto: Ergotron)

Die Digitalisierung in Kliniken und Pflegeeinrichtungen kommt endlich auch in Deutschland voran. Doch unser Gastautor Michel Spruijt weist darauf hin, dass digitale Arbeitsplätze oft nicht ergonomisch genutzt werden können. Ein unnötiges Problem, dessen Lösung der Mitarbeitermotivation, der Patientenversorgung und der Nachhaltigkeit dient.

Von Michel Spruijt

Trotz einiger Hürden schreitet die Digitalisierung im Gesundheitswesen europaweit voran. Bis 2021 soll auch in Deutschland die elektronische Patientenakte (ePA) Versicherten zur Verfügung stehen, um etwa Notfalldaten, Röntgenbilder, Befunde oder Medikationspläne digital zugänglich zu machen. Dadurch sind im Ernstfall lebenswichtige Informationen schneller zur Hand und Doppeluntersuchungen werden vermieden. Zudem sollen in Deutschland künftig Erstbehandlungen von Patienten in speziellen Fällen auch per Videosprechstunde, telefonisch, per E-Mail, SMS oder Chat durchgeführt werden, ähnlich wie bei den Vorreitern in Skandinavien, England und der Schweiz.

Bereits heute werden hierzulande Medical PCs in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen verwendet. Sie ermöglichen eine einfachere Dokumentation und Verwaltung von Patientendaten, beschleunigen den Informationsaustausch zwischen Ärzten und Pflegepersonal und verschlanken Prozesse. Jedoch kommen mit der Digitalisierung im Gesundheitswesen auch neue Herausforderungen: Laut einer Ergotron-Studie leiden 49 Prozent der befragten Pflegekräfte, die an ihrem Arbeitsplatz computergestützte Systeme verwenden, unter Beschwerden bei der Dateneingabe, darunter Handgelenks-, Nacken- und Rückenschmerzen.

Im Zuge der Digitalisierung gilt es daher, auch eine ergonomische Nutzung von Computern für das medizinische Fachpersonal zu ermöglichen. Beispielsweise lassen sich durch mobile PC-Visitenwagen, IT-Geräte wie Computer, Laptops und Tablets einfach und schnell dorthin transportieren, wo sie gerade benötigt werden. Um eine ergonomische Verwendung zu gewährleisten, sollten die Wagen jedoch sorgfältig auswählt werden und flexibel einstellbar sein. Dadurch können sie an Körpergröße und Arbeitsanforderungen des Personals angepasst werden und erlauben ein Arbeiten sowohl im Sitzen als auch Stehen. Während ihrer Schicht legen Pflegekräfte oft mehrere Kilometer zurück. Die Möglichkeit, während der Eingabe von Patientendaten zu sitzen, bietet eine willkommene Abwechslung und Zeit zur Erholung. Darüber hinaus werden unnötiger Zeitaufwand und Herumgerenne vermieden, da das Aufsuchen eines stationären Arbeitsplatzes überflüssig gemacht wird. 

Ausstattung speziell für den Medical-Bereich

Investitionen in mobile Computerwagen, die speziell für das Gesundheitswesen entwickelt wurden machen Sinn. Sie bieten Platz für Scanner, Drucker, Reinigungstücher oder eine große Arbeitsfläche mit schwenkbarem Monitorarm. Dadurch kann der Bildschirm im Gespräch mit dem Patienten leicht gedreht werden, damit dieser alle Informationen im Blick hat. Für die ausführliche Dokumentation gibt es Visitenwagen mit verstellbarer Tastaturablage, was schnelles, bequemes Tippen ermöglicht. Andere Wagen wurden speziell für die Bereitstellung und Abgabe von Medikamenten entwickelt. Funktionen wie selbstverriegelnde Schubladen mit PIN erlauben ein effizientes Medikationsmanagement am Ort der medizinischen Versorgung.

Die Stromversorgung ist ein weiterer wichtiger Aspekt, wobei Zuverlässigkeit, Sicherheit sowie Vorteile wie Hot-Swap-Batterien, die den Wechsel im laufenden Betrieb des Systems ermöglichen, an erster Stelle stehen. Mobile Visitenwagen sind den ganzen Tag in Gebrauch, weshalb sie nur wenig wiegen dürfen und einfach durch enge Korridore oder um Kurven manövrierbar sein müssen. Solche Funktionen ermöglichen es dem Fachpersonal Daten bequem und effizient am Krankenbett der Patienten einzugeben und zu aktualisieren. Außerdem kann jeder Wagen innerhalb weniger Sekunden ergonomisch an die nächste Fachkraft angepasst werden.

Wandarbeitsplätze im Krankenzimmer

Eine weitere Lösung sind Wandarbeitsplätze. In Krankenzimmern sind diese ideal, um im Handumdrehen Patientendaten einzugeben oder abzurufen. Einige Wandsysteme sind so ausgerichtet, dass der gesamte Arbeitsplatz inklusive Bildschirm, Maus, Tastatur mit nur einer Bewegung wahlweise auf Sitz- oder Stehhöhe gebracht werden kann. Bei anderen Ausführungen kann der Monitor an einem Arm und die Tastatur an einem zweiten angebracht sein. Medizinische Fachkräfte können so den Bildschirm zum Patienten drehen, was auch die Interaktion verbessert. In beiden Fällen erlaubt die Flexibilität komfortables Arbeiten. Intelligentes Design, wie etwa die Möglichkeit, sie bei Nichtbenutzung an die Wand zu klappen, spart zudem Platz.

Praxisbeispiel: Evangelisches Krankenhaus Oldenburg

Das Evangelische Krankenhaus Oldenburg, welches 1.400 Mitarbeiter beschäftigt und jährlich mehr als 50.000 Patienten versorgt, setzt bereits seit 2015 auf ergonomische Visitenwagen für den mobilen PC-Einsatz. Diese werden nicht nur zur Visite auf den Stationen genutzt, sondern an nahezu allen Orten im Krankenhaus, an denen Dokumentation betrieben oder Informationen benötigt werden, so zum Beispiel in der Zentralen Notaufnahme, im Kreißsaal oder Medikamentenlager. Zudem bieten sie stufenlose Höhenverstellbarkeit für ergonomisches Arbeiten sowohl im Stehen als auch Sitzen. Aufgrund ihrer kleinen Stellfläche eignen sich die Wagen außerdem für enge Arbeitsbereiche. Sie sind leicht, wendig, aber dennoch stabil und ermöglichen einfache Reinigung. Nach Bedarf können Komponenten wie Ablagefächer oder Halterungen unkompliziert ausgetauscht oder hinzugefügt werden.

Mobile Visitenwagen und Wandarbeitsplätze in Krankenzimmern ermöglichen nicht nur eine stärkere Einbindung der Patienten, sondern steigern auch das körperliche Wohlbefinden der medizinischen Fachkräfte, was wiederum die Patientenversorgung verbessert. Ärzte und Pflegepersonal können damit von überall aus Dokumentation betreiben und auf Patienteninformationen zugreifen. So bleibt mehr Zeit für die Patientenversorgung.