Demenz: Sensorisches Pflaster unterstützt bei der Pflege

Ein sensorisches Pflaster könnte künftig dabei helfen, die Pflege demenzkranker Menschen individueller zu gestalten und so zu verbessern. (Foto: js-photo - Fotolia.com)

Ein kleines sensorisches Pflaster könnte künftig bei der Pflege von demenzkranken Menschen unterstützen. Dazu misst es die Aktivitäten des Patienten. So sollen Pflegende besser auf die individuellen Bedürfnisse des Erkrankten eingehen können. Relevant sein könnte die Lösung des dänischen Unternehmens BRANE vor allem für Pflegeeinrichtungen.

Immer mehr Menschen erkranken an Demenz und sind auf Pflege angewiesen. Das im Rahmen des Projektes DEMANTEC vorgestellte und vom dänischen Unternehmen BRANE entwickelte System Demo soll dabei helfen, den individuelle Bedarf an Pflege des Patienten besser einschätzen zu können. Das sensorische Pflaster wird auf dem Rücken des Patienten angebracht und misst danach minütlich über Sensoren die Aktivität des dementen Pflegebedürftigen. Auf diese Weise wird registriert, ob der Betroffene liegt, sitzt oder geht, ob er aktiv oder aber ruhig ist.

Die verschlüsselten Daten werden sicher in eine spezielle Datenbank übertragen. Ziel soll es sein, die Aktivität des dementen Pflegebedürftigen über 24 Stunden zu erfassen und auszuwerten. Die Vorteile liegen auf der Hand: Das Pflegepersonal erhält ein umfassendes Bild über den Tagesrhythmus des Patienten und kann auf auf Basis dieser Informationen die Pflege des Patienten optimieren. „Die minütliche Messung über volle 24 Stunden ergibt ein Bild des Aktivitätsniveaus des dementen Pflegebedürftigen. Man kann sehen, ob die Betroffenen sitzen, liegen oder aber losrennen. Man sieht auch wie sich die Aktivität über den Tag verteilt, ob sie gleichbleibt oder es verschiedene Phasen gibt, ob die Betroffenen etwa zur gleichen Zeit zu Bett gehen und ob sie an verschiedenen Tagen gleich lang schlafen, oder aber nach einer unruhigen Nacht müde sind“, sagt BRANE-Geschäftsführer Jens Braneberg. Die Schlafdauer variiere auch bei gesunden Menschen, bei dementen Mitbürgen variiere sie jedoch stark. „Wenig Schlaf ist ein Ausdruck von mangelndem Wohlbefinden. Das ist ein Hinweis, ob es notwendig sein könnte, die Pflege zu optimieren“, so Braneberg weiter.

Optimale Einstellung der Pflege

Mit den Tagesrhythmus-Diagrammen sollen die Betreuer eine Datengrundlage bezüglich der Aktivität des Demenzkranken erhalten auf dieser Grundlage fundierte Entscheidungen treffen können. „Hier hat man eine ganz neue Technologie, die mit objektiven und kontinuierlichen Messungen zeigt, ob die Pflege optimal eingestellt ist. Das Personal kann sehen, wo man im Laufe des Tages unterstützend und stimulierend eingreifen könnte, zum Beispiel mit ein paar Minuten in einem Schaukelstuhl, Spaziergängen, Radfahren, Musik und anderen Dingen. Man sieht, was hilfreich ist und was nicht.“, so Braneberg. Menschen, die an Demenz leiden, haben oft Schwierigkeiten sich auszudrücken. „Je mehr dieser Beobachtungen wir machen, desto besser können wir die Pflege anpassen.“, erläutert Jens Braneberg. In diesem Zusammenhang betont er jedoch, dass das System weder als ein diagnostisches Werkzeug konzipiert ist, noch so angewandt werden sollte. Die Beobachtungen spiegeln lediglich die Pflege und das Wohlbefinden des Dementen und können als Entscheidungsgrundlage für pflegerische Maßnahmen dienen.

Derselbe Sensor kann bei mehreren Patienten angewandt werden. Da es kein dauerhaftes Überwachungssystem ist, sondern nur über einen kurzen Zeitraum benutzt werden soll, erwartet Braneberg nicht, dass man für den Einsatz des Pflasters eine Einverständniserklärung des Patienten benötigt. Das soll jedoch im Laufe der nächsten Monate genauer untersucht werde. Bislang wurde das Pflaster in vier Pflegeeinrichtungen erprobt, mit positivem Feedback.

Auch für die Pflege zuhause

Denkbar ist es aber auch, dass das Sensorpflaster auf längere Sicht pflegenden Angehörigen hilft, die eine an Demenz erkrankte Person im eigenen Heim betreuen. „Es ist harte Arbeit, einen Demenzpatienten zu pflegen. Wenn nun jemand von der ambulanten Pflege dem Erkrankten ein Pflaster auf den Rücken setzt, so wird sichtbar, welcher Einsatz verlangt ist. Der Angehörige sieht, ob der Demente gut schläft, und das kann dem pflegenden Angehörigen dann selbst die wohlverdiente Nachtruhe schenken. Auf der einen Seite werden diese entlastet und auf der anderen Seite erkennt man, wann zusätzliche Pflege erforderlich ist“, so Braneberg. Zudem könnten die Daten können bei der Bemessung der Pflege eingesetzt werden und ermöglichen, dass Patienten länger in den eigenen vier Wänden bleiben können.

Das Projekt DEMANTEC

Das deutsch-dänische E-Health-Projekt DEMANTEC  hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebensqualität für Personen mit Demenzerkrankungen durch innovative Technologien zu verbessern. Das Projekt läuft bis Februar 2019 und wird vom Interreg Deutschland-Dänemark mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert. DEMANTEC hat insgesamt zehn Partner, darunter Unternehmen, Pflegeheime und Bildungseinrichtungen. Darüber hinaus hat das Projekt 21 Netzwerkpartner, die die Projektaktivitäten unterstützen. Als Leadpartner im Projekt fungiert die Hochschule Flensburg mit dem Institut für eHealth und Management im Gesundheitswesen.